BRIGITTES LANDLEBEN

Von Brigitte Koischwitz

Nicht mein Tag... Sich früh am Morgen in dieser Welt erst einmal wieder zurechtzufinden, gestaltet sich manchmal recht mühsam, ganz besonders, wenn man aus einem Traum erwacht, indem man geliebt und gelitten hat, als wäre es die pure Wirklichkeit.

Beim ersten Blick in den Spiegel braucht man mitunter alle Kraft, um diesen Anblick zu ertragen: die Frisur lädiert, ordentlich Lymphe im Gesicht, da ist man kurz davor, den Erkennungsdienst zu alarmieren. Der Schädel brummt, die Glieder Schmerzen, dazu noch Druck auf dem Herzen. Im Radio sagen sie: Schuld daran wäre "Tiefdruckwirbel Marita" mit den extrem milden Temperaturen. Unser Biorhythmus bezüglich der Jahreszeiten mache da nicht mit.

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Das Absperrventil gibt seinen Geist auf

So getröstet gab ich mich zufrieden und war bereit diese Belastung zu ertragen, wenn da nicht, während ich mir in aller Stille die Haare ordnete, dieser verflixte Wasserhahn mit seinem penetranten Tropf-tropfklinklang, systematisch an den Nerven gezerrt hätte. Völlig grundlos lagen selbige nämlich leicht blank. Also drehte ich, mit der mir noch verbliebenen Kraft, diesen Hahn so fest zu, bis nichts mehr ging. Natürlich völlig zwecklos!

Als voll emanzipierte Frau, die auch mit Hammer und Meißel umgehen kann, holte ich Zange und Schraubenzieher herbei. Grade als ich die Zange ansetzen wollte, sprang der liebste Mann an meiner Seite hinzu. "Du musst erst mal das Wasser abstellen", und drehte flugs einen kleinen Hahn unter dem Waschbecken zu.

Des Übels Wurzel war schnell erkannt, der Dichtungsring war kaputt. Als gute Handwerkerin hat man so etwas vorrätig. Mit einem ganzen Satz dieser Exemplare hatte ich mich mal bei einem Discounter eingedeckt, als sie dort im Angebot waren. Der "liebste Mann" klopfte mir auf die Schulter. Als Lohn durfte ich auch ganz alleine das Wasser wieder anstellen. Also drehte ich den kleinen Hahn unter dem Waschbecken wieder auf. "Wasser marsch", doch nix marschierte. Egal wie oft wir abwechselnd am Rädchen drehten, aus einem unerfindlichen Grund blieb es im Becken trocken.

Das muss erst einmal verdaut werden, insbesondere wenn man noch barfüßig im Schlafanzug da steht! Mit anderen Worten die Zähne konnte man sich nur unter der Dusche putzen, denn die ging ja noch. Auf diesen Schreck hin wurde erst einmal in Ruhe gefrühstückt. Frisch gestärkt wurde mehr und mehr klar, das kleine Absperrventil hatte seinen Geist aufgegeben, es musste ab. Also Wasser im ganzen Haus abstellen. Eh man sich versah, war das Badezimmer voller Rohrzangen und fünfzehner, Sechzehner, Siebzehner, achtzehner Schraubenschlüssen, denn keiner wollte recht passen und überhaupt, weil das Waschbecken zu dicht am Ventil lag, gab es nur eine Möglichkeit, es musste ab.

Das ging verhältnismäßig leicht. Eine Decke wurde ausgebreitet und das teure Stück darauf gelagert. Eh ich mich versah verwandelte sich Badezimmer und Korridor in ein totales Chaos. Besagtes Ventil war schnell abgeschraubt, nun konnte man sehen, innen drinnen rührte sich nichts. Ein neues musste her!

"Das war nicht mein Tag!"

Mitten in unsere Ratlosigkeit schickte der Himmel einen kundigen Nachbarn. Na der schlug die Hände über dem Kopf zusammen. "Euer Siphon ist kurz vor dem Zerfall und den Armaturverbindungsschlauch kann man vergessen, der ist bereits durchlöchert." Mit anderen Worten die ganze Unterbauinstallation bedurfte einer kompletten Erneuerung. Dieser Vormittag jedenfalls war rum.

Als ich freudestrahlend mit dem begehrten Zubehör vom Baumarkt zurückkehrte, übereichte mir der liebste Mann an meiner Seite mit einem seltsam verschmitzten Lächeln einen Brief "Für dich!"" "Hmm? Ein Brief von der städtischen Ordnungsbehörde mit einem Foto von mir?" Verflixt schlecht getroffen und dafür wollte man auch noch ganze fünfundzwanzig Euro? Als abends dann auch noch die Lampe im Wohnzimmer versagte stellte ich fest. "Das war nicht mein Tag!"


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