Ein "Lädchen für alles" und für alle

VERSORGUNG In der Klinik am Ortenberg eröffnen Cafeteria und Stadtteilladen
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Gerade einmal 90 Quadratmeter Platz, aber sehr viel Raum für ein spannendes Konzept: eine Cafeteria und gleichzeitig ein "Mini-Tegut", eine Einkaufsmöglichkeit für viele Menschen am Ortenberg und die Chance auf einen Arbeitsplatz für Behinderte. Das ist das Ergebnis, das die Universitätsklinik gemeinsam mit dem Handelsunternehmen Tegut und der zur Lebenshilfe gehörenden Integrationsfirma Lebensmittelpunkt in der vergangenen Woche in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie vorstellte. Ausgangspunkt war die Initiative mehrerer Klinikmitarbeiter, nachdem die alte Cafeteria geschlossen hatte.

"Wir sind hier und ich denke, das ist gut so", sagt Roland Wagner von der Firma Lebensmittelpunkt, die für die Miete und Personalkosten des Lädchens aufkommt. Das Sortiment stammt von Tegut - und alles kostet genauso viel wie in allen anderen Märkten des Unternehmens auch. Wichtig ist den Beteiligten auch, die eventuell existenten Barrieren in den Köpfen der Menschen abzubauen: "Ich kaufe in der Psychiatrie ein", das soll die Klinik auch ein wenig entstigmatisieren, hoffen Klinikdirektor Professor Dr. Tilo Kircher und Knut John, bei Tegut zuständig für das "Tante Emma Ladenkonzept".

n Gemeinnütziger Laden ist einmalig im hessischen Einzelhandel

Unter dem Namen "Lädchen für alles" setzt Tegut dabei auf eine ortsnahe Versorgung in ländlichen Gebieten und Stadtteilen. Das Lädchen in der Klinik am Ortenberg ist allerdings eine Besonderheit - laut John einmalig in der hessischen Einzelhandelslandschaft, weil es gemeinnützig arbeitet. Auch Mitarbeiter aus den Werkstätten der Lebenshilfe sollen hier auf lange Sicht die Möglichkeit haben, Arbeit zu finden, so Roland Wagner. Dafür muss es nun aber erst einmal laufen.

"Ich finde das toll, ich kaufe hier gern noch etwas auf dem Nachhauseweg ein und muss nicht mehr extra in einen Supermarkt fahren", sagte eine Mitarbeiterin der Klinik im Gespräch mit dieser Zeitung. Und auch die Patienten und Besucher freuen sich, dass sie nun sowohl eine Cafeteria wie auch einen kleinen Supermarkt im Haus haben. Egal ob Zahnpasta, Buttermilch, Leberwurst, Kaffee, Kekse oder Spaghetti - für den kleinen Einkauf findet man so gut wie alles in den Regalen. Und alle Kunden dürfen Wünsche äußern, wenn sie etwas vermissen: Etwa 200 Artikel mehr bekäme man gegebenenfalls noch unter, erläutert Knut John.

"Heute würde Elisabeth sich wahnsinnig freuen", erklärte Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel am Tag der Eröffnung und erinnerte an die Heilige Elisabeth, die den Klinikstandort gegründet hatte. "Egal, von welcher Seite aus man das Projekt betrachtet, man findet immer nur die richtige Richtung, die damit gegangen wird", so Vaupel. Wer von außerhalb der Klinik zum Einkaufen kommt, kann übrigens die Parkplätze auf dem Gelände kostenlos nutzen.

n Geöffnet ist das "Lädchen für alles" täglich von 8:30 Uhr bis 17 Uhr.


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