Ausländer, behindert, doppelt ausgegrenzt

INKLUSION fib startet hessenweit einzigartiges Projekt im Landkreis / Hilfe für irakischen Journalisten

Die Mitarbeiter des Vereins zur Förderung der Integration Behinderter (fib) mit ihrem Gast, dem Journalisten Mudher Al-Jaberi aus dem Irak. (Foto: privat)

Anhang : red.web_1fd0a2cf83e822af3824e4ce779f78c2
Bild 1 von 2

Häufig werden die Betroffenen und ihre Familien durch die bestehenden Unterstützungsangebote nicht erreicht. Anders im Projekt interkulturelle Beratung (PiB) des Verein zur Förderung der Integration Behinderter (fib), das von Aktion Mensch gefördert wird.

Einer der ersten Kunden des Projektes ist Mudjer Al-Jaberi, ein junger Journalist aus dem Irak, der infolge eines Unfalls querschnittsgelähmt ist.

n Ungefragt im Altenheim

Als er Anfang 2012 nach Deutschland einreist, wird er ungefragt in einem Altenheim untergebracht. Durch einen engagierten Rettungssanitäter, der inzwischen ein guter Freund geworden ist, bekommt er drei Monate später Kontakt zum fib. Zu diesem Zeitpunkt ist sein Aufenthaltsstatus noch ungeklärt, er hat keine Krankenversicherung, keinen Rollstuhl und die Kosten für den Heimplatz möchte niemand mehr übernehmen. Zusammen mit den PiB-Mitarbeiterinnen beginnt für Al-Jaberi  nun ein Kampf durch den Behördendschungel, in dem er sehr viel Geduld und Durchhaltevermögen beweisen muss. Eine Behörde lähmt die Nächste; mit so einem Fall kennt sich niemand aus und trotz der akuten Notlage lassen sich alle sehr viel Zeit. Die wenigsten sind bereit, mit dem jungen Mann, der fließend Englisch spricht, auf Englisch zu sprechen. "Es ist unmöglich, dass alleine zu schaffen!", sagt der Journalist. Trotz der engagierten Unterstützung durch den fib dauert es noch weitere drei Monate, bis er einen geeigneten Rollstuhl bekommt und endlich anfangen kann, sich selbstständig zu bewegen.

n Dolmetscher wird gebraucht

Inzwischen wohnt er in seiner eigenen Wohnung, in der er ambulante Hilfen bekommt und seinen Tagesablauf selbst bestimmen kann. Sobald seine gesundheitliche Situation es zulässt, möchte er einen Deutschkurs besuchen und sich um seine berufliche Zukunft kümmern.

Wie Al-Jaberi wissen viele Migranten nicht, dass es in Deutschland Unterstützung und Beratung für Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen gibt. In ihren Herkunftsländern ist das meist allein Aufgabe der Familie. Diese Familien will der fib erreichen, so die Projektleitung Hannah Mühling. In enger Zusammenarbeit mit Stadtteilinitiativen, Kulturvereinen und Gebetshäusern bietet das PiB Infoveranstaltungen an, in denen Menschen in ihrer eigenen Umgebung und jeweiligen Muttersprache von den Angeboten erfahren und die Mitarbeiter des fib ansprechen können.

Ein weiteres Ziel ist es, im Landkreis öffentlich für das Thema "Migration und Behinderung" zu sensibilisieren. Obwohl es zahlreiche Angebote für Menschen mit Migrationshintergrund gibt, werden die spezifischen Bedürfnisse von behinderten Menschen auch hier häufig nicht oder nur unzureichend berücksichtigt. Deswegen muss eine gute Vernetzung des fib mit Trägern, die Beratungs-, Unterstützungs- und Bildungsangebote für MigrantInnen machen, her. "Zum Glück sind wir da bisher auf offene Ohren gestoßen!" freut sich Mühling. "Gemeinsam können wir viel voneinander lernen und vorhandene Angebote quasi von beiden Seiten für Menschen mit Behinderung und Migrationshintergrund öffnen".


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2012
Kommentare (0)
Mehr aus red.web unzugeordnet