Blitzen in der dritten Dimension

Gegen Raser und Drängler geht Hessens Polizei mit neuester Kontrolltechnik vor
Wer drängelt, gerät an der A5 bei Fernwald in den Fokus des eneun automatischen Komntrollsystem. (Foto: Naumann)

Innenstaatssekretär Werner Koch gab gestern auf einer Brücke über die Autobahn A5 bei Fernwald den Startschuss für die "wegweisende Technik", die europaweit zuerst in Hessen zum Einsatz kommt. Nicht Abkassieren beim Autofahrer, sondern die Zahl der Verkehrsunfallopfer nachhaltig senken, sei das Ziel, erklärte Koch.

Fehlender Abstand kann schnell den Führerschein kosten

Der wesentliche Vorteil der 3D-Technik soll darin bestehen, dass Messungen an fast jeder Stelle möglich sind, selbst in engen Kurven, bei Steigungen und Gefällen oder Querneigungen von Fahrbahnen. Bislang, im 2D-Betrieb, funktionierte die Kontrolle nur auf ebenen geraden Abschnitten, erklärte Martin Rehm, Fachmann von der Polizeiakademie Hessen in Wiesbaden.

Für Nord-, Mittel- und Südhessen geht ab der kommenden Woche jeweils eines der rund 200 000 Euro teuren Systeme in Betrieb. Die Messstellen, allesamt Unfallschwerpunkte, wurden in den vergangenen Monaten gesucht und gefunden. Für Mittelhessen ist es die A5 in Höhe Kilometer 438,8 zwischen Reiskirchener Dreieck und Gambacher Kreuz. Im Bereich zehn Kilometer nördlich beziehungsweise südlich gab es nach Polizeiangaben im Vorjahr 51 Verkehrsunfälle, die auf mangelnden Abstand zurückzuführen sind. Fünf Menschen wurden schwer, 43 leicht verletzt. Weitere Messstationen sollen folgen, kündigte Mittelhessens Polizeipräsident Manfred Schweitzer an. Auch der Einsatz an Bundes- und Landesstraßen sei denkbar.

Das Nichteinhalten des Sicherheitsabstands zum Vordermann wird für Autofahrer schnell zum teuren Unterfangen. Nach der Faustformel gilt die Hälfte der Tachoanzeige als Mindestmaß. Bei Tempo 130 also 65 Meter. Bei nur 40 Metern Abstand droht ein Verwarnungsgeld von 35 Euro, bei 19 Metern bis 195 Euro Bußgeld, drei Punkte sowie ein Monat Fahrverbot.

Ein Auslösen der Anlage durch ein kurz zuvor eingeschertes Fahrzeug soll ausgeschlossen, sein, versichert Rehm. Nötig sei ein dauerhaft zu geringer Abstand. Das Messfeld bei Fernwald hat eine Länge von 250 Metern. Streng genommen blitzt das "VKS 3D select" gar nicht. Es gibt kein Rotlicht, der Verkehrssünder bemerkt nicht einmal, dass die Falle zuschnappt.

Drei Videokameras gehören zum System. Die erste, das Select-Modul mit geringer Auflösung, analysiert, ob es sich beim herannahenden Fahrzeug um einen Verdachtsfall handelt. Erst dann werden die Kameras zwei und drei zugeschaltet, mit deren hoher Auflösung sich Kennzeichen und Fahrer identifizieren lassen. Ein Beamter überwacht das Ganze im Kontrollwagen.

Diese Zweiteilung war nötig geworden, nachdem das Bundesverfassungsgericht die permanente Videoüberwachung mit erkennbaren Kennzeichen und Fahrern aus Datenschutzgründen verboten hatte. Im vergangenen Jahr hatte deshalb keine mobile Abstandsmessung an hessischen Autobahnen stattgefunden.

An der A5 bei Fernwald misst das "VKS 3D select" übrigens allein Abstände, Geschwindigkeitskontrollen finden nur für Lkw und Gespanne statt. Für alle übrigen gibt es in dem Abschnitt kein Tempolimit.


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