Bewusste Entscheidung statt nur Tradition

Glaube  Über 200 katholische Kinder in und um Wetzlar feiern ihre Erstkommunion

Im Dom entzündeten die Kommunionkinder an der Osterkerze ihre Kommunionkerzen. (Foto: Volkmar)

Wie in der Wetzlarer Domgemeinde hatten sich die Mädchen und Jungen seit Monaten auf diesen Festtag vorbereitet. Und so zogen sie am Sonntag mit brennenden Kerzen in die Kirchen, um mit ihren Angehörigen den festlichen Gottesdienst zu feiern. Auch viele Ge-meindemitglieder wollten dabei sein, was vielerorts zu überfüllten Kirchen führte.

Die Eltern werden mit eingebunden

Obwohl im heimischen Kirchenbezirk nur noch rund zehn Prozent der 29 000 Katholiken aktiv am Gemeindeleben teilnehmen und die Gottesdienste besuchen, sind es nach Schätzungen der heimischen Seelsorger bei der Erstkommunion bis zu 90 Prozent und bei der Firmung rund 55 Prozent, die sich für den Empfang der Sakramente entscheiden. Es geschehe heute seltener, dass Eltern ihre Kinder nur aus Tradition zur Erstkommunion anmelden. Sie setzten sich kritisch mit dem Thema auseinander und entschieden bewusst für oder gegen die Teilnahme. Häufig bekämen Eltern, die ihrer Kirche distanziert gegenüberstanden, durch die Erstkommunion ihrer Kinder einen neuen Zugang zum Glauben und der Gemeinde. Dies machten auch die Gespräche an den verpflichtenden Elternabenden deutlich.

Kommunion heißt übersetzt Gemeinschaft. Deshalb geht es bei der katechetischen Vorbereitung auf den Festtag auch darum, dass die Kinder Gemeinschaft erleben. Dabei sind es in erster Linie Mütter, die als Katechetinnen für die Vorbereitung in Kleingruppen verantwortlich sind. Der Seelsorger tritt dabei immer mehr in den Hintergrund. „Trotz neuer Wege in der Vorbereitung stehen die Verantwortlichen oft vor Situationen, Kindern zu begegnen, die mit Gott und Christus wenig anfangen können oder noch nicht getauft sind. Auch auf diese Situationen müssen wir uns einstellen“, erzählt Stadtkaplan Michael Brien.

Viele der 31 Kinder, die im Wetzlarer Dom ihren Festtag feierten, haben einen Migrationshintergrund. Die Eltern kämen häufig aus Ländern, in denen sie eine andere katholische Erziehung erfahren haben. Aber in den Gruppentreffen und am gemeinsamen Wochenende hätten sich alle Kinder und Eltern als eine große Gemeinschaft gefühlt, erzählt eine Katechetin von den Vorbereitungen. Dabei bildeten die „Weg-Gottesdienste“, zu denen auch die Eltern eingeladen waren, einen besonderen Schwerpunkt.

Unter den festlichen Klängen der Orgel zogen die Kinder am Sonntag in den Dom, wo sie an der großen Osterkerze ihre Kommunionkerzen entzündeten. Ihr Platz war rund um den Altar.

Dem Vorbereitungsthema „Ich bin da“ entsprechend, erzählten die Kinder den über 700 Gottesdienstbesuchern von ihren Erlebnissen in der Gemeinschaft mit Jesu. „Bleibt mit ihm, dem auferstandenen Jesus, auch zukünftig in Kontakt, denn er ist eine verlässliche Beziehung auch in den schwierigen Tagen des Lebens“ ermunterte Kaplan Brien die Kinder und die Gottes-dienstgemeinde. (wv)


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