Aufwärtstrend bei den Mitgliederzahlen

Bürgermeister Michael Lotz (ganz rechts) ehrte für 40 Jahre aktiven Feuerwehrdienst Wolfgang Blicker (2. v. l.). Für 25 Jahre aktiven Feuerwehrdienst wurden geehrt: Michael Hohmeyer, Markus Braas, Klaus Dieter Greeb, Harald Enseroth, Christian Betz und Edgar Demel.

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Bürgermeister Michael Lotz begrüßte die Versammlung auch in seiner Funktion als Vorsitzender des Feuerwehrverbandes Dillkreis und überbrachte die Grüße der städtischen Gremien, allen voran die des Stadtverordnetenvorstehers Klaus-Achim Wendel.

Der Feuerwehrdienst sei betroffen von einer Reihe gesellschaftlicher Veränderungen. "Mir geht es darum, dass wir in einer Gesellschaft leben, die ihren Dienst, sehr geehrte Kameraden, und das betrifft auch die Partner unserer befreundeten Hilfsorganisationen und die Polizei, viel zu selbstverständlich nimmt. Aber nicht nur selbstverständlich, sondern teilweise sogar mit Herablassung, Nichtachtung bis hin zu Übergriffen verbaler und körperlicher Art," so das Stadtoberhaupt. In seinen Beispielen ging er auf nicht tolerierbare Ereignisse von Einsätzen ein, bei denen Gaffer beispielsweise sich an für die Einsatzkräfte bereitgestellten Lebensmitteln bedienten und damit ihre Respektlosigkeit gegenüber den Helfern demonstrierten. Ähnliche Rücksichtslosigkeit habe man kürzlich auf der Autobahn bei Weiterstadt erleben dürfen, wo eine verstopfte Rettungsgasse dafür sorgte, dass die Rettungskräfte 800 Meter zu Fuß zur Unfallstelle laufen mussten und nur sehr verzögert bei den Opfern ankamen. Er habe große Sympathie für die Einsatzkräfte, die nach verbalen Attacken der Autofahrer dann wohl rund 30 Fahrzeugführer zur Anzeige gebracht hätten.

Die nächstschlimmere Stufe sei Gewalt gegen Einsatzkräfte. Untersuchungen in Berlin und Hamburg hätten ergeben, dass jeder dieser Kameraden von durchschnittlich drei gegen die eigene Person gerichtete Angriffe pro Jahr berichtet habe. "Das sind deutliche Signale auf eine gesellschaftliche Klimaveränderung. Eine Veränderung, die uns als Betroffene, aber auch politisch Verantwortliche hellhörig werden lassen muss," so der Dillenburger Bürgermeister. Die Einbeziehung von Rettungskräften und Feuerwehr in den Schutz der Paragrafen 113 und 114 Strafgesetzbuch mit der gleichzeitigen Anhebung des Strafmaßes auf bis zu drei Jahre Freiheitsentzug sei seiner Meinung nach deswegen richtig und ein wichtiges Signal gewesen.

Kompetenz ist das wichtigste Ziel

Auch der stellvertretende Kreisbrandinspektor Wolfgang Blicker und der Erste Kreisbeigeordnete Heinz Schreiber übermittelten der Versammlung ihre Grußworte.

Stadtbrandinspektor Michael Reichel stellte zu Beginn seines Tätigkeitsberichts fest, dass es unmöglich sei, die gesamte geleistete Arbeit in Zahlen und Statistiken wiederzugeben. Er berichtete, dass in den acht Wehren der Stadtteile und der Kernstadt zurzeit 261 Männer und Frauen im aktiven Dienst stehen, die über insgesamt 32 Fahrzeuge verfügen. Die Mitgliederanzahl insgesamt befindet sich seit mehreren Jahren in einem leichten Aufwärtstrend. Bemerkenswert sei, dass es sich bei den Neueintritten um viele Quereinsteiger handele. Dieses Potential gelte es, zu fördern.

