Autofahrer: „Ihr seid zu langsam gelaufen“

JUSTIZ  Berufsschüler fährt Mitschüler auf Heimweg mit dem Auto in die Fersen / 1600 Euro Geldstrafe

Die Wege an der Werner-von-Siemens-Schule können eng sein – so eng, dass ein Schüler einen anderen anfuhr. (Archivfoto: Wessolowski)

Nach dem Unterricht an der Werner-von-Siemens-Schule in Niedergirmes kam es an einem Septembernachmittag des vergangenen Jahres zu einem Vorfall zwischen zwei Berufsschülern, der jetzt ein gerichtliches Nachspiel hatte. Der auf der Anklagebank sitzende 22-jährige Mechaniker war mit seinem Opel auf einem Gehweg, der auch für Kraftfahrzeuge zugelassen ist, zu dicht auf eine Gruppe von Mitschülern aufgefahren, die zu Fuß zu ihren abgestellten Fahrzeugen unterwegs waren. In dem dichten Gedränge von Autos und Schülern hatte der Opel-Fahrer den 19-jährigen Auszubildenden am Bein erfasst.

Beifahrer belastet seinen Freund

„Unter Schmerzen humpelte ich zur Fahrertür, fragte, was das soll und erhielt als Antwort ,Ihr seid zu langsam gelaufen‘“, so das Unfallopfer. Danach sei der Autofahrer einfach weiter gefahren. Das Unfallopfer musste ärztlich versorgt werden, wurde aber glücklicherweise nur leicht an der Ferse verletzt.

Im Gerichtssaal entschuldigte sich der geständige Angeklagte bei dem Unfallopfer und betonte, dass er nicht absichtlich auf ihn losgefahren sei. Der damalige Beifahrer des Angeklagten bestätigte diese Version: „Ich hatte ihn aufgefordert, stehen zu bleiben“, gab der 20-jährige Berufsschüler zögernd bekannt und erhärtete damit den Verdacht, dass der Angeklagte sich einer Unfallflucht schuldig gemacht hat. Diese Antwort kam allerdings erst nach Hinweis der Vorsitzenden Richterin auf die Rechtsfolgen einer Falschaussage, nachdem schon der Eindruck entstanden war, dass er seinen Freund nicht belasten wolle.

Seine Fahrerflucht begründet der Angeklagte, der in der Nähe von Wetzlar wohnt, mit mangelnder Stresstauglichkeit und der Annahme, dass nur ein belangloser Kontakt stattgefunden habe. Unter Berücksichtigung der angestrengten persönlichen und beruflichen Situation des Angeklagten sah das Gericht nach reiflicher Überlegung von einem Entzug des Führerscheins ab.

In Absprache mit seinem Verteidiger Romanus Schlemm akzeptierte der Angeklagte das Urteil noch im Gerichtssaal. (hu)


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