Details machen den Unterschied

In der Frührehabilitation der Vitos Klinik arbeiten Ärzte, Pfleger und Therapeuten eng zusammen

Den Fokus ihrer Arbeit auf das Menschliche zu legen, ist dem Team aus Ärzten, Pflegekräften und Therapeuten der Frührehabilitation an der Vitos Klinik Weilmünster besonders wichtig. (Fotos: Vitos Weil-Lahn)

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Sprechen, alleine sitzen, selbstständig essen - ein Großteil der Patienten der Station für neurologische Frührehabilitation der Phase B in der Vitos Klinik für Neurologie in Weilmünster muss die grundlegendsten Fähigkeiten neu erlernen.

"Viele können sich gar nicht an das Ereignis erinnern, dass dazu geführt hat, dass sie jetzt bei uns sind", sagt Benjamin Förster, pflegerischer Stationsleiter. Der Gesundheits- und Krankenpfleger hat schon als Zivildienstleistender in der Vitos Klinik für Neurologie gearbeitet. Seitdem ist er für viele Patienten der erste Ansprechpartner. Hilft ihnen ab der ersten Minute wieder ein Bewusstsein für Raum, Zeit und ihre eigene Person zu entwickeln. Magnettafeln an den Wänden der Patientenzimmer, Zettel mit wichtigen Daten und die tägliche Frage nach diesen Informationen helfen dabei.

Verschiedene Experten tragen ihre Eindrücke zur Entwicklung des Patienten zusammen

Ganz unterschiedliche Ereignisse haben dazu geführt, dass die Betroffenen auf die medizinische Unterstützung einer Station für neurologische Frührehabilitation angewiesen sind. Das kann nach einem Unfall, einem Schlaganfall, oder einer anderen neurologischen Erkrankung notwendig werden.

Je nach Ausmaß der Schädigungen sind die Patienten für unterschiedlich lange Zeit auf die intensive Betreuung und Förderung der Experten angewiesen. Wegen ihres geschwächten Allgemeinzustandes werden sie zu ihrem Schutz auf den Zimmern isoliert. "Der Körper ist oft so geschwächt, dass er sehr anfällig für Infektionen ist", sagt Oberarzt Michael Lorisch (Foto: unten links). Gerade deswegen ist eine individuell abgestimmte Therapie besonders wichtig.

Die Entwicklung der Patienten wird jeden Tag überprüft. Die Experten der verschiedenen Fachrichtungen tragen dazu ihre Eindrücke zusammen. Dazu gehört der Facharzt für Neurologie, die speziell geschulten pflegerischen Mitarbeiter unter der Leitung von Benjamin Förster (Foto: unten rechts) sowie Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden und Neuropsychologen.

"So können wir im Optimalfall in Zusammenarbeit mit dem Betroffenen erreichen, dass sich sein körperlicher Zustand verbessert, er unabhängig wird von Maschinen und dauernder Pflege", zählt Lorisch eines der Ziele dieser Rehabilitationsphase auf. Denn nur wenn ein festgeschriebenes Maß an Selbstständigkeit wieder erlangt worden ist, kann der Betroffene in die nächst höhere Stufe der Reha verlegt werden.

Förster erlebt jeden Tag, wie viel Unterschied es machen kann, den Fokus seiner Arbeit auf das Menschliche zu legen. "Wir hatten uns bei einem Patienten gewundert, warum er morgens nichts essen wollte. Bis die Angehörigen uns berichteten, dass er auch zuvor nie gefrühstückt hatte." Ein Gespräch im Flur, eine Information im Nebensatz kann dabei dazu beitragen, wie wohl sich ein Patient fühlt. So ist allen Beteiligten geholfen: Die behandelnden Mitarbeiter verstehen ihren Patienten besser, die Angehörigen werden in die Behandlung eingebunden und die Betroffenen sind häufig viel eher dazu bereit, bei den anstrengenden Therapieeinheiten mitzuarbeiten.

"Wenn wir feststellen, dass etwas so Unbewusstes wie das Schlucken neu erlernt werden muss, kann das damit verglichen werden, eine Bach-Sonate auf dem Klavier spielen zu lernen. Etwa 200 Muskeln müssen aufeinander abgestimmt arbeiten", bringt Michael Lorisch einen Vergleich ins Spiel, der zeigt, wie anspruchsvoll die Therapie sein kann.

"Die Patienten sind oft sehr lange bei uns", erzählt Förster. Dadurch wird oft eine enge Verbundenheit aufgebaut. "Wenn dann Wochen oder Monate nach der Entlassung jemand auf die Station kommt und einfach mal ‚Hallo‘ sagt, ist das schon etwas ganz Besonderes."


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