Bürger befürchten „Einkesselung“

NATUR Wolfshäuser kämpfen weiter gegen Windräder in ihrem Waldgebiet

Rund 150 Bewohner aus Ronhausen, Bortshausen und Wolfshausen besuchten im April dieses Jahres die möglichen Standorte von drei Windrädern im Wald. (Foto: Ina Tannert)

290 wahlberechtigte Menschen leben in Wolfshausen. 199 von ihnen nahmen an der letzten Bundestagswahl teil. 227 von ihnen haben sich mit ihrer Unterschrift gegen Windräder im Wald oberhalb ihres Heimatdorfes ausgesprochen.

„Diese hohe Anzahl ist unsere Legitimität, uns aktiv dagegen zu wehren“, sagt Nils Eucker von der BI gegen Windkraftanlagen zwischen Bortshausen, Ronhausen und Wolfshausen, der zusammen mit Martina Ziehen das Anliegen der BI vorstellte. Und er erinnert daran, dass die Wolfshäuser keine notorischen Neinsager seien. Schließlich habe man, ebenfalls über eine BI, mit dazu beigetragen, dass der Lückenschluss der B 3 gebaut wurde, obwohl die Wolfshäuser mit dem Lärm der Straße leben müssen. Aber das habe man hingenommen in dem Wissen, dass man ja noch den Wald oberhalb des Dorfes als Naherholungsort habe.

Wald gehört zum Ausgleich der B 3

Nun sehen die Wolfshäuser sich der Gefahr ausgesetzt, dieses Naherholungsgebiet auch noch zu verlieren: durch den Bau von Windkraftanlagen. Zwar stehen derzeit nur noch drei statt der ursprünglich sechs geplanten Windräder in der Diskussion, doch macht die Reduzierung für die BI keinen Unterschied. Denn der zu erwartende Lärm werde das „Wald- und Naturerlebnis“ hinfällig machen, sodass niemand mehr freiwillig dort hingehen mag. Und der monotone, allgegenwärtige Lärm - die BI geht von 55 Dezibel aus - werde auch Auswirkungen auf das Kreisjugendheim haben, das mit seiner Lage mitten im Wald wirbt, so Martina Ziehen. „Blätterrauschen erzeugt 24 Dezibel. Das ist, was man im Wald erwartet“, sagt Eucker.

Die BI hofft aus verschiedenen Gründen, dass die Anlagen mit einer Gesamthöhe von 244 Metern auf der offiziellen Windkraft-Vorrangfläche 3125 nicht Wirklichkeit werden.

Da wäre zum einen die Umweltverträglichkeitsstudie aus dem Jahr 2001, die im Zuge des B 3-Lückenschlusses erstellt wurde und den Wald oberhalb von Wolfshausen als Naherholungsgebiet benennt. Das Regierungspräsidium Gießen habe dazu auch schon seit Langem eine Anfrage vorliegen, diese aber bis dato nicht beantwortet.

Weitere Gründe, die gegen die Vorrangfläche sprechen, seien die Vogelfluglinie, die sich nachweislich direkt über diesem Wald befinde, und das Vorkommen von unter Naturschutz stehenden Fledermausarten. „Fledermäuse sind keine Schlagopfer wie Vögel, sie sterben durch die starken Luftdruckänderungen in der Nähe der Anlagen.“ Des Weiteren glauben Eucker und Ziehen, dass den Verpächtern, die ihr Land für den Bau der Anlagen zur Verfügung stellen, gar nicht bewusst sei, was sich hinter der Rückbauverpflichtung für sie verbirgt.

An die Gemeinde Weimar appellierten die Sprecher der BI, dem Investor das Wegerecht zu verweigern oder gar eine Normenkontrollklage gegen den Teilregionalplan Energie auf den Weg zu bringen. Letzteres schloss Bürgermeister Peter Eidam so ziemlich aus. Der Plan könne nur noch bis Ende des Jahres beklagt werden. Um Klage zu führen, müsste die Gemeinde mal eben rund 80 bis 90 000 Euro in die Hand nehmen und das bei ungewissem Ausgang.

Über den Abschluss eines Gestattungsvertrages über Zuwegung, Kabeltrasse und Abstandsflächen sollte eigentlich an diesem Abend im Ausschuss gesprochen werden. Da der Projektierer aber noch einmal Änderungen im Vertragswerk angekündigt hatte, die noch nicht vorgelegt wurden, wurde der Punkt von der Tagesordnung genommen mit dem Verweis, dass auch das Parlament in der kommenden Woche noch nicht über die Sache befinden werde.

Die BI bat die Gemeinde, mit der Zustimmung wenigstens so lange zu warten, bis geklärt ist, inwieweit die Umweltverträglichkeitsstudie von 2001 für dieses Projekt doch eine Rolle spielt. „Wir wollen einfach nicht von Bundesstraße und Windkraftanlagen eingekesselt werden und somit unser letztes Naherholungsgebiet verlieren“, erklärte Eucker.

BI ist nicht generell gegen Windkraft

Er betonte noch einmal, dass die BI nicht generell gegen Windkraft sei. Doch hier liege für die schon durch die Bundesstraße belasteten Wolfshäuser eine besondere Situation vor.

Und dann kam noch ein Aspekt in der Diskussion auf: der Brandschutz. Die Nabenhöhe der Anlagen beträgt 166 Meter, was die Feuerwehr durchaus vor Probleme stellen könnte, zumal sich die Anlagen auch noch im Waldgebiet befinden. „Da kann es sein, dass die Feuerwehr aufrüsten muss, um eine in Brand geratene Anlage löschen zu können“, so Eucker.

Der Vortrag der BI-Sprecher blieb im Ausschuss ohne Beschlussempfehlung. Er war nur als Information für die Ausschussmitglieder und sonstigen Besucher der Sitzung gedacht.


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