Dorfladen droht das Aus

LEBENSHILFE Mietvertrag ist gekündigt / Suche nach neuem Standort läuft

Solch einen guten Besuch wie bei der Eröffnung in 2009 hat es in den letzten Monaten selten im Hartenroder Dorfladen der Lebenshilfe gegeben. (Archivfoto: Valentin)

In dem kleinen Dorfladen in der Schlierbacher Straße gibt es Waren für den täglich Bedarf. Auch die Post hat dort eine Agentur eingerichtet. Drei Teilzeitkräfte und vier Menschen mit Behinderung bedienen die Kunden, füllen die Regale auf, regeln das tägliche Geschäft. "Mit viel Herzblut", wie Roland Wagner, Vorstandsmitglied des Lebenshilfewerks Marburg-Biedenkopf, im Gespräch mit dem Hinterländer Anzeiger erklärt.

Doch ob das "Lädche" in Hartenrod noch eine Zukunft hat, steht derzeit in den Sternen. "Im Moment sind wir in der Prüfungsphase", erklärt Wagner. Fakt ist: Der Mietvertrag für das Geschäft ist gekündigt worden - mit der Option, dass es so lange genutzt werden kann, bis eine endgültige Entscheidung getroffen ist.

Als "Vorzeigeobjekt" sieht die Lebenshilfe den Dorfladen. Gleichzeitig verweist der größte Träger von Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen in der Region darauf, dass er mit öffentlichen Mitteln arbeitet - die Wirtschaftlichkeit also nicht außer Acht gelassen werden darf. "Wir haben es bisher noch nicht geschafft, in Hartenrod eine schwarze Null zu schreiben", sagt Wagner

Im vergangenen Jahr kam deshalb die Überlegung auf, den Standort zu wechseln. Die Lebenshilfe fragte mehrere Experten aus der Lebensmittelbranche um Rat. Und die seien zu der übereinstimmenden Meinung gekommen: "In diesem Gebäude hat das Lädchen keine Zukunft."

Wagner nennt dafür drei Gründe: die Größe des Dorfladens (nur rund 40 Quadratmeter), die fehlenden Parkplätze und kein barrierefreier Zugang. Der Vorstand der Lebenshilfe traf daraufhin eine Grundsatzentscheidung. "Wir werden den Standort aufgeben", so Wagner.

Auch der Bringservice für ältere Menschen kam nicht an

Dazu beigetragen hat mit Sicherheit auch das Kaufverhalten der Bürger in dem mit etwa 2500 Einwohnern größten Ortsteil der Gemeinde Bad Endbach. "Wenn das Lädchen angenommen worden wäre, müssten wir diese Diskussion nun nicht führen", sagt Wagner. Denn der "größte Frequenzbringer" sei bisher die Post gewesen.

Gleichwohl sehe sich die Lebenshilfe doppelt verpflichtet - zum einen um die Nahversorgung der Menschen weiter sicherzustellen, zum anderen auch mit Blick auf das Thema Inklusion. Schließlich bietet der Dorfladen gute Möglichkeiten, Menschen mit Behinderungen einen Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen. "Allerdings muss sich das Ganze unterm Strich auch rechnen", betont Wagner.

Der Versuch, andere Einnahmequellen im Geschäft zu erschließen, war bisher nicht von Erfolg gekrönt. So gab es vorübergehend einen Bringservice für ältere Bewohner des Ortes sowie auch eine Wäscheannahme. "Das hat leider nicht so funktioniert, beides wurde nicht angenommen", erklärt Wagner. Nun prüft das Lebenshilfewerk, wie es sein Angebot in Hartenrod aufrechterhalten kann. Gestern schauten sich Vertreter der Lebenshilfe und der Hinterländer Werkstätten zusammen mit Nahversorgern den ehemaligen Schlecker-Markt in Hartenrod an. Dabei ging es unter anderem um die Frage, welche baulichen Veränderungen nötig wären, wenn das "Lädche" dorthin umziehen würde. Auch über die Ausgestaltung eines Mietvertrages sollte gesprochen werden.


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