Beamte sind sauer auf die Landesregierung

Staatsdiener Schlechte Stimmung auf dem Bezirksvertretertag wegen Nullrunde und Personalmangel

Regierungspräsident Christoph Ullrich kam auch als Gast zum Bezirksvertretertag der Beamten nach Fernwald. (Foto: Gross)

Auch in diesem Jahr hatte der Vorsitzende des Deutschen Beamtenbunds Hessen, Siegfried Urbanek, nach Fernwald geladen.

Im Gegensatz zu der sonst so guten, kollegialen Stimmung, war sie aber in diesem Jahr ziemlich gedrückt.

Denn Hessens Beamte sind empört - und das machten sie bei ihrem Treffen auch ziemlich deutlich. "Dieses Jahr war für alle Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes ein ziemlich hartes Jahr", betonte der Leiter des Deutschen Beamtenbundes, Heini Schmitt, angesichts der Herausforderungen durch die vielen Flüchtlinge und die zum Teil exorbitant erhöhten Arbeitszeiten, die die Staatsdiener mittlerweile regelmäßig absolvieren.

Frustrierende "Minusrunde"

Dass die Beamten dafür in diesem Jahr eine Nullrunde bei den Gehältern hinnehmen müssten, die letztlich, durch diverse Abzüge (auch wegen geänderten Beihilfesätzen), eigentlich "eine Minusrunde" sei, frustrierte die 30 Anwesenden.

Zumal es in ihren Augen unfair ist, da die Angestellten des öffentlichen Dienstes, ihre direkten Kollegen, eine leichte Gehaltserhöhung einstreichen konnten. "Wir fühlen uns bei solch einer Politik nicht wertgeschätzt", hieß es da von den Mitgliedern des Deutsch Beamtenbundes.

Und das, obwohl Hessen das einzige Bundesland ist, das für seine Mitarbeiter noch eine 42-Stunden-Woche vorsieht.

Weiterer wichtiger Kritikpunkt der Beamten ist die Personalknappheit, die sich auf ihre Arbeit mittlerweile massiv auswirken würde.

Und so haben die Beamten das Gefühl, der Sündenbock für die vor fünf Jahren bei der Volksabstimmung beschlossene Schuldenbremse zu sein, die das Land Hessen seit einigen Jahren nunmehr rigide durchsetzt.

Unterstützung von Politikern

Unterstützung erhielten die Beamten von den zahlreichen geladenen Gästen, wie Fernwalds Bürgermeister Stefan Bechthold, Stephan Grüger (SPD), Hans-Jürgen Irmer (CDU) oder Wetzlars Oberbürgermeister Manfred Wagner (SPD), die auch das Wort an die Versammlung richteten.

"Die Beamten müssen nicht erst seit der Flüchtlingskrise mit Einschränkungen und einer Vervielfachung der Arbeit leben", stellte Regierungspräsident Christian Ullrich (CDU) fest.

Und Landrätin Anita Schneider (SPD) bekräftigte: "Wir haben jahrelang gespart und sind mittlerweile in einer Ecke angelangt. Das zeigt auch die steigende Anzahl von Langzeitkranken. Gerade jetzt müssen wir Großes leisten, aber es fehlt uns an Personal".

Zumal die Redner auch betonten, dass die Regierung ihre Anerkennung lieber durch Höhergruppierungen, denn durch Leistungsprämien zeigen solle, denn diese seien nur ein sehr kurzfristiger Anreiz für langfristige Leistung.

Zudem forderte Hermann Schauß von der Partei Die Linke, neue Arbeitsplätze zu schaffen. Denn auch die Schaffung von 500 neuen Stellen würde nicht das wettmachen, was bei der Reduzierung der Arbeitszeit in den kommenden Jahren an Arbeitskraft wegfalle - da müsse ganz einfach mehr Personal her. (inf/ga)


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