Bienen gemeinsam schützen

EXPERTENVORTRAG Büchler informiert über Krankheiten der Honigproduzenten

Ralph Büchler.

Die Zuhörer verfolgten gespannt den Vortrag von Dr. Ralph Büchler, Leiter des Bieneninstituts in Kirchhain.

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Zuvor hatte Büchler die Bienenzüchter im Landkreis zum Thema "Bienenvergiftung oder Krankheit - Symptome erkennen und richtig handeln" informiert. Denn das Thema beschäftige aktuell sehr viele Imker und Bauern, so der Bienen-Fachmann. Zunächst erläuterte er, wie sich eine Vergiftung durch Kontaktgifte äußern kann. Zum einen gebe es große Bienenverluste im Gelände und auch vor dem Flugloch ließen sich spontan sehr viele tote Bienen finden. Wegen der Nervengifte gebe es aber ebenso viele so genannte "Krabbler". Bienen, die nur noch krabbeln, weil sie nicht mehr fliegen können.

Als weiteres Anzeichen einer möglichen Vergiftung durch Gifte aus der Landwirtschaft könnten die Bienen aggressiv werden. Neben der Bienenverluste komme es auch zu Entwicklungshemmungen bei der Brut. Hier werde beispielsweise die Larvenentwicklung gestört, es komme zu Brutausfällen und zu Fehlentwicklungen wie "Sichelaugen" oder einem verkürztem Hinterleib. Bienenverluste und Brutschäden kommen aber auch durch "natürliche" Faktoren zustande, erklärte der Bienen-Kenner.

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Zum einen gebe es einige Pflanzen, deren Nektar und Pollen selbst giftig sind, wie einige Hahnenfußarten. Bei der Silberlinde hingegen seien die Pollen zwar nicht giftig, aber die Bienen und Hummeln verhungerten an diesem Baum regelrecht, weil die Pollen nicht ausreichen würden oder nicht nahrhaft genug seien. Bienenverluste seien zudem auf ungünstige Witterung wie Wind, Frost, Regen und Krankheiten zurückzuführen. Brutschäden würden häufig durch die Varroamilbe oder Unterkühlung entstehen.

"Nur eine Analyse der toten Bienen kann eine 100-prozentige Sicherheit bringen, ob und durch welche Insektengifte aus der Landwirtschaft die Bienen im Stock geschädigt wurden", erklärte Büchler.

Eine weitere Möglichkeit sei Frevel, das bedeute, dass unverständige Zeitgenossen und Tierquäler einen Bienenstock zum Beispiel mit Insektenspray besprühen. Um dagegen vorzugehen, gibt es in Deutschland seit 1972 eine Bienenschutzverordnung. Dieses Gesetz regelt, dass kein Einsatz von bienengefährlichen Mitteln zulässig ist, wenn ein Feld oder Acker von Bienen beflogen wird. Weiter gilt es, einen Abstand von mindestens 60 Metern zum nächsten Bienenstock einzuhalten. Verstöße gegen die Verordnung werden als Ordnungswidrigkeit behandelt und der Imker bekommt seinen Schaden am Bienenvolk und dem Honig erstattet, wenn der Verursacher festgestellt wird. Bei einem Verdacht auf eine Vergiftung durch Insektizide oder andere landwirtschaftliche Spritzmittel gelte es daher, rasch zu handeln, so Büchler.

Innerhalb von 24 Stunden sollten mindestens 100 Gramm oder 1000 tote Bienen eingesammelt und sofort eingefroren werden, damit ihr Stoffwechsel die Gifte nicht abbaut und ein Nachweis möglich ist. Nach Möglichkeit sollten auch die Pflanzen, auf denen sich das Gift befindet, eingesammelt werden. Beides wird getrennt voneinander verpackt und an das Julius-Kühn-Institut in Braunschweig mit einem dazugehörigen Formular eingesandt. Außerdem sollte man einen Fachmann wie den Vereinsvorsitzenden sowie den Pflanzenschutzberater zum Einsammeln der Proben mitnehmen, rät Büchler. Und auch eine Anzeige bei der Polizei sei notwendig, damit der Imker später Schadenersatz bekommt. Kosten für die Untersuchung der Proben entstehen für die Bienenzüchter nicht.

Landwirte und Imker sind keine Feinde, sondern Partner

Pflanzenschutzberater Becker warnte vor Vorurteilen und mahnte zur Sachlichkeit. Die Landwirte seien keine Feinde der Imker sondern Partner. Daher sollten beide mehr miteinander reden. Die Imker sollten die Landwirte informieren, wenn und wo sie ihre Bienenstöcke aufstellten und diese beschriften. Dann könnten die Landwirte sich auch informieren oder nachfragen, ob und wann gespritzt werden kann. Schließlich sei das Problem in unserer Region fast ausschließlich auf den Rapsanbau beschränkt, weil hier rund 90 Prozent aller Insektizide zum Einsatz kommen, erklärte Becker.


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