Autofahrer bringt Biker zu Fall

GERICHT Geldstrafe wegen fahrlässiger Körperverletzung

Der 62-jährige Audi-Fahrer war schuld an einem Verkehrsunfall im Sommer 2013 in der Gemarkung Hüttenberg, bei dem ein junges Biker-Paar stürzte und sich schwere Verletzungen zuzog. Zu diesem Urteil kam Richterin Nicole Mett nach gut vierstündiger Sitzung und Anhörung von einem halben Dutzend Zeugen und zwei Kfz-Sachverständigen.

Laut Staatsanwaltschaft hatte der Schöffengrunder an einem Julinachmittag bei der Ausfahrt aus einem Feldweg bei Weidenhausen ein vorfahrtberechtigtes Motorrad übersehen. Hierbei wurden der Biker (25) und seine Mitfahrerin (21), beide aus Hüttenberg, schwer verletzt.

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Der seit einigen Jahren arbeitslose Angeklagte war mit seinem Nachbarn unterwegs, will nur kurz in einem Feldweg gehalten haben und dann wieder auf die Kreisstraße zwischen Weidenhausen und Wetzlar aufgefahren sein. "Ich habe an der Einmündung gestoppt, nach rechts und links geschaut und kein Motorrad gesehen", so der Angeklagte auf Nachfrage des Gerichts.

Opfer leiden noch heute unter Problemen mit dem Knie

Er will bereits auf der Gegenfahrbahn gewesen sein, als die Kollision mit dem "schaukelnd" ankommenden Motorrad geschah. Er bemängelte die polizeiliche Unfallaufnahme und die Ergebnisse der beiden verkehrsanalytischen Gutachten und fühlte sich schuldlos. Bereits am Unfallort soll er dem schwer verletzten Kawasaki-Fahrer zu schnelle Fahrweise unterstellt haben. Trotz Bremsmanöver hatte der Biker eine leichte Kollision und Sturz der Motorradbesatzung nicht verhindern können. Das Bikerpärchen musste stationär im Krankenhaus behandelt werden und sich Operationen unterziehen. Beide waren für Monate krankgeschrieben. Noch heute leiden sie an Knieproblemen.

"Aufgrund der Sichtweite von rund 160 Metern hätte der Audi-Fahrer das herannahende Motorrad gut sehen müssen", waren sich die beiden Unfallexperten einig. Hinsichtlich der möglichen Geschwindigkeit des Motorrades kamen sie zu unterschiedlichen Ergebnissen (zwischen Tempo 90 und rund 120).

Entscheidend für die Juristen war, dass die Gutachter die Kollision aus Sicht des Angeklagten für vermeidbar hielten, weil er nachweislich die Vorfahrt missachtet hat, und den Motorradfahrer keine Schuld treffe.

Verteidiger Peter Reder (Wetzlar) musste während des Prozesses viel Überzeugungsarbeit beim Angeklagten leisten, der letztendlich das Urteil akzeptierte, das daher Rechtskraft erlangte.


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