Diskussion um Zustand der Deiche

HOCHWASSER  Gemeinde Weimar soll sich mit RP wegen der Schutzmaßnahmen abstimmen

Land unter: Beim Hochwasser im Januar 2011 mussten die Einsatzkräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk den Lahndeich zwischen den beiden Weimarer Ortsteilen Argenstein und Roth retten. (Archivfoto: Meistrell)

Bis Juli ging die Gemeinde Weimar davon aus, dass ausschließlich Hochwasserschutzprojekte genehmigungsfähig und förderfähig seien, die einen Schutzgrad für ein sogenanntes hundertjährliches Hochwasser (HQ100) aufweisen.

Im Juli flatterte der Gemeinde aber eine Mitteilung des Regierungspräsidiums Gießen ins Haus, wonach auch Projekte genehmigt würden, die einen geringeren Schutzgrad aufweisen. Dazu seien Kosten-Nutzungs-Betrachtungen der jeweiligen Varianten mit entsprechender Begründung und Betrachtung der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit, der gesteigerten Effizienz und eine Analyse des Restrisikos in Abstimmung mit dem Ministerium und der WI-Bank nötig.

Den letzten Satz darf man gerne noch einmal oder noch zweimal lesen, um dessen Bedeutung zu erfassen. Für die Mitglieder des Ausschusses für Bau, Planung, Energie und Umweltschutz der Gemeinde Weimar ist zunächst einmal nur wichtig, dass es weitere Möglichkeiten gibt.

Und diese ließen sie sich von einem Experten erläutern. Diplom-Ingenieur Jens Gelzenleuchter, Geschäftsführer der Best Ingenieure GmbH aus Lahnau, zeigte dabei auf, dass Ausführungen, die auf dem Papier einen geringeren Schutzgrad als HQ100 aufweisen, in der Praxis dann doch einen ähnlichen Schutz bieten, aber wesentlich weniger Geld kosten würden. Dabei gab er zu bedenken, dass die Gemeinde, sollte sie die HQ100-Variante verfolgen, auf ein wohl nicht zu lösendes Problem stoßen würde.

Sicher ist, dass etwas getan werden muss; der Istzustand der Deiche ist alles andere als gut

Sie wäre nämlich verpflichtet, einen Retentionsraum in einer Größenordnung von 200 000 bis 300 000 Kubikmeter zu schaffen. Aus der Gesamtbetrachtung würde das Rückhaltebecken Kirchhain/Ohm rausfallen. Bei einer Ausbauvariante kleiner als HQ 100 würde das Rückhaltebecken mit eingerechnet.

Der Schutzfaktor wäre nahezu identisch; man befände sich aber rechtlich mit den beiden Orten Argenstein und Roth im Überschwemmungsgebiet und müsste deshalb keinen Retentionsraum schaffen und könne sich sogar noch einen Deich westlich von Argenstein sparen. Eine komplizierte Sache.

Siegfried Koch, SPD-Mitglied des Ausschusses, merkte an: „Wir sollten nicht weiter über das Regierungspräsidium sprechen, sondern mit dem RP – und zwar so, dass wir praktikabel etwas auf die Beine stellen können.“ So sah das auch Lars Plitt von der CDU, der dem Ausschuss vorsitzt.

„Wir müssen schließlich auch wissen, wie wir planen können oder müssen, um uns auch mit der WI-Bank erfolgreich abstimmen zu können“, so Plitt. Stephan Wenz (SPD) war es wichtig, dass eine Lösung gefunden wird, die man auch guten Gewissens gegenüber der Bevölkerung vertreten könne, wohl wissend, dass es den wirklichen hundertprozentigen Schutz nie geben kann. Koch führte dazu ein Szenario etwa wie beim Sturm Kyrill an, wenn also zu einem Hochwasser durch Sturmeinwirkung noch Wellen entstehen, die dann Wasser über die Deichkrone schwappen lassen.

Einstimmig empfahl der Ausschuss, dass zunächst das Gespräch mit dem RP gesucht wird, um sich die einzelnen Möglichkeiten darlegen zu lassen, die es bis Juli noch nicht gab.

Gelzenleuchter machte dabei darauf aufmerksam, dass bei einem solchen Gespräch keinesfalls schon über die Höhe von möglichen Zuschüssen gesprochen werden könne. Der Antrag auf Fördermittel könne eben erst nach der Plangenehmigung eingereicht werden. Sicher ist, dass etwas getan werden muss; der Istzustand der Deiche ist alles andere als gut. Wühltierbefall, Durchwurzelungen und Erosion machen die Deiche anfällig für Durchbrüche.


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