Bei Schlaganfall zählt jede Minute

DIREKTER DRAHT ZUM MEDIZINER Dr. Michael Adelmann hat Leserfragen beantwortet

Eine 78 Jahre alte Anruferin aus Löhnberg berichtete dem leitenden Oberarzt der Vitos Klinik Weilmünster davon, dass sie Anfang Oktober einen leichten Schlaganfall gehabt habe. Insgesamt acht Tage habe sie in einer Klinik verbracht. Jetzt nimmt sie Medikamente, die den Blutdruck senken, fühlt sich aber nicht so gut. Sie wollte wissen, ob sie trotz des Unwohlseins so weitermachen soll.

"Ich würde auf jeden Fall so weitermachen", erklärte Michael Adelmann. Ein zu hoher Blutdruck sei ein potenzieller Risikofaktor für einen weiteren Schlaganfall, daher sei die Einnahme der blutdrucksenkenden Mittel richtig. Im Zuge ihres vorangegangenen Schlaganfalls habe die 78-Jährige außerdem ein Fahrverbot von drei Monaten akzeptiert. Bekannte, die ebenfalls einen Schlaganfall gehabt haben, hätten allerdings nicht auf das Auto verzichten müssen. Die Anruferin wollte wissen, ob sie nach diesen drei Monaten mit einem weiteren Fahrverbot rechnen müsse. "Ein grundsätzliches Fahrverbot gibt es bei Schlaganfallpatienten nicht", sagte Adelmann. Das hänge jeweils von der Art des Schlaganfalls ab, er gehe aber davon aus, dass sie nach der nächsten Untersuchung im Januar voraussichtlich wieder Autofahren dürfe.

Zu hoher Blutdruck sei einer der häufigsten Risikofaktoren. Dieser sollte grundsätzlich gut behandelt und auf ein gesundes Maß gebracht werden. "Die alte Regel 100 plus Lebensalter gilt heute nicht mehr", erklärte Adelmann. Auch im Alter sollte darauf geachtet werden, dass der Blutdruck zwischen 120 und 140 liege.

Eine 74-jährige Anruferin aus Gladenbach berichtete davon, dass sie vor kurzem für einen Moment auf einem Auge blind gewesen wäre und wollte wissen, ob das ein Anzeichen für einen Schlaganfall ist?

"Das ist eines der klassischen Warnsymptome", erklärte Adelmann. Die Ursache für das kurzzeitige Erblinden könnten Durchblutungsstörungen sein. "In diesem Fall würde ich eine Ultraschalluntersuchung der Halsgefäße empfehlen", sagte Adelmann. Gerade dort würden sich häufig Verkalkungen lösen, die dann wiederum Gefäße verengen könnten. Im schlimmsten Fall könnten die Ablagerungen Gefäße sogar ganz verstopfen. "Wenn solche Anzeichen auftreten, ist das Risiko in der Folge deutlich erhöht", warnte er.

Außer der kurzzeitigen Erblindung auf einem Auge sind Sprachstörungen und halbseitige Lähmungen Vorzeichen eines Schlaganfalls. "Treten solche Störungen auf, würde ich umgehend einen Rettungswagen rufen oder direkt in eine Klinik fahren", sagte Adelmann. Beim Thema Schlaganfall zähle jede Minute. Zwar seien die Behandlungsmethoden heute sehr gut, aber es komme vor allem darauf an, den Patienten möglichst schnell zu untersuchen und entsprechend zu behandeln.

Wie man auch ohne Medikamente etwas gegen das Risiko Schlaganfall tun kann, wollte ein 42-Jähriger aus Wetzlar wissen.

Zwei bis drei Mal die Woche körperliche Bewegung und eine mediterrane Ernährung können vorbeugen

"Sport hat immer einen vorbeugenden Effekt", erklärte Adelmann. "Egal ob Tanzen, Schwimmen oder einfach nur Wandern, zwei bis drei Mal die Woche eine halbe Stunde körperliche Bewegung - jeder so wie er kann - hat durchaus einen vorbeugenden Effekt", erklärte der Oberarzt. Eine mediterrane Ernährung mit wenig Fett wirke sich außerdem positiv aus.

In diesem Zusammenhang erklärte Adelmann auch, dass das Thema keineswegs ausschließlich ältere Patienten betreffen würde. Zwar treten Schlaganfälle im Alter häufiger auf als in jungen Jahren, aber es sei auch keine Rarität bei jungen Menschen. Die Ursachen bei jungen Schlaganfallpatienten seien allerdings andere. Blutgerinnungsstörungen, Gefäßentzündungen oder Gefäßdissektionen seien bei jüngeren Patienten oft ausschlaggebend für einen Schlaganfall.


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