Blödel-Metal macht Fans Laune

KONZERT J.B.O. aus Erlangen lassen es in Gießen vor 800 Menschen krachen

"Nur die Besten werden alt!" heißt die Tour zum 25. Band-Bestehen, die die Metal-Musiker von J.B.O. in die Hessenhallen nach Gießen geführt hat. (Foto: Lademann)

Sie trällern mit dem Quartett auf der Bühne eben jene Zeilen freudig zusammen: "Der Ruf, der Ruf, der Ruf ist im Eimer ... Arschloch und Spaß dabei!" Das klappt astrein, schließlich liegt diesem Lied der Song "Fire Water Burn" der Bloodhound Gang zugrunde. Diesen und andere bekannte Hits der vergangenen Jahrzehnte, hier aber nun durch den Metal-Fleischwolf gedreht und mit neuen, lustig-banalen, zumeist deutschen Texten versehen, kennt fast jeder.

Heulende E-Gitarren auf der Bühne, 800 strahlende Fans davor

Heulende E-Gitarren, rumpelnde Schlagzeugbeats und vor allem 800 strahlende Gesichter inklusive: Immerhin sind die selbsternannten "Verteidiger des wahren Blödsinns" namens "J.B.O." am Werk. Die Blödel-Metal-Band aus Erlangen feierte am Freitagabend in Gießen mit ihren treuen Fans ihr 25-jähriges Bandbestehen und ihr zehntes und aktuelles Studioalbum "Nur die Besten werden alt!"

Und alt ist vor allem das Programm. Denn die Band präsentierte passend zum Jubiläum ein Best Of aus fast all ihren Platten. Zwar lag der Schwerpunkt auf den beiden Kultplatten "Explizite Lyrik" (1995) und "Laut!" (1997) sowie auf "Sex, Sex, Sex" (2000) und dem Top-3-"Killeralbum", doch durften auch Songs des Neulingswerks nicht fehlen.

Neben Eigenkompositionen wie dem metal-hymnischen "Vier Finger für ein Halleluja" oder dem lächerlich-volkstümlichen "Sakradi mei Sack is hi" gab es parodistische Coverversionen von Klassikern - wie "Das Bier ist da zum Trinken" (nach Nancy Sinatra: "These boots are made for walkin’").

Doch Spaß, Blödsinn und Parodie bedeutet hier nicht nur Trash: Während die Texte der Franken teilweise ins Grenzdebile abdriften, zeichnen sich Hannes "G. Laber" Holzmann, Vito C. (beide Gitarre und Gesang), Wolfram Kellner (Schlagzeug) und Ralph Bach (Bass) durch bodenständige Musikalität aus. Zwei närrische Bühnenstatisten sorgten passend zu den Songs in wechselnden Kostümen - als Krankenschwestern im Lack-Outfit, als Affen oder als Trachtenpaar - zusätzlich für Bewegung und Gaudi.

Frenetisch und kirmestauglich wird mitgesungen, wenn Righeiras "Vamos a la Playa" zu "Geh mer halt zu Slayer", Johnny Wakelins "In Zaire" zu "Im Verkehr" samt herumhüpfenden, lebensgroßen Kondomen oder Manu Chaos "Bongo Bong" zu "Head Bang Boing" verwurstet werden.

Fehlen durften ebenso nicht die Parodien auf Tenor Pavarotti mit der "Pabbarotti"-Fassung von Sepulturas "Root bloody roots" oder auf Vater Abraham mit dem auf "Schlumpfozid im Stadtgebiet" umgemünzten "Lied der Schlümpfe".

Bei so viel Gaudi war es Zeit für die Band, den Fans Danke zu sagen - gebetsartig mit "Danke für diesen guten Morgen" - nur eben wieder metallisch umgedeutet.


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