Ein Alpenveilchen als Dank

ASYL Fast alle Zelte in der hessischen Erstaufnahmeeinrichtung sind abgebaut

Umbau in der Erstaufnahmeeinrichtung: Nicht mehr benötigtes Material wurde am Samstag abtransportiert. (Fotos: Scholz)

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Gerade ist sie zusammen mit Christian Betz vom DRK-Kreisverband dabei, in einem der Zelte aufgestapelte Feldbetten zu inspizieren. Die meisten Betten sind bereits verpackt und transportfertig, doch etwa hundert nehmen die Dienststellenleiterin und der Rotkreuzvorstand in Augenschein, als ein junger Mann ins Zelt kommt und Betz ein Alpenveilchen im Topf übergibt. In seinem Land sei dies ein Ausdruck von Dankbarkeit, erklärt der Flüchtling, der sich für die Unterstützung durch die ehrenamtlichen Helfer bedankt und wieder seiner Wege zieht.

Sechs große Zelte bleiben stehen - als Notfallreserve für die Zeit rund um Weihnachten

Warum aber bleiben diese sechs Zeltunterkünfte mit einer Kapazität von insgesamt 360 Betten stehen? Sie dienen als Notfallreserve, falls beispielsweise während der Weihnachtsfeiertage, in denen keine Zuweisungen in Kommunen oder Landkreise vorgenommen werden, kurzfristig größerer Bedarf entsteht. Aber: "Die großen Zelte werden nur belegt, wenn es nicht anders geht", betont Weppler. Denn im Bedarfsfall würden zunächst etwa die Gemeinschaftsräume im Gebäude Nummer 140 mit Betten versehen. Aktuell bietet das frisch renovierte Gebäude eine Kapazität von 744 Betten, die mit Rücksicht auf Faktoren wie Religion normal nicht zu hundert Prozent belegt sind. Derzeit sind rund 650 Flüchtlinge in dem Haus untergebracht, dessen Renovierung wegen der hohen Schadstoffbelastung nach einem Brand einige Zeit in Anspruch genommen hatte. "Es war mehr notwendig, als nur die Wände zu streichen", erklärt die Dienststellenleiterin, die unter anderem auch auf eine neu installierte Brandmeldeanlage hinweist.

Die insgesamt 48 kleinen Zelte, die bislang im Innenhof der Außenstelle gestanden hatten, sind also überflüssig geworden und wurden abtransportiert. "Wir haben am Freitagabend bis 22.30 Uhr mit insgesamt 50 Leuten abgebaut und sind heute mit 70 Kräften im Einsatz", erzählt Betz. Drei Monate lang waren die Zelte, die durchschnittlich mit 15 bis 20 Bewohnern belegt waren und eine Gesamtkapazität von 875 Plätzen boten, für die Unterbringung nötig. "Mein Dank gilt dem DRK und seinen Ehrenamtlichen, ohne deren schnellen und hochprofessionellen Einsatz wir ohne Unterkünfte dagestanden hätten" unterstreicht Weppler, die auch dem Katastrophenschutz und einem beteiligten privaten Anbieter dankt und darauf hinweist, dass in der Einrichtung zur Zeit des Zeltaufbaus insgesamt rund 1000 Menschen weniger gelebt hätten. Übrigens: Beim Auf- und Abbau der Zelte hat das Rote Kreuz 350 ehrenamtliche Helfer eingesetzt.

Insgesamt rund 2900 Flüchtlinge waren am Freitag in der gesamten Einrichtung untergebracht, die nach den Worten ihrer Leiterin gerade wegen ihrer Sprachenvielfalt etwas Besonderes ist. "Der größte Anteil sind mit einem Drittel der Belegung nach wie vor Flüchtlinge aus Syrien. Menschen vom Balkan und aus Eritrea sind ebenfalls stark vertreten", erläutert Weppler die Zusammensetzung der Bewohnerschaft der HEAE, die inklusive Außenstellen jetzt 3300 Menschen unterbringen kann. Rund 1900 leben an der Rödgener Straße.


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