Die Anzahl der Einsätze mit 130 ist dem Vorjahr gegenüber nahezu gleich geblieben. An manchen Tagen werden die Ehrenamtler zu bis zu vier Einsätzen gerufen. Zu den bemerkenswertesten Einsätzen gehörten die Alarmierung wegen Wassereinbruch in der 5. Ebene der Dill-Kliniken, bei dessen Beseitigung eine Tür aufgrund des großen Innendrucks mit einer Motorsäge habe aufgebrochen werden müssen und der Brand des Rothaarsteig-Wahrzeichens im Eingangsportal des Wanderweges im Hofgarten durch eine brennende Zigarette. Bei allen Einsätzen konnte die Hilfsfrist eingehalten werden.

In 2016 wurden insgesamt 92 Lehrgänge absolviert. Fast 11.000 Stunden wurden in Ausbildung und Training investiert, was bei jedem Wetter stattfand. Die umfangreichste Übung fand im Schlossbergtunnel statt, wo die gelernten Abläufe erfolgreich umgesetzt werden konnten.

Die Einführung des Digitalfunks bzw. die digitale Alarmierung kann in Kürze abgeschlossen werden, da die Meldeempfänger zu einer Investitionssumme von 130.000 Euro bestellt wurden. Mit Unterstützung der örtlichen Feuerwehrvereine konnten sieben Wärmebildkameras für die Stadtteilwehren angeschafft werden. Besondere Bedeutung kommt der Brandschutzerziehung in Kindergärten und Schulen zu, an der 132 Kinder teilnahmen.

Mit dem Lahn-Dill-Kreis werden in Kürze Gespräche geführt über anstehende Umstrukturierungen von Einheiten und der Aufgabenverteilung, die sich durch das neue Katastrophenschutzgesetz ergeben. Michael Reichel hob besonders die vorbildliche Zusammenarbeit bei der Ausübung der Einsatzleitung während des Herborner Hessentages hervor. Als eines der wichtigsten Projekte für 2018 werde die Brandschutzabteilung der Stadt neben der Mitgliedergewinnung das komplexe und sensible Thema "Öffentlichkeitsarbeit" angehen.

Aktive Jugendfeuerwehren mit 137 Mitgliedern

Der Stadtjugendfeuerwehrwart Christoph Herr gab einen Überblick zu den Tätigkeiten der Jugendfeuerwehren. Diese bestehen derzeit aus 137 Mitgliedern, davon 31 Mädchen. In den acht Jugendabteilungen wurden über 2.000 Stunden Jugendarbeit geleistet. Zusätzlich haben die Betreuer und Jugendwarte Hunderte von Stunden für die Vorbereitung von Übungen, Sitzungen, Aus- und Fortbildung verwendet. Die jungen Mitglieder nehmen regelmäßig an Landesentscheiden und Bundeswettkämpfen teil und wirkten auch beim Herborner Hessentag mit.

Verdiente Ehrungen für zahlreiche Kameraden

Zahlreiche Kameraden und Kameradinnen wurden im weiteren Verlauf des Abends für ihre Zugehörigkeit bei der Feuerwehr geehrt. Patrick Stäcker wurde als neuer Wehrführer für Oberscheld und Karsten Brandes als sein Stellvertreter vereidigt. 23 Mitglieder wurden befördert und 26 Mitglieder erhielten die Anerkennungsprämie des Landes Hessen für langjährige Dienste in den Einsatzabteilungen.

Für 25 Jahre aktiven Feuerwehrdienst wurden geehrt: Jan Michael Hohmeyer (Dillenburg), Wolfgang Hild (Oberscheld), Edgar Demel und Harald Enseroth (beide Eibach), Markus Braas und Sascha Jung (beide Donsbach), Christian Betz (Manderbach) und Klaus Dieter Greeb (Frohnausen).

Blicker erhält das Brandschutzehrenzeichen in Gold

Wolfgang Blicker aus Manderbach, der auch die Funktion des stellvertretenden Kreisbrandinspektors innehat, erhielt von Ersten Kreisbeigeordneten Heinz Schreiber das Brandschutzehrenzeichen in Gold und von Bürgermeister Michael Lotz die Ehrung für 40 Jahre aktiver Feuerwehrdienst.

Durch einen versehentlichen Formfehler bei der Wahl des neuen Stadtjugendfeuerwehrwarts und seines Stellvertreters muss diese Wahl wiederholt werden. Für diese Positionen standen Kevin Blicker und Christoph Herr zur Verfügung, die ihre Bereitschaft zur Kandidatur nach der ungültigen Wahl allerdings zurückzogen.


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