Die Mandeln bleiben länger drin

DIREKTER DRAHT ZUM MEDIZINER Frank Botor gibt Tipps rund um Hals, Nase und Ohren

"Bis Kinder im schulpflichtigen Alter sind, haben sie oft bereits etwa 60 Virusinfekte erlebt", weiß der in einer Wetzlarer Gemeinschaftspraxis tätige Facharzt und Allergologe. Es sei also nichts Ungewöhnliches, wenn sich der Nachwuchs des öfteren mal einen Schnupfen einfange.

Sollte der Hals allerdings immer wieder verschleimt sein, könnten "Polypen", also vergrößerte Rachenmandeln die Ursache sein. Diese könnten dann das Sekret nicht mehr ablaufen lassen, was wiederum zu Entzündungen, Fieberinfekten, Mittelohrentzündung oder Sekretbildung hinter dem Trommelfell führen könne. Daraus resultierten unter Umständen Hörminderungen bis hin zu Entwicklungsstörungen beim Kind.

Sollte eine Operation unumgänglich sein, trage der Facharzt die Polypen ab und entferne die Flüssigkeit hinter dem Trommelfell mit kleinen Einschnitten. In einigen Fällen würden Röhrchen eingelegt, um die Belüftung im Mittelohr zu verbessern.

Die Leitlinien für die Entfernung von Mandeln bei Entzündungen haben sich geändert. Es müssten dazu nun über drei antibiotikapflichtige Mandelentzündungen im Jahr (oder über sechs in zwei Jahren) diagnostiziert werden. Bei einer Mandelvergrößerung reiche es oft aus, dass die Mandeln gekappt würden, um eine bessere Belüftung an der Engstelle zu erreichen.

Kein pflanzliches Allheilmittel, das alle Schleimhäute im Körper gleichzeitig positiv beeinflusst

Unter empfindlichen Schleimhäuten leidet eine allergiegeplagte 39-Jährige aus Villmar. Sie fragte nach einem pflanzlichen Mittel, das Schleimhäute resistenter mache und die Abwehr stärke. Wie verhalte es sich etwa mit indischem Flohsamen?

"Es gibt leider kein pflanzliches Allheilmittel, das alle Schleimhäute im Körper gleichzeitig positiv beeinflusst", wusste Botor.

Was die Atemwegsschleimhäute betreffe, gehörten unter anderem Rauchen, schlechte Ernährung und trockene Luft zu den beeinflussenden Faktoren. Salbei, Kamille oder ätherische Öle wie etwas Eukalyptus seien hilfreich, würden aber nicht von jedem vertragen.

Im Allgemeinen seien auch Sauna oder Wechselbäder hilfreich. Indischer Flohsamen dagegen reguliere die Verdauung.

Ihre knapp zweijährge Tochter leide unter Husten und Schnupfen. Der Kinderarzt habe Inhalationen empfohlen.

Es mache durchaus Sinn auch vorbeugend über die Zeit der Infektwelle konsequent, etwa vor dem Zähneputzen, zu inhalieren, stimmte der 44-jährige Mediziner zu. Medikamente könnten dabei helfen, dass die Bronchien wieder frei werden.

Zwei ihrer Urenkel würden derzeit gegen eine Lungenentzündung mit Antibiotika behandelt, machte sich eine Anruferin aus Herborn, 77 Jahre, Sorgen.

Wichtig sei der enge Kontakt zum Kinderarzt, empfahl Botor. Eine Lungenentzündung könne auch bei komplikationslosen Verlauf mit Antibiotika ambulant behandelt werden. Es helfe, viel zu trinken. Die Kinder sollten sich bald erholen.

Ein Dietzhölztaler hat sich nach einer nicht auskurierten Grippe eine schwere Mittelohrentzündung eingefangen und hört jetzt schlechter. "Wird es nicht besser, sollte ein HNO-Arzt aufgesucht werden", antwortete Botor dem 56-jährigen Anrufer. Das schlechtere Hören sei entzündungsbedingt möglich. Antibiotika und Nasensprays für die bessere Belüftung des Ohres seien bereits verabreicht worden. Sollte angesammelte Flüssigkeit hinter dem Trommelfell vorhanden sein, höre man wieder besser, wenn sie ablaufe, oder durch einen kleinen Schnitt entfernt werde. Bezüglich des Hustens sollte der Hausarzt sicherheitshalber die Lunge abhören.

Probleme mit der Nasenatmung aufgrund einer knöchernen Ausbuchtung an der Scheidewand, verursacht durch einen Unfall, beklagt ein 75-jähriger Haigerer. Die Situation verbessern könne eine Operation der Nasenscheidewand oder auch die Verkleinerung der Nasenmuscheln, zeigte Botor mögliche Alternativen auf. Dies könne man auch umgehen, sofern die Anwendung von pflegenden Substanzen bereits Linderung verschaffe.


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