Die Heuchelei lauert hinter Spitzendecken

Hinreißende "Small Town Murder Songs"
Schnauzbartträger Walter (Peter Stormare, r.) muss in "Small Town Murder Songs" den ersten Mord in seiner Polizisten-Karriere aufklären und wendet sich mit Grausen ab. (Foto: Verleih)

In Ed Gass-Donnellys bemerkenswerter Kleinstadtballade "Small Town Murder Songs", einem Meisterwerk von düsterer Schönheit, spielt er den Polizeichef einer verschlafenen Mennonitengemeinde in Ontario, in der der Fund einer brutal zugerichteten Frauenleiche das Ereignis des Jahrzehnts ist.

Für Walter, den bislang vornehmlich Parksünder auf Trab hielten, ist es sein erster Mord, und als die Identität der Toten feststeht und damit ein Schlaglicht auf ihre Vergangenheit fällt, muss er ernüchtert feststellen, dass ihn mehr an die tote Frau bindet, als er sich je hätte träumen lassen.

Über die Verbrechensaufklärung hinaus gelingt dem kanadischen Regisseur das Psychogramm einer bigotten Kleinstadt mit Spitzendeckchen und Stripbar, das von Bibelversen als Inserts, Chorälen und dem magischen Gospel-Folk der Indie-Rockband Peninsula strukturiert wird. Manches bleibt für Deutungen offen in dieser Charakterstudie eines gebrochenen Manns, der auf seine alten Tage vor der Herausforderung seines Lebens steht.

Filmperlen wie dieser bleibt gemeinhin der Einsatz auf Festivals vorbehalten, wo sie jede Menge Preise gewinnen und dann in Vergessenheit geraten. Dass die "Mörder-Lieder" nun doch noch in den Kinos angestimmt werden, – im Licher "Traumstern" läuft er vom 9. bis 11. August –, ist ein Glücksfall, den nutzen sollte, wer von "Winter’s Bone" begeistert war. Krimis mag und sich für menschliche Befindlichkeiten ganz allgemein interessiert.

Laufzeit: 78 Minuten; FSK: freigegeben ab 12 Jahren.


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