"Dr. Google sagt oft auch Unsinn"

TELEFONAKTION Dr. Leußler spricht am Redaktionstelefon über Herzerkrankungen

"Alle fragen bei Dr. Google nach, und selbst für mich ist es außerhalb meines Fachgebiets schwer zu unterscheiden, was richtig und was einfach Unfug ist", sagt der Facharzt. Beispielsweise seien oft überzogene Werte für einen angeblich normalen Blutdruck im Umlauf, wegen derer sich die Menschen unnötig Sorgen machten. "Es gibt nur einen gültigen Wert, der stammt von der WHO und besagt, bis 140 zu 90 ist ein Blutdruck normal."

So macht sich ein 82-jähriger Anrufer aus Dautphetal Sorgen wegen seines Blutdrucks. Normalerweise sei der bei 130 zu 70, nun habe er mehrfach nachts, wenn er zur Toilette musste, seinen Blutdruck gemessen, und da seien es 155 bis 180 gewesen. Deshalb habe er dann nachts blutdrucksenkende Mittel genommen.

"Das muss doch noch gar nichts heißen", beruhigt ihn Dr. Leußler. "Wenn Sie gerade aufgestanden und herumgelaufen sind, sind 155 oder 165 ganz normal. Sie müssten sich erst mal fünf Minuten still hinsetzen und dann messen." Er rät dem Anrufer, regelmäßig zu messen und die Werte aufzuschreiben. "Dann kann Ihr Arzt sehen, ob etwas getan werden muss."

Ein 74-Jähriger aus Dillenburg hat seit drei Jahren eine undichte Herzklappe. Sein Kardiologe habe ihm jetzt zu einer Operation geraten, aber der Anrufer hat Angst vor dem Eingriff.

"Das ist genau die Aufgabe des Kardiologen, zu beobachten und den richtigen Zeitpunkt für eine Operation zu bestimmen. Wenn beispielsweise die Luft knapp wird, oder bei bestimmten Werten, ist es dann so weit."

Der erfahrene Kardiologe rät dem Anrufer, auf seinen Arzt zu hören. "Es gibt Herzklappenfehler, die sehr schnell gefährlich werden können. Und die Operation ist heute nicht mehr so wild, dass man fürchten muss, das geht nicht gut."

Schwere Herzprobleme hat ein 79-jähriger Dautphetaler. Er hatte schon einen Herzschrittmacher und eine Herzklappe schloss nicht richtig, als er einen Herzinfarkt bekam. Da er aber auch eine Herzentzündung hatte, konnte er zunächst nicht operiert werden und schwebte in Lebensgefahr. Heute lebt er mit drei Bypässen und einer neuen Aortenklappe. Aber es geht ihm nicht gut und er denkt, sein Herzschrittmacher funktioniere nicht mehr richtig. Was soll er jetzt machen?

Herzklappenpatienten sollten ihren Arzt immer fragen, ob sie vorbeugend Antibiotika brauchen

"Wenn Sie sich unwohl fühlen, muss man auf jeden Fall den Herzschrittmacher kontrollieren und dann vielleicht neu programmieren oder reparieren", sagt Dr. Leußler. Und er weist auf die hohe Gefahr einer Herzentzündung bei beschädigten Herzklappen hin. "Patienten mit einer künstlichen Herzklappe oder schweren Herzklappenfehlern sollten ihren Arzt immer fragen, ob sie eine Antibiotikaprophylaxe benötigen. Denn eine Herzentzündung ist bei kaputten Klappen immer lebensgefährlich."

Eine 54-jährige Anruferin aus Breidenbach ist Anfang April an der Mitralklappe operiert worden. Seither sei ihr Ruhepuls erhöht und sie möchte wissen, wie lange sie warten muss, bis wieder alles normal ist. Sie möchte auch gerne mit Sport anfangen, fühlt sich aber noch nicht gut.

"Sie müssen Geduld haben", sagt der Kardiologe. "Sie werden wieder beschwerdefrei, aber das kann bis zu zwei Jahren dauern. Jetzt ist es auf jeden Fall noch zu früh. Allein bis das Brustbein wieder fest verwachsen ist, dauert es ja schon drei Monate." Auch beim Sport solle man sich anfangs keinen hohen Belastungen aussetzen. "Geduld kann man leider nicht verschreiben, aber die brauchen Sie jetzt."

Eine 92-Jährige aus Bad Endbach mit einem Herzschrittmacher klagt über tägliche Herzschmerzen. Sie hat bisher ein Beruhigungsmittel genommen, das es aber nicht mehr gibt. Was kann sie tun?

Dr. Leußler fragt, ob Nitrospray helfe. "Nein, überhaupt nicht", sagt die Anruferin. "Dann sind es nicht die Herzkranzgefäße. Wahrscheinlich ist es nur die Angst. Fragen Sie Ihren Arzt nach einem anderen Beruhigungsmittel, das genauso gut hilft wie das alte."


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