Dillenburgs "Röhre" wird 10 Jahre alt

Die Großbaustelle vor dem Durchbruch im Bereich der ehemaligen Polizeistation und des Hauses Spang. (Archivfoto: Frank Reichel)

Die neuen Kreisverkehrsplätze an den Portalen sorgten für ein völlig neues Stadtbild wie hier am Nordportal. (Foto: Stefan Schäfer)

Stolz unterzeichnen der Hess. Verkehrsminister Dieter Posch, Bürgermeister Michael Lotz und Stadtverordnetenvorsteher Eckehard Leo den Planfeststellungsbeschluss am 20. September 2002. (Foto: privat)

In ihrer Sitzung am 14. Februar 1985 sagte die Stadtverordnetenversammlung einstimmig "ja" zur Tunnellösung. (Foto: privat)

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Dillenburg. Dillenburgs "Röhre" feiert ihren 10. Geburtstag. Im April 2007 konnte eines der damals größten Bauprojekte in Hessen für den Straßenverkehr freigegeben werden. Mit einem dreitägigen Fest wurde der Schlossbergtunnel eingeweiht.

Seitdem führt die Bundesstraße 277 auf knapp einem Kilometer unter dem Schlossberg durch. Die Röhre ist weder aus dem Stadtbild noch aus den Köpfen der Verkehrsteilnehmer wegzudenken. Wartezeiten durch Staus in der Innenstadt gehören der Vergangenheit an. Vom Bau des Tunnels profitierten Verkehrsteilnehmer und Anlieger gleichermaßen.

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Bis zu 27.000 Fahrzeuge täglich beanspruchten vor der Einweihung die B 277 durch Dillenburg. Die topografische Lage der Stadt mit Hanglagen und dichter Besiedlung sowie der historischen Altstadt und dem Schlossberg stellte die Planer vor eine schwierige Aufgabe. Ein erstes Schreiben der Stadt an das Amt für Straßen- und Verkehrswesen mit der dringenden Bitte, dass "etwas passieren muss", stammt aus dem Jahr 1957. In den 70er Jahren lief sogar ein Planfeststellungsverfahren mit einer geplanten Trassenführung neben und zum Teil über der Dill, das aufgrund der Klageerhebung privater Anlieger nicht abgeschlossen wurde.

Erst in den 80’er Jahren wurde der Gedanke einer Untertunnelung des Schlossbergs konkret. Und so beschloss die Stadtverordnetenversammlung 1985, dass die künftige Bundesstraße durch einen Tunnel unter dem Schlossberg verlaufen solle. Erleichterung bei den Bürgern machte sich breit, worauf nicht nur die Zuhörer auf der Empore des Sitzungssaals mit ihren "Bravo"-Rufen hindeuteten. Hatte man doch fast schon 30 Jahre lang intensiv um eine Lösung gerungen. Nach 15-jähriger Vorbereitung wurde das Planfeststellungsverfahren eingeleitet und der Beschluss im September 2002 im Beisein des frischgewählten Bürgermeisters Michael Lotz durch den Hessischen Verkehrsminister Dieter Posch unterzeichnet. Den Spatenstich für die neue Dillbrücke am Nordportal führten der neue Verkehrsminister Dr. Alois Rhiel, Bürgermeister Michael Lotz und der damalige Leiter des Amts für Straßen- und Verkehrswesen (heute HessenMobil) Martin Weber im April 2003 durch. Das ehemalige Polizeigebäude in der Frankfurter Straße, die Turnhalle der Johann-von-Nassau-Schule, das ehemalige Foto-Richter-Gebäude und das Haus Spang mussten dem Schlossbergtunnel weichen.

Am 6. Januar 2005 sahen die Bauarbeiter "Licht am Ende des Tunnels" - der Durchschlag war gelungen. Beim "Tag des Tunnels" am 16. Januar 2005 kamen die Spendengelder in Höhe von 25.500 Euro von 30.000 Besuchern den Opfern der Tsunami-Katastrophe zugute. Kurz danach sorgte die "Walter-Bau-Pleite" - die Insolvenz des ausführenden Unternehmens - für einen Baustillstand. Die Verzögerung betrug letztlich nur sieben Monate.

Eine Fahrerin aus Garmisch-Partenkirchen sorgte im Juni 2006 für unfreiwilliges Aufsehen und gewisse Belustigung. Mit ihrem Porsche 911 Cabrio bog sie im Kreisel am Südportal falsch in die mäßig beleuchtete Röhre ab, kam nach 200 m im Betonschlamm zum Stehen, konnte noch in der Nothaltebucht wenden und erschien mit ihrem völlig verdreckten Sportwagen wieder im Tageslicht.

Während der Bauphase fuhren 10.000 Lkw 150.000 Kubikmeter Tunnelaushub ab, unter anderem auch ins Zwischenlager im Tal Tempe. Bis zu 100 Beschäftigte waren zeitgleich am Bau tätig. Der damalige Pressesprecher des Amtes für Straßen- und Verkehrswesen Marco Gräb begleitete das Projekt von Anfang an engagiert und war fast täglich vor Ort. Eine eigene Internetseite, mit dem von Klaus Wagner kreierten Tunnel-Logo, informierte Bürger und Presse kontinuierlich über den Stand des Baufortschritts.

(Fortsetzung auf Seite 3)


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