Ein Lieblingswort aus jedem Ort

MUNDART Verein "Dialekt im Hinterland" sammelt Ausdrücke für Kunstplakat

Die ersten Beispiele stehen auf dem Postkartenentwurf, mit dem der Verein bis Ende Februar die schönsten Mundart-Worte sammelt.

Startschuss für die Mundart-Plakat-Aktion gaben (v. li.): Wolfgang Brühl, Gerhard Schmidt, Reiner Wagner, Doris Gillmann und Klaus Königs.

"Platt" begegnet einem im Hinterland immer wieder. Hier zum Beispiel als kleines Transparent zur Aufmunterung der Biedenkopfer Grenzgänger beim Traditions-Marsch 2012.

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"Ein Dialekt-Verein muss seine Aufgaben ja selbst erfinden. Das ist nicht wie bei der Feuerwehr oder einem Fußballverein, wo jeder weiß, was zu tun ist", sagt der Vorsitzende des Vereins "Dialekt im Hinterland", Reiner Wagner. Die neueste Idee der Aktiven, die unter anderem seit Jahren an wissenschaftlichen Dokumentationen der heimischen Mundart mitarbeiten oder Kulturveranstaltungen auf Platt anbieten, ist ein Mundart-Plakat. Das Projekt wurde jetzt in der VR-Bank in Biedenkopf vorgestellt.

"Diesmal haben wir die Idee von anderen Dialekt-Gruppen übernommen, so wie diese auch unsere Ideen aufgreifen. Durch Reisen und Kontakte sind die Dialektvereine in Hessen und darüber hinaus im ständigen Austausch", erklärt Wagner.

Sprachgrenze und Schreibweise: Je weiter südlich, desto mehr Vokale

Die Wittgensteiner haben es vorgemacht, und die Idee gefiel dem Vorstand von "Dialekt im Hinterland" sofort: Ein künstlerisch gestaltetes Plakat, das die Vielfalt der regionalen Sprache im Hinterland zeigt. Zu diesem Zweck sind nun alle Hinterländer aufgefordert, bis Ende Februar ihre Lieblingsworte auf Platt samt deutscher Übersetzung an den Verein oder die VR-Bank zu schicken.

"Wir werden darauf achten, dass aus jedem der 67 Orte im Hinterland (wenn man Ludwigshütte als eigenen Ort rechnet) ein Wort vertreten sein wird", verspricht Wagner. Damit könne auch die Schreibweise von dem abweichen, was in einem anderen Ort üblich ist, erklärt er.

Denn es sprechen nicht nur die meisten Orte leicht unterschiedliche Dialekte, es verläuft auch eine Sprachgrenze mitten durchs Hinterland: Im nördlichen Teil wird meist ein Vokal für einen Laut verwendet, der im südlichen Teil mit zwei Vokalen, beispielsweise "a" und im Süden "ao", ausgedrückt wird - "oder sogar mit drei Vokalen, wenn man nach Lixfeld kommt", so Wagner.

"Das ist ein anregendes Thema. Als der Postkartenentwurf bei uns ankam, haben wir als erstes die abgedruckten Worte untersucht, überlegt, was es bedeutet und aus welchem Ort es kommt", berichtet Klaus Königs vom Vorstand der VR-Bank Biedenkopf-Gladenbach. Er und sein Vorstandskollege Wolfgang Brühl sprechen selbstverständlich Platt und rutschen auch beim Vorstellungstermin immer wieder in die vertraute Sprache. "Auch jeder Geschäftstermin entspannt sich sofort, wenn man anfängt, Platt zu sprechen", meint Brühl.

Der Verein hat die VR-Bank auf die Unterstützung der Aktion angesprochen, und "wir waren sofort begeistert", so Königs.

Postkarten in allen Filialen, die bis Ende Februar wieder abgegeben werden können

In jeder Filiale gibt es ab sofort die Postkarten der Dialekt-Aktion, die bis Ende Februar wieder abgegeben werden sollen. Dabei kann jeder so viele Karten ausfüllen, wie er möchte.

"Aber die Übersetzung ins Hochdeutsche bitte nicht vergessen, denn es gibt so viele auf wenige Orte begrenzte Ausdrücke, dass wir nicht immer alles kennen", betont Wagner.

Wie anregend die Idee ist, wird sofort deutlich: Alle Anwesenden tauschen Dialekt-Worte aus - und es sind immer wieder welche dabei, die die anderen nicht kennen. So wissen zwar alle, dass "Magolwes" der Eichelhäher ist und "geierlongs" sein bedeutet, einen großen Appetit auf etwas zu haben. aber dass der "Wisseschnarcher" der Wachtelkönig ist, wusste beispielsweise keiner, der nicht aus der Gegend um Lohra kommt.

Allgemein ist dagegen wieder die "Läwe", der Dachboden, auf dem man alles mögliche verstaut.

Für die Gestaltung des Plakates hat der Dialekt-Verein die Künstlerin Anne Althaus-Aderholt aus Bad Berleburg gewonnen, die selbst dem Dialekt sehr verbunden ist, so Wagner weiter. Die Künstlerin habe nicht nur das Dialekt-Plakat der Wittgensteiner entworfen, sie engagiere sich beispielsweise auch für Theateraufführungen in heimischer Mundart.

Wer bis Ende Februar nicht in einer VR-Bank-Filialen im Hinterland vorbeikommt, kann auch im Internet seine Wortvorschläge per E-Mail bei der Bank oder direkt beim Dialektverein abgeben.

Die Mail-Adressen finden sich auf den Webseiten unter www.dialektverein.de oder www.vrbank-biedgla.de. Das Plakat wird es immer Sommer für einen kleinen Obolus zu kaufen geben. "Es wird nicht viel sein, aber wir wollen deutlich machen, dass unser Dialekt etwas wert ist", sagt Wagner.


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