Das Wichtigste teilen: Lebenszeit

INTERVIEW Der Wissenschaftler Prof. Dr. Harald Danne nimmt sich Zeit fürs Ehrenamt

Prof. Dr. Harald Danne von der THM beteiligt sich am Projekt "Engagierte Stadt". (Foto: Scharfscheer)

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Trotz seiner beruflichen Herausforderungen nimmt sich der Wissenschaftler Zeit fürs Ehrenamt. Seit Juli amtiert er für ein Jahr als Präsident des Rotary Clubs Wetzlar. Dieser Serviceclub, den es weltweit gibt, ist aktiv in humanitären Diensten, im Einsatz für Frieden und Völkerverständigung sowie in Dienstbereitschaft im täglichen Leben.

Prof. Danne will sich besonders in dem Projekt "Engagierte Stadt" des Freiwilligenzentrums Mittelhessen einsetzen. In loser Folge stellen wir die Mitglieder und Aktiven des Freiwilligenzentrums sowie die Akteure der Engagierten Stadt vor und ihre Beziehung zum Thema Ehrenamt.

Wo engagieren Sie sich ehrenamtlich?

Harald Danne: Gemeinsam mit meiner Frau unterstütze ich seit vielen Jahren unter anderem Plan international über eine Patenschaft sowie mehrere soziale Projekte. Im Rahmen des Ethik-Moduls bei StudiumPlus haben in den letzten Jahren viele hundert soziale Projekte überwiegend in den Heimatgemeinden der Studierenden stattgefunden. Für die Inhalte des Moduls und dessen Organisation bin ich zuständig. Gemeinsam mit den Freundinnen und Freunden des Rotary Club Wetzlar setze ich mich seit 20 Jahren für soziale Projekte zum Beispiel für Jugendliche und Ältere in der Region und weltweit ein.

Gemeinsam mit dem Rotary Club Gießen und in Medienpartnerschaft mit der WNZ organisieren wir zum Beispiel am 4. Februar ein Benefizkonzert in der Stadthalle Wetzlar. Der Chor der Liebigschule Gießen und die Musicalgruppe der Goetheschule Wetzlar werden gemeinsam auftreten und ihr Publikum sicherlich mitreißen. Wir möchten mit diesem Event gerne Projekte des Freiwilligenzentrums Mittelhessen und der Himalaya Care Foundation fördern und sichern.

Was sind Ihre Beweggründe?

Danne: Bei sozialen Projekten arbeitet und wirkt man mit anderen Menschen zusammen, und zwar vollkommen freiwillig und hoffentlich für einem guten Zweck. Man teilt damit gemeinsam das Wichtigste überhaupt: Lebenszeit. Und für nichts Besseres kann man diese einsetzen, als für sinnvolles Handeln, das zum Wohl aller beiträgt. Vor wenigen Wochen hat der Rotary Club Wetzlar im Rahmen "Gesunde Kids" bei schönstem Sonnenschein auf der Streuobstwiese Äpfel geschüttelt, aufgelesen, gepresst und den frischen Saft direkt aus der Presse probiert. Über 60 Mädchen und Jungen des Niedergirmes Projektes "Zeit für Kinder" und vom Albert-Schweitzer-Kinderdorf haben eifrig geholfen und dann gemeinsam mit den Erwachsenen Kartoffelsuppe mit Wurst und Brot gegessen. Da frage ich mich: Was hätte ich in dieser Zeit Besseres tun können?

Warum ist Engagement aus Ihrer Sicht wichtig?

Danne: Die mährisch-österreichische Schriftstellerin Marie Freifrau Ebner-Eschenbach sagt es ganz einfach: "Man muss Gutes tun, damit es in der Welt ist". Aber jeder Einzelne selbst, der sich sozial engagiert, bekommt letztlich immer mehr zurück, als er gibt. Oder mit dem Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe: "Wer nichts für andere tut, tut nichts für sich."

Was nehmen Sie Positives aus Ihrem Engagement mit?

Danne: Ein freundliches Wort kostet nichts und ist doch das schönste aller Geschenke.

Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere am Freiwilligenzentrum?

Danne: Ganz klar: Die professionelle Art der Vernetzung und damit die Optimierung des bereits vielfach vorhandenen und fast immer gut funktionierenden ehrenamtlichen Engagements. Die Arbeit an einer "Landing-Page" nutzt vielfältige Kenntnisse und Erfahrungen und schafft somit Transparenz, bündelt die Kräfte und sorgt dafür, dass keine Doppel- oder Blindleistungen erbracht werden. Damit werden beste Voraussetzungen geschaffen, um die vielfältigen und immer komplexer werden Herausforderungen auch künftig zu schaffen. Von besonderem Interesse ist natürlich auch die Einbindung von betrieblichem Engagement wie zum Beispiel der Rittal-Foundation. Unternehmen können etwa Impulse für vielfältige Möglichkeiten der Integration von Benachteiligten in das Berufsleben bieten. Aktivitäten und Einrichtungen können sich präsentieren und interessierte Bürger erhalten einen guten Überblick über die Möglichkeiten, sich sozial und ehrenamtlich zu engagieren. Und darüber hinaus können neue Ideen entwickelt werden, wie jüngst etwa der "Integrationslotse", die "Ankommens­paten" oder die "Familienpatenschaft".

Warum ist es wichtig, dass es das Freiwilligenzentrum gibt?

Danne: Zum einen: Diese Plattform bündelt das ehrenamtliche Engagement, informiert hierüber aktuell und umfassend die Menschen der Region und trägt damit nachhaltig zum funktionierenden Gemeinwohl bei.

Zweitens ist es mit dem Projekt "Engagierte Stadt" an einem bundesweit sehr bedeutenden Thema beteiligt und steht damit im Fokus. Es geht hier um den Aufbau von zukunftsfähigen Strukturen - also um die Grundlagen für ehrenamtliches Engagement vor Ort. Die Vernetzung mit anderen beteiligten Kommunen des Projekts kann wertvolle Anregungen liefern.

Die lokalen Programmpartner mit dem Freiwilligenzentrum Mittelhessen, der Stadt Wetzlar und der Zeitungsgruppe Lahn-Dill haben einen kreativen Rahmen geschaffen, in dem es sich meiner Meinung nach sehr lohnt, Ideen einzubringen.

Es bietet die Möglichkeit des Austauschs und des abgestimmten Miteinanders und hilft damit letztlich allen. Denn für jeden Netzwerker ist drittens klar: Keiner weiß so viel wie alle.


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