"Ein Hodentumor schmerzt nicht!"

DIREKTE DRAHT Dr. Heinz Kuhl wünscht sich mehr Vorsorgegespräche auch für Jungs

Es ist ein schwieriges Thema, dem sich der Gladenbacher Urologe Dr. Heinz Kuhl da in unserer Telefonaktion "Der direkte Draht" gewidmet hat: Das regelmäßige Abtasten des Hodens bei kleinen Jungen oder Pubertierenden, um frühzeitig Probleme zu erkennen, lässt die Leitungen nicht gerade heiß laufen.

Kuhl aber macht darauf aufmerksam, dass auch Eltern da ihrer Verantwortung gerecht werden sollen. Spätestens bis zum zweiten Lebensjahr solle der Hoden dort sein, wo er hingehört, nämlich in den Hodensack. "Das kann man ganz leicht ertasten", ermutigt der Mediziner, doch ruhig auch mal Hand anzulegen. "Da kann man in einem entspannten Moment einfach mal fühlen", rät er.

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Und wenn die Eltern da nichts finden oder der Kinderarzt bei der regelmäßigen Vorsorgeuntersuchung nicht fündig wird, dann solle man eben einen Facharzt aufsuchen, so der Rat des Gladenbachers.

Es gebe durchaus die Möglichkeit eines Pendelhodens, der nicht behandelt werden muss. Das aber festzustellen, sei Sache des Spezialisten.

Hochstehende Hoden können nicht nur zu einer Unfruchtbarkeit führen, auch die Anfälligkeit für Tumorerkrankungen steige auffällig an. Zu beheben ist das Problem nach Aussagen des Urologen durch einen operativen Eingriff, der ambulant erfolgt. "Da haben wir im Landkreis erfahrene Operateure", erklärte der Doktor.

Und Kuhl macht deutlich, dass die eigene Wahrnehmung durchaus erwünscht ist. "Der pubertierende und erwachsene Mann darf sich bewusst selber anfassen und fühlen, ob alles in Ordnung ist." Das solle man ruhig alle paar Wochen mal machen. Denn wenn es nicht an der richtigen Stelle ist, besteht Handlungsbedarf und "Hodentumor schmerzt nicht!" Ein weiteres Problem bei Jungen ist die Vorhautverengung. Wenn es medizinisch notwendig ist, dann rät er auch hier zu einem Eingriff. Er selber hält angesichts der gesellschaftlichen Diskussion von der rituellen Beschneidung von Jungen wenig und verweist darauf, dass sich die Männer später durchaus selber entscheiden können, ob sie das möchten. Kuhl wirbt auch dafür, dass sich junge Männer zeitig von einem Urologen oder einer Urologin untersuchen lassen. Während bei Mädchen der Besuch einer Frauenärztin oder einem Frauenarzt zum Erwachsenwerden dazugehört, ist der "Männerarzt" offenbar ein Tabu. Dabei sei gerade der richtige Umgang mit dem eigenen Körper und der Sexualität etwas, was auch Männer wissen sollen. Sein Versuch, an heimischen Schulen spezielle Infos zum Thema im Biologieunterricht anzubieten, wurden leider nicht angenommen. Dabei ist auch bei Jungen die Vorsorge angebracht. Das gilt laut Kuhl etwa bei Infektionskrankheiten: "Der Schutz für den Mann ist das Kondom". Und dessen Umgang dürfe durchaus vor dem ersten Gebrauch ausprobiert werden. Möchten die Eltern nicht helfen, kann auch da der Urologe Tipps geben. Eher amüsiert räumt er mit einer "Legende" aus dem Internet auf: Den Mann, der nacheinander mehrere Ejakulationen hat, kann es nicht geben. "Das macht die Natur nicht mit".

Häufiges Wasserlassen in der Nacht soll eingehend untersucht werden

Ein Anrufer aus dem Hinterland schilderte dann das Problem mit häufigem, nächtlichen Wasserlassen. Da riet der Urologe zu einer eingehenden Untersuchung. Bevor da eine Behandlung mit Medikamenten gestartet werde, müsse getestet werden, wie viel Wasser der Patient tatsächlich nachts abgibt. Das sei übrigens kein Problem des Alters, so der Arzt. Ursachen könnten Hormonprobleme, Diabeteserkrankungen, Herz- oder Prostataprobleme oder auch eine überaktive Blase sein. Das herauszufinden, sei Sache des Urologen.


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