"Dachte nicht, dass ich einen Fehler mache"

PROZESS Vater sagt aus

Gericht in Limburg. (Foto: R. Schwarz)

Laut Anklage soll er das Kind so heftig geschüttelt haben, dass es fünf Tage später in einer Wiesbadener Klinik starb.

Vor Gericht sagte der Zwillingsvater am Dienstag, er habe sich an dem Tag normal mit den Kindern beschäftigt. Seiner Freundin, die auf einem Weihnachtsmarkt unterwegs gewesen sei, habe er abends noch ein Foto von den Zwillingen aufs Handy geschickt.

Er habe Noel mit dem Fläschchen versorgt. Der sei dann auf der Couch beim Trinken auf dem Rücken eingeschlafen. Mit der Tochter auf dem Arm habe er in der Küche ein Fläschchen fertiggemacht. Als er ins Wohnzimmer zurückgekehrt sei, habe Noel reglos mit dem Bauch am Boden gelegen.

"Ich habe Noel aufgehoben und gerufen. Er hat nicht reagiert. Er hatte keine Körperspannung mehr, der Kopf fiel nach hinten, seine Augen waren verdreht. Ich war geschockt und in Panik. Ich hab‘ versucht, ihn wach zu rütteln, zwei bis drei Mal kurz geschüttelt. Es kam keine Reaktion, dann hab‘ ich ihn auf die Wickelkommode im Kinderzimmer gelegt", sagt der Angeklagte. Auf dem Wickeltisch habe Noel geröchelt als habe er einen Frosch im Hals. "Es ging alles sehr schnell." Er habe den Notarzt alarmiert. Der Junge kam nicht mehr zu Bewusstsein.

Die Vorsitzende Richterin Karin Walter legte eine Puppe auf den Tisch. Der Angeklagte solle demonstrieren, wie er das Kind aufgehoben und geschüttelt habe. Verteidiger Andreas Hohnel schritt ein: "Das macht keinen Sinn. Egal was er vorführt, es ist nicht realistisch. Man kann eine Puppe nicht mit einem zehn Monate alten Kind vergleichen." Die Puppe wurde wieder weggelegt.

Auf die Frage von Richterin Walter, wie er ein zehn Monate altes Kind, das schon krabbeln kann, auf ein schmales Sofa legen könne, sagte der Angeklagte: "Ich hätte nicht gedacht, dass er von der Coach herunterfallen könnte und nie gedacht, dass ich einen Fehler machen könnte. Es war immer so, er schlief ja auch", sagte der Angeklagte.

Seine Lebensgefährtin habe ihn gefragt, warum er den Jungen auf der Couch liegen gelassen und nicht auf den Boden oder in die Wippe gelegt habe, berichtete er auf Nachfrage des Gerichts.

Sachverständige stellen bei der Tochter Knochenbrüche fest

Im Anschluss wurde die 29-Jährige als Zeugin vernommen. Sie berichtete, dass eines der Kinder schon einmal von der Couch gefallen sein müsse. An Einzelheiten erinnere sie sich aber nicht. Sie seien sich aber einig gewesen, dass das mehr vorkommen solle. Die Mutter weinte und sagte, sie könne es sich nicht vorstellen, dass ihr Partner den Jungen totgeschüttelt habe. Das Paar ist inzwischen getrennt. Die Tochter lebt in einer Pflegefamilie.

Drei Sachverständige werden zu Verletzungen des Kindes und zur Schuldfähigkeit des Vaters gehört. Nicht angeklagt, sondern nur am Rande der Hauptverhandlung kamen Verletzungen der Zwillingstochter zur Sprache. Bei der Untersuchung des Mädchens hatten die Mediziner einen Schädelbruch und gebrochene Rippen festgestellt. Wegen dieses Vorgangs laufen zurzeit gesonderte Ermittlungen gegen die Eltern. Beide sagten aus, sie wüssten nicht, woher die Verletzungen stammten.

- Der Prozess wird am heutigen Mittwoch um 9 Uhr fortgesetzt.


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2014
Mehr zum Thema
Mehr aus Lokalnachrichten