Die neuen Landärzte kommen

MEDIZIN Regionale Gesundheitskonferenz Gießen-Marburg zieht erst Bilanz

Das ZDF hat im vergangenen Jahr die Serie "Der Landarzt" nach 25 Jahren eingestellt. Echte Landärzte sind dagegen in Mittelhessen wieder im Kommen. (Foto: Warmuth/dpa)

Schmidt ist Teamleiter des BeratungsCenters Gießen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV). Er informierte die Mitglieder der Konferenz - Vertreter von Kreisen, Krankenhäusern, Ärzten, Krankenkassen und Patientenvertreter - über die Auswirkungen der vor einem Jahr geänderten ärztlichen Bedarfsplanung in Hessen in den Landkreisen Wetterau, Gießen, Lahn-Dill und Marburg-Biedenkopf. Der drohende Ärztemangel auf dem Land habe sich ein kleines Stück entspannt, machte Schmidt deutlich.

Insgesamt seien in den vier Landkreisen durch eine kleinräumigere Berechnung 37 neue Hausarztsitze ausgewiesen worden. Von diesen habe die Kassenärztliche Vereinigung mit Stand 13. Februar 2014 genau 12,5 besetzen können. Die KV versuche derzeit mit Hochdruck, auch für die noch freien Sitze - zum Beispiel in den Bereichen Haiger/Dillenburg, Biedenkopf und Butzbach - Mediziner zu finden, die sich mit einer eigenen Praxis niederlassen wollen.

Die Regionale Gesundheitskonferenz Gießen-Marburg tagte unter Leitung des Gießener Gesundheitsdezernenten Dirk Oßwald in der Rheuma-Klinik Bad Endbach.

Weiteres Thema des Treffens der Fachleute war die bis Ende 2015 laufende Reform des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes in Hessen. Die KV führt einheitliche Strukturen beim Abend- und Wochenenddienst der Hausärzte ein. Dies vor allem, um den Hausarztberuf besonders auf dem Land attraktiver zu machen und neue, junge Ärzte von langen Vertretungsdiensten zu entlasten, so Teamleiter Schmidt. "Freizeit und Lebensqualität für Ärzte mit einer Landarztpraxis sind mit ausschlaggebend für die Frage, ob eine bestehende Praxis einen Nachfolger findet", erläuterte er.

Die ursprünglich rund 100 landesweiten Bereitschaftsregionen werden zu rund 50 zusammengelegt und in Aufbau, Organisation und Ablauf vereinheitlicht. Anrufe der Patienten laufen so zentral in den Dispositionszentralen in Kassel und Frankfurt auf, wo - im Gegensatz zur bisherigen dezentralen Lösung - stets ein Arzt im Hintergrund für Fragen oder Entscheidungen über das richtige Einsatzmittel bereit steht.

Da der Stand der Reformumsetzung in den vier Landkreisen unterschiedlich ist, gibt es noch kein einheitliches Bild. So erwartet der Landkreis Gießen aufgrund bestehender Strukturen keine wesentlichen Veränderungen. In Marburg-Biedenkopf sind die neuen ÄBD-Strukturen nach Angaben von Ernst-Rudolf Schmidt erfolgreich gestartet.

Der Lahn-Dill-Kreis setzt die Reform im kommenden Jahr um

Reinhold Merbs, Leiter des Gesundheitsamtes des Wetteraukreises, berichtete dagegen von vermehrten Rettungsdiensteinsätzen seit Umsetzung der Reform. Um dies auffangen zu können, seien die Vorhaltestunden entsprechend erhöht worden. KV-Vertreter Schmidt verwies allerdings darauf, dass ein jährlicher Anstieg der Rettungsdiensteinsätze um sechs Prozent seit Jahren unabhängig von der ÄBD-Reform erkennbar sei.

Im Lahn-Dill-Kreis steht die Reform des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes erst 2015 an. Dort allerdings mit gravierenderen Folgen: So wird der jahrelang modellhafte Einsatz von Ärzten in der Rettungsdienst-Leitstelle, die zu ihrem normalen Geschäft auch den ärztlichen Bereitschaftsdienst disponierten, Ende 2014 aufgrund der übergreifenden Lösung der eingerichteten Dispositionszentralen eingestellt. Dagegen regt sich jedoch Widerstand.


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