Beckenbodengymnastik ist wichtig

DIREKTER DRAHT Dr. Martin Henzel informiert über Therapie bei Prostatatumor

Alle Anrufer sprachen vom PSA Wert. Das Prostata-spezifische Antigen (PSA) kommt bei gesunden Männern vor, eignet sich aber auch als Tumormarker: Sein Blutspiegel kann Hinweise auf Prostatakrebs geben und zur Beurteilung von dessen Verlauf und Behandlung dienen. Ebenso Gleason-Score, diese geben Aufschluss über die Aggressivität des Krebses, das heißt, seine Neigung, sich im Körper weiter auszubreiten. Die Einschätzung des Risikos richtet sich nach dem PSA Wert und dem Gleason Score.

Ein 66-jähriger Mann aus Haiger sagte, dass er im vergangenen Jahr an der Prostata operiert worden sei und trotzdem nachts bis zu sechs Mal auf die Toilette gehen müsse. Das könne unterschiedliche Ursachen haben, sagte Dr. Henzel. Zum Beispiel könnten Entwässerungstabletten eine Ursache sein. "Trinken Sie ab 18 Uhr nichts mehr", riet der Arzt.

Bei ihm sei im April Prostatakrebs festgestellt worden, sagte ein 76-Jähriger aus Braunfels. Die eine Hälfte sei zu 30 Prozent befallen, die andere gar nicht. Seit Juli bekommt er bei einer Hormonbehandlung vierteljährliche Spritzen, die hätten aber sehr starke Nebenwirkungen, wie Muskelschmerzen und Hitzeanfälle. Zudem müsse er nachts bis zu zehn Mal auf die Toilette gehen. Zu Beginn der Behandlung sei sein PSA Wert bei 31,7 gelegen und nun auf 0,58 gefallen. Der Mann fragte, ob er die Therapie absetzen könne. "Das können Sie nicht tun, denn sonst wachsen die Krebszellen wieder", erläuterte der Strahlentherapeut.

Bestrahlt wird acht Wochen lang von Montag bis Freitag

Die Alternative wäre eine klassische Operation oder eine Strahlentherapie, das sei aber von der Begleiterkrankung abhängig. "Bei einem PSA Wert von 31 geht man davon aus, dass Absiedlungen da sind, deshalb ist die Hormontherapie richtig", sagte Martin Henzel. Mit dieser Therapie werde der Tumor nicht beseitigt, sonder inaktiviert und sie wirke nur solange, wie er die Spritzen bekommt. Begleitend dazu könne er auch eine Strahlentherapie machen. Die Nebenwirkungen beschrieb der Arzt mit Müdigkeit, Durchfälle und Blasenreizung. Diese Beschwerden würden in der Regel in einem Vierteljahr wieder abklingen. Die Therapie läuft acht Wochen mit täglichen Bestrahlungen, außer am Wochenende. Sein Gleason Score liege bei sieben, das bedeute ein mittleres Risiko, klärte der Arzt auf. Somit sei die Hormontherapie im Grunde ausreichend. Es soll mit seinem Urologen besprechen, ob er zusätzlich eine Strahlentherapie machen könnte.

Vor zwei Jahren habe er eine Totaloperation gehabt, erzählte ein 76-Jähriger aus Wetzlar und er sei noch immer nicht trocken. Er benötige drei bis vier Vorlagen täglich, teils fehle ihm die Kontrolle über den Harndrang. Am Anfang habe er 30 Sitzungen mit Beckenbodengymnastik gemacht und zu Hause weitere Übungen. "Es ist ganz wichtig, dass Sie die Beckenbodengymnastik weiter machen", riet der Arzt. Mit einer Operation, die in großen Kliniken gemacht wird, könnte seine Kontinenz wieder hergestellt werden. Dabei werde entweder ein Bändchen eingelegt, das wie ein Gurt die Harnröhre zu zieht oder es könnte eine Prothese eingesetzt werden. Dr. Henzel empfiehl ihm, sich in einer Klinik beraten zu lassen.

Ein 53-Jähriger aus Dillenburg sagte, dass bei ihm erst kürzlich die Diagnose Prostatakrebs gestellt wurde. Sein PSA Wert liege bei 9,2 und sein Gleason Score bei sechs. Er sei für Prostatakrebs sehr jung, erklärte Dr. Henzel. Neben der Operation könne er sich einer Strahlentherapie unterziehen, die den Tumor genauso erfolgreich bekämpfe. "Diese Therapie ist mit einer Operation absolut gleichwertig", erläuterte der Arzt. Es sei üblich, dass ein Urologe und ein Strahlentherapeut den Patienten beraten. Wie hoch die Möglichkeit einer Impotenz sei, wollte der Mann wissen. Die liege bei der Bestrahlung bei 30 Prozent, meinte Dr. Henzel.

Sein PSA Wert liege bei 12,9 und der Gleason Score bei sieben, zudem sei seine Prostata mit 90 Milliliter sehr groß, sagte ein 83-jähriger Mann aus Weilburg. Ob er mit Strahlung behandelt werden könne. Die Prostatagröße sei dabei kein Hindernis, klärte Martin Henzel auf. Bei der Bestrahlung schwelle die Prostata an, das könnte zur Folge haben, dass er mit dem Wasserlassen Probleme bekommt. "Bei einem PSA Wert von über zehn sollten Sie eine Therapie machen und nicht warten", sagte der Arzt. Etwa eine Strahlentherapie anstelle einer Operation, wenn eine Hormontherapie nicht gewünscht ist.


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