"Bewegung ist ganz wichtig"

TELEFONAKTION Kniespezialist Dr. Günter Pfau beantwortet Fragen rund um Arthrose

Eine 65-jährige Weilburgerin klagte über Schmerzen und Flüssigkeitsablagerungen in der rechten Hüfe. Es sei ein "Trochanderschmerz" festgestellt worden. Die Bänder zwischen Hüfte und Knie würden an der Außenseite der Oberschenkel gereizt. Die erhaltenen Schmerzmittel und auch die Cortisonspritzen zeigten wenig bis keine Wirkung. Dr. Pfau empfahl in diesem Fall das Absetzen der Medikamente. Die geschilderten Symptome deuteten auf einen entzündeten Schleimbeutel hin, der außerdem verkalke. Dies sei nach einer chronischen Schleimbeutelentzündung häufig der Fall. Die gute Nachricht für die Anruferin: "Eine kleinere Weichteiloperation mit ganz kurzer Narkose reicht, um die Beschwerden zu beheben", sagte der Spezialist. Die Frage der Weilburgerin, ob auch Stoßwellen oder Röntgenreizbestrahlung hilfreich sei, beantwortete der Mediziner wie folgt: "Die Stoßwellen können Sie gerne ausprobieren. Röntgenbestrahlungen sind aus heutiger Sicht nicht mehr zu empfehlen." Stoßwellen seien so etwas wie "hochdosierter Ultraschall", hätten keine Nebenwirkungen, seien aber leider keine Kassenleistung.

Ein 81-jähriger Haigerer hatte sich vor etwa acht Jahren das rechte Knie operieren lassen: "Jetzt lässt mir das linke Knie keine Ruhe und drückt nach außen." Im Sitzen und Liegen habe er keine Probleme, aber das Auftreten schmerze. Es sei positiv, dass die Schmerzen nicht in jeder Position aufträten, befand der Spezialist. Er riet zu einem Arztbesuch. Es sei ohnehin sinnvoll, auch das operierte Knie zu kontrollieren. "Wie weit können Sie noch gehen?", fragte er den Anrufer. Dieser antwortete, mit Stock könne er noch ein paar Stunden unterwegs sein. Die Beantwortung der Frage sage oft mehr über den körperlichen Zustand eines Patienten aus als ein Röntgenbild, sagte Dr. Pfau.

Eine einmalige Cortisongabe kann sehr hilfreich sein

Eine 67-jährige Anruferin aus Aumenau erklärte, sie habe schon länger Beschwerden durch eine Kniearthrose. Seit einer Woche sei diese in ein aktiviertes Stadium übergetreten. Die Kniekehlen schmerzten, sie könne kaum Treppen steigen und leide gerade nachts unter fürchterlichen Schmerzen. Die ihr vom Arzt empfohlene Medikamentengabe von "Ibuflan" und "Novaminsulfon" sei in Ordnung, solle jedoch nicht über einen zu langen Zeitraum erfolgen, erklärte Dr. Pfau. Auch kalte Umschläge könnten helfen, Schmerzen und Reizung zu lindern. Eine einmalige Cortisonbehandlung könne darüber hinaus gerade bei einer aktivierten Arthrose hilfreich sein. Er empfahl der 67-Jährigen eine erneute Vorstellung beim Arzt, wenn das Knie wieder anschwelle. Dann könne auch eine Punktion Entlastung bringen. Es sei wichtig, dann die Gelenkflüssigkeit zu entfernen, da sonst der Knorpel zerstört werde. "Nehmen Sie Kontakt mit einem Orthopäden auf", riet er.

Einen Burbacher interessierte, was ernährungstechnisch unternommen werden könne, um eine Arthrose zu lindern. Seine Lebensgefährtin sei erst 52 Jahre alt, habe ein künstliches Hüftgelenk und solle nun noch ein künstliches Kniegelenk erhalten.

Sie sei übergewichtig, halte aber derzeit Diät und habe bereits einige Pfunde verloren. Dr. Pfau empfahl eine ausgewogene Ernährung mit Salat, Obst und Gemüse, aber auch mit (nicht zu viel) Fleisch. Ganz wichtig sei eine ausreichende Kalziumzufuhr durch Milchprodukte und außerdem Vitamin D.

Hier sei in den Sommermonaten das Tageslicht ausreichend, im Winter könne eine zusätzliche Einnahme erfolgen. Gesunde Fette und auch Kohlenhydrate gehörten außerdem zu einer ausgewogenen Ernährung. Und ganz wichtig: Bewegung. "Bei künstlichen Gelenken empfiehlt sich eine moderate Bewegung, wie etwa Schwimmen, Radfahren und Nordic Walking", sagte er.

Eine 80-jährige Anruferin aus Aumenau leidet unter Arthrose hauptsächlich im linken Knie. Wegen ihres Asthmas nehme sie bereits seit 20 Jahren ein Cortisonmedikament in hoher Dosierung. Dieses könne nicht abgesetzt werden.

"Wenn sie Cortison in so hoher Dosierung nehmen, haben Sie sicher Osteoporose", sagte der Mediziner. Die alte Dame verneinte, sagte aber wenig später, dass einige Wirbel gebrochen seien. Es gebe knochenstabilisierende Medikamente, die nach einer speziellen Röntgenuntersuchung verordnet werden könnten, erläuterte der Experte und riet der Anruferin zur Vorstellung bei einem Spezialisten.


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