Die Hygiene ist das A und O

AKTION Ute Hiller von den Lahn-Dill-Kliniken beantwortet Leserfragen am "Direkten Draht"

Ute Hiller, Leitende Ärztin für Hygiene der Lahn-Dill-Kliniken, stellte sich den Fragen zum Thema "Wenn Antibiotika nicht mehr helfen: Multiresistente Keime".

Zahlreiche Anrufer wollten wissen, welche Vorsichtsmaßnahmen es gibt, wenn Verwandte oder Bekannte an einem multiresistenten Keim erkrankt sind. So war eine Anruferin besorgt, die Kaffeetassen bei einer betroffenen Freundin zu nutzen. "Wichtig ist es, dass sich Ihre Bekannte vorher die Hände desinfiziert. Man sollte vorsichtig sein, muss es aber nicht übertreiben", beruhigte Hiller die Frau. Anfälliger seien grundsätzlichDialyse-Patienten oder Menschen, die in einem Altersheim leben.

Dennoch sei es wichtig, sich gerade von Kosmetikartikeln wie Zahnbürsten oder Deos zu trennen, auf die Keime übertragen worden seien, sagte Hiller beispielsweise zu einer 89-jährigen Wetzlarerin, bei deren inzwischen verstorbenem Mann ein MRSA-Erreger nachgewiesen worden war. Hygiene sei in jedem Fall das A und O, um vorzusorgen.

Eine Anruferin aus einem Driedorfer Ortsteil befürchtete, sich bei ihrem Mann anzustecken oder bereits angesteckt zu haben. "Wenn Sie sich sorgen, kann ein Abstrich aus der Nase oder dem Rachen genommen und untersucht werden. Der verschafft Klarheit, ob Sie betroffen sind", beschrieb Hiller. Nicht jede Besiedlung mit Keimen rufe Symptome oder Anzeichen hervor.

"Es kann sein, dass Sie Keime schon außerhalb des Krankenhauses hatten."

Auch eine 82-jährige Frau aus Albshausen war sich unsicher, ob Ihre Schmerzen nach einer Knie-Operation auf Keime zurückzuführen seien. "Die Chancen sind gering - aber zu Hundert Prozent kann man das nie ausschließen", sagte Hiller. Man könne Blut- und Entzündungswerte feststellen, um sich abzusichern.

Warum viele Menschen aus Krankenhäusern kämen, in denen multiresistente Keime festgestellt worden seien, fragte eine 75-Jährige aus Haiger. "Viele Menschen wissen nicht, dass sie betroffen sind. Es kann sein, dass sie den Keim schon außerhalb des Krankenhauses hatte", betonte Hiller. Oft würden die Keime zufällig entdeckt. In den Lahn-Dill-Kliniken würden alle Patienten, die aus anderen Krankenhäusern kämen, per Screening-Programm getestet.

Ein 75-jähriger Gladenbacher berichtete vom Fall seiner Frau. Ein Keim sei in eine Wunde an ihrem Bein gelangt. Nun habe der Hausarzt gesagt, sie könnte den Keim ein Leben lang behalten. "Wenn der Keim in der Nase oder dem Rachen sitzt, lässt er sich gut behandeln. Bei tiefen Wunden im Fuß sind die Chancen schlechter, weil man schlecht in die Tiefe kommt", erklärte Hiller. Die Chancen, dass die Frau mit dem Keim leben müssen, seien nicht gering.

Manchmal, erklärte Hiller einer Anruferin, gingen die Keime mit vielen Maßnahmen weg. Dennoch bleibe man ein Risikopatient. Die Keime könnten in Zukunft zurückkommen. Bei künftigen Krankenhausaufenthalten würden Patienten dann regelmäßig geprüft, um die Situation einschätzen zu können.

Ein Mann aus Gladenbach erkundigte sich nach der sogenannten "Madentherapie", von der er gehört habe. Dabei werden steril gezüchtete Fliegenmaden auf die Wunde gesetzt, wenn diese von multiresistenten Keimen befallen sein sollte. Sie sollen abgestorbene Zellen entfernen. "Das kann durchaus helfen", sagte Hiller.

Die Leitende Ärztin für Hygiene der Lahn-Dill-Kliniken konnte gleich mehreren Anrufern Ihre Ängste nehmen. So erklärte eine von einem MRSA-Keim betroffene Frau, sie sorge sich gerade dann, wenn sie sich mit ihren Enkelkindern gemeinsam in einem Raum aufhalte. Sie gebe schon niemandem mehr die Hand, weil sie befürchte, andere Menschen anzustecken.

"Wenn Sie mit den Kindern schmusen möchten, können Sie das weiterhin tun. Ziehen Sie sich dann einen Mundschutz auf, um sicherzugehen", empfahl Hiller der Anruferin. Solange man offen damit umgehe und entsprechend handele, könne man die Situation gut in den Griff bekommen, sagte die Ärztin.


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2017
Kommentare (0)
Mehr aus red.web unzugeordnet