Eine Operation hilft nicht immer

TELEFONAKTION Dr. Peter Weib gibt Ratschläge zum Thema Prostata und PSA-Werte

Ein 80 Jahre alter Mann aus dem Dietzhölztal leidet an Prostatakrebs, der aber nicht operiert wurde. Er nimmt Tabletten, die die Drüse verkleinern sollen, und solche, die den PSA-Wert senken. Ob er sich operieren lassen soll, wenn der PSA-Wert auf Null gesunken sei, wollte er wissen. "Das hängt immer davon ab, wie groß eine Prostata ist. Es gibt Gründe, die für eine Operation sprechen, beispielsweise wenn jemand schlecht Wasser lassen kann. Es gibt verschiedene Methoden zu operieren, beispielsweise mit Laser. Dass ist vorteilhaft, wenn ein Patient Blutverdünner einnimmt. Es kann aber auch mit einer Schlinge durch die Harnröhre operiert werden", erklärte der Mediziner.

Ein 89-Jähriger aus Haiger leidet seit Jahren unter einer gutartigen Vergrößerung, die medikamentös behandelt wird. Nachdem sein PSA-Wert gesunken war, steigt er seit einiger Zeit wieder, liegt derzeit bei 18. Sein Arzt empfahl ihm ein Medikamenten, dass eigentlich für die Krebstherapie gedacht ist. "Wenn ein Mensch über 90 Jahre alt wird, dann ist es sehr unwahrscheinlich, dass er an Prostatakrebs stirbt", sagte Weib. Die Frage sei daher eher, ob der Haigerer die Medikamente vertrage. Sofern es eine gutartige Vergrößerung sei, würde der Haigerer zumindest mit dem angesprochenen Medikament keine Verbesserung erreichen. Hingegen könne es Nebenwirkungen im Bereich der Knochen oder des Herzens geben.

Ein 77-jähriger Weilburger wurde vor zehn Jahren an der Prostata operiert und leidet seitdem unter Inkontinenz. Da er Probleme mit der Wirbelsäule hat, kann er keine Gymnastik machen. Der Weilburger ist zudem Diabetiker. Er fragte: "Gibt es Alternativen zur Behandlung der Inkontinenz?" Es gebe Medikamente, die beispielsweise den Schließmuskel stärken könnten. "Wenn Sie aber sagen, dass Sie an Diabetes leiden, dann kann es gut sein, dass die Ursachen vielfältig sind. Auch die Rückenschmerzen könnten Auswirkungen auf die Kontinenz haben", erklärte Weib. Er sagte, dass es zudem noch Therapiemöglichkeiten im Bereich der Elektrostimulation gebe, beispielsweise die Neuromodulation. In seltenen Fällen entstünde bei einer Operation eine Narbe. Auch diese könne sich auf die Kontinenz auswirken. Ein Besuch beim Urologen wäre daher ratsam.

Von seinem großen Leidensdruck berichtete ein Mann (76) aus Bad Endbach. "Seit 20 Jahre bin ich prostatakrank. Meine Prostata ist gutartig vergrößert, aber im Endstadium. Wenn ich aufs Klo gehe, kann ich nicht, es kommen nur ein paar Tröpfchen. Wenn Sie mir das wegmachen würden, würde ich ihnen ein Denkmal bauen." Weib sagte: "Da muss man nochmal genau gucken, woran es liegt. Es hört sich für mich an wie eine klassische Blasenentleerungsstörung." Da der Mann auch Herzprobleme hat, sei eine schonende OP sinnvoll. Eine Faustregel besage, bis 60 Gramm könne durch die Harnröhre operiert werden, oder auch mit Laser. Bei 100 Gramm komme man an eine Grenze, denn dann reiche die Größe der Instrumente nicht mehr. Denkbar sei aber auch die Einnahme von zwei Medikamenten, von denen eines die Prostata weicher mache und das andere sie verkleinere. Langfristig ließe sich nur durch eine Operation etwas erreichen. Im schlimmsten Fall müsse der Mann einen Bauchkatheder in Betracht ziehen.

Die Prostata zu entfernen, mache bei mehr als drei Metastasen jedoch keinen Sinn

Ein 74-Jährige aus Dillenburg hat ein Karzinom in der Prostata, dass als sehr aggressiv eingestuft wurde. Es haben sich bereits Metastasen in den Knochen gebildet. Der Mann erhält eine Hormontherapie, dennoch steige der PSA-Wert. "Bei einem aggressiven Karzinom ist es denkbar, dass die Zellen ganz am Anfang die Fähigkeit verloren haben, auf den Hormonentzug zu reagieren. Und da muss man schauen, wie man weiter vorgeht", erklärte Weib dem Anrufer.

Wahrscheinlich müsse der Patient ein weiteres Medikