Das Comeback des Leitungswassers

UMWELT  Marburg ist „Blue Community“

Marburg verschreibt sich dem Trinkwasserschutz und will Mineralwasser aus Flaschen ersetzen. (Foto: Richter)

Der ein oder andere mag sich noch erinnern, dass der scharfzüngige Kult-Moderator Harald Schmidt in seiner allabendlichen Show einen tiefen Schluck aus seinem Wasserglas nahm, wohlig die Luft ausstieß und den immer gleichen Satz folgen ließ: „Ich sag ja zu deutschem Wasser.“ Abend für Abend. Ja zu deutschem Wasser.

Und zumindest in den ländlichen Gebieten war es früher selbstverständlich, seinen Durst mit Wasser aus dem Wasserhahn zu stillen. Es gab sogar in vielen Fällen einen liebevollen Namen für das Wasser: „Dorfwasser“ – der Name signalisiert Vertrauen in eine Quelle, die dem Nutzer bekannt ist.

Nach Jahrzehnten soll das Leitungswasser in Marburg nun wieder hoffähig werden. Die Stadtverordnetenversammlung beschloss schon im Dezember 2017, dass die Stadt der Initiative „Blue Community“ beitritt.

Der Beschluss beinhaltet neben dem Bekenntnis, dass die Versorgung mit Wasser ein Menschenrecht ist und die Versorgung deswegen eine öffentliche Dienstleistung ist, vor allem die Verpflichtung, anstelle von abgepacktem Leitungswasser Mineralwasser anzubieten – bei Mitarbeitern, bei öffentlichen Veranstaltungen, bei Pressekonferenzen. Passiert ist seitdem noch nichts, abgesehen von der Tatsache, dass Stadt und Stadtwerke als kommunaler Wasserversorger dieser Tage ein Zertifikat erhalten haben, das bescheinigt, dass man jetzt „Blue Community“ ist.

Im Bauamt, so berichtet Karin Brahms, soll jetzt ein Wasserspender aufgestellt werden.

Zudem wurde ein „Runder Tisch Blue Community“ einberufen, an dem sich Vertreter der Stadt, der Stadtwerke, der Universität, des Gesundheitsamtes Marburg, der Stadtverordnetenversammlung und von ehrenamtlichen Projekten Gedanken um die Frage machen, wie auf Leitungswasser umgestellt werden kann.

Der Laie stellt sich das ganz einfach vor: Einfach die Mineralwasserflaschen nicht mehr anbieten, stattdessen Wasserspender installieren und Trinkgefäße anschaffen. Das Projekt gibt es auch schon länger, wird von den städtischen Fachdiensten Klimaschutz und Umwelt- und Naturschutz, Fairer Handel und Abfallwirtschaft betreut. Im Bauamt, so berichtet Karin Brahms von den Stadtwerken, die Koordinatorin des Runden Tischs, soll jetzt ein Wasserspender aufgestellt werden.

In anderen städtischen Liegenschaften finden „Begehungen“ mit den Hausmeistern statt, die klären sollen, wo Wasserspender aufgebaut werden können. Vorgesehen sind für dieses Jahr noch das Rathaus und die Liegenschaft Barfüßerstraße 50 einschließlich des Sitzungssaals „Hohe Kante“.

Brahms berichtet weiter, dass erste Wasserkaraffen angeschafft wurden. Und, ein Durchbruch sechs Monate nach dem Beschluss der Stadtverordneten, auf der letzten Aufsichtsratssitzung der Stadtwerke gab es gekühltes Leitungswasser in Karaffen – mit kleingeschnittenen Limetten als Geschmacksverstärker. Mit Sicherheit werde es aber auch 2019 noch zumindest teilweise Mineralwasser geben, räumt Brahms ein.

Die Karaffen müssten sich erst in der Praxis bewähren. Will heißen: Nicht alle Modelle passen, vor allem aufgrund der Höhe, unter die Wasserspender. Und: Veränderte Arbeitsabläufe müssten sich erst bewähren.

Anders als eine geplagte Verwaltung kann Otto Normalverbraucher ganz einfach umstellen: Man kauft eine Trinkflasche, die man überall mit hinnehmen und auffüllen kann – möglichst leicht, aber ohne den Plastik-Weichmacher BPA. Zudem sollte man sie gut reinigen können, auch in der Spülmaschine.

Wer nach längerem Urlaub wieder Wasser aus der Leitung zu Hause zapfen möchte, sollte, so der Ratschlag von Karin Brahms, zunächst das Wasser so lange laufen lassen, bis es kalt ist


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