Behandlungen individualisieren

Telefonaktion  Dr. Volker Spahn beantwortet Fragen am „Direkten Draht zum Mediziner“

Ein 74 Jahre alter Anrufer aus dem Raum Dillenburg mit verengter Aortenklappe möchte wissen, ab welcher Klappenfläche diese ausgetauscht werden sollte. Der Kardiologe empfiehlt, dass „bei unter einem Quadratzentimeter ein Austausch erwogen werden muss“. Die Messergebnisse vom Ultraschall könnten tagesabhängig leicht schwanken. „Bei grenzwertigen Befunden hilft eine Schluckultraschalluntersuchung weiter“, meint der Facharzt. Ob die Herzklappe über den Brustkorb oder einen Katheter eingesetzt wird, hänge vom Klappenbefund und vom Zustand des Patienten ab.

„Eine Verödung von chronischem Vorhofflimmern im Rahmen einer offenen Operation hat eine eher geringere Erfolgswahrscheinlichkeit“, erklärt der Kardiologe. Auf die Frage nach Sport antwortet Dr. Spahn, dass körperliche Aktivitäten erst nach der Klappenoperation sinnvoll seien.

Eine 70 Jahre alte Anruferin aus Gladenbach hat seit 2015 wiederkehrendes Herzrasen und Vorhofflimmern. Bei ihr sind mehrmals Elektrokardioversionen und anschließend eine Ablation (Verödung) gemacht worden. Sie nimmt jetzt Rhythmusmedikamente, da weiter phasenweise Vorhofflimmern besteht. Der Kardiologe empfiehlt einen nochmaligen Ablationsversuch, da die Erfolgsaussichten bei einem zweiten Eingriff deutlich höher seien als nach dem Ersteingriff. Verbliebene elektrische Störimpulse können im Rahmen einer zweiten Untersuchung besser gefunden und dann gezielt verödet werden. Ein Herzschrittmacher hilft bei Vorhofflimmern nicht, sondern nur bei langsamen Puls.

Ein 79 jähriger Anrufer aus Eschenburg war vor zwei Jahren beim EKG und nimmt seitdem Betablocker ein. Seit einigen Tagen hat er einen langsamen Puls bemerkt und befürchtet, dass dieser jetzt zu langsam ist. Der Kardiologe rät zur Vornahme eines Langzeit-EKGs. „Ein Puls zwischen 50 und 60 ist tolerierbar, unter 50 sollte er jedoch nicht liegen“, sagt der Kardiologe.

Ein 86-jähriger Anrufer aus Driedorf beklagt eine allgemeine Leistungsminderung und Luftnot bei Belastung. Er hat Herzbypässe, einen Stent und einen Herzschrittmacher. Der Facharzt empfiehlt eine Ultraschalluntersuchung, um die Leistungsfähigkeit des Herzens zu beurteilen. Darüber hinaus könne ein Belastungs-EKG möglicherweise Durchblutungsstörungen aufdecken.

Ein Langzeit-EKG kann klären, ob eine Rhythmusstörung vorliegt

Ein 77- jähriger Anrufer aus Selters fragt, ob er „Xarelto“ bei Vorliegen einer Herzklappenundichtigkeit und Vorhofflimmern einnehmen kann oder ob „Marcumar“ besser ist. Der Kardiologe rät, „dass ,Xarelto’ nur bei herzklappenbedingtem Vorhofflimmern nicht gegeben werden sollte, ansonsten aber sicher ist“.

Eine 66 Jahre alte Anruferin klagt über ein „nervöses“ Herz. Sie bemerkt häufiger einen schnellen Puls. Zur Klärung, ob bedeutsame Rhythmusstörungen vorliegen, sollte ein Langzeit-EKG vorgenommen werden, empfiehlt Dr. Spahn.

Ein 70 Jahre alter Anrufer aus Dautphetal ist bezüglich der Notwendigkeit seiner Statineinnahme zur Cholesterinsenkung verunsichert. Der Facharzt beruhigt und weist darauf hin, dass „Statine bei Gefäßerkrankungen ihre lebensverlängernde Wirkung in vielen Untersuchungen bewiesen haben“.


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