Bürger geben nicht auf

KLINIKUM Unterschriftensammlung gegen Stellenabbau wird fortgesetzt

"Wir machen weiter": Die Krankenschwester Gudrun Pausch und der Unterschriftensammler Hans Georg Mehrbrodt aus Marburg. (Foto: Koelschtzky)

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"Wir entlassen die Landesregierung nicht aus der Verantwortung", sagte Gründerin Helga Scherer bei einer Pressekonferenz im Marburger Gewerkschaftshaus.

Scherer berichtete, der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) habe sich geweigert, die bisherigen Unterschriften persönlich vom Aktionsbündnis in Empfang zu nehmen. "Und die Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann hat sie zwar genommen, aber ohne mich auch nur anzusehen. Das hat mich sehr enttäuscht", berichtete sie bei der Pressekonferenz, an der auch Vertreter der Betriebsräte an beiden Standorten, Ärzte des "Notruf 113" und Ralf Schrader für die Initiative "Rückführung des UKGM in öffentliches Eigentum" teilnahmen.

n Vorwurf: "Schleichender Stellenabbau geht ungebremst weiter"

"Jetzt erste recht", bekräftigten die Mitglieder des Aktionsbündnisses ihre Entschlossenheit, weiter für das Klinikum zu kämpfen. "Die Bevölkerung steht hinter unseren Forderungen. Allein in der vergangenen Woche habe ich 1800 Unterschriften gesammelt", sagte Hans Georg Mehrbrodt vom Aktionsbündnis.

Der Gießener Betriebsratsvorsitzende Klaus Hanschur berichtete, die Situation für die Mitarbeiter und Patienten beider Standorte habe sich nicht verbessert. "Die Rhön-AG fordert von uns eine bessere Darstellung der Klinika in den Medien. Aber das geht nicht, solange die Inhalte einfach nicht stimmen", meinte er. Nach der Auswertung der Kliniken durch die Unternehmensberatung McKinsey sei eine weitere Leistungsausweitung gefordert worden, während der schleichende Personalabbau ungebremst weiter gehe. "130 Stellen sind schon nicht wiederbesetzt oder nicht verlängert worden, und das bei weiterem Wachstum der Patientenzahlen. Die Grenze ist längst erreicht", ergänzte die Marburger Betriebsratsvorsitzende Bettina Böttcher.

"Wir schreiben dauernd Überlastungsanzeigen", berichtete die Krankenschwester Gudrun Pausch. "Auf meiner Intensivstation wurde ein Drittel des Personals eingespart, jetzt sind vier Betten mangels Personal nicht mehr belegbar. Die Krankenstände explodieren, die Kollegen können so nicht mehr weitermachen. Auch einen Ausgleich für Überstunden gibt es nicht." Zunehmend würden Aufgaben an Hilfskräfte oder Servicebereiche ausgelagert, aber das Pflegepersonal behalte die Verantwortung, beklagte sie. Der Druck auf das Pflegepersonal steige beständig.

Die Rücknahme der Universitätsklinika in öffentliches Eigentum fordert die Initiative um den pensionierten Lehrer Ralf Schrader. "Wir wollen unser Klinikum zurückhaben", begründete er die Petition an den Hessischen Landtag auf Rückübernahme. Die Kliniken seien ein herausragendes Beispiel für öffentliches Eigentum, das den Bürgern zu ihrem eigenen Schaden weggenommen werde

Für die Ärzteorganisation "Notruf 113" erklärte der niedergelassene Arzt Roland Kleinert, er und seine Berufskollegen hätten zunehmend Schwierigkeiten mit unerklärten Diagnosen, zudem beklagten die Patienten mangelnden Kontakt zu den Ärzten bei einem Klinikaufenthalt und schlechte Betreuung. "Das sind natürlich nicht alle, aber auch keine Einzelfälle in persönlicher Verantwortung des Personals, wie es die Rhön AG immer darstellen möchte. Es sind strukturelle Probleme", sagte er. "Die Probleme der Ökonomisierung des Gesundheitswesens, die alle Krankenhäuser haben, werden durch die Privatisierung noch einmal massiv verschärft."

Einig waren sich alle Anwesenden, dass der Kampf um Personalmindeststandards, gegen den Stellenabbau in den Kliniken und für eine Rücknahme der Universitätskliniken Gießen und Marburg durch das Land Hessen weiter gehen müsse. Am heutigen Samstag werden an neuen Orten in Marburg weiter Unterschriften gesammelt, zu einer Betriebsversammlung im Marburger Klinikum am 2. November wird Ministerin Kühne-Hörmann erwartet. "Wir kämpfen um die gleichmäßige Versorgung der Patienten", erklärten Böttcher und Handschur unisono.


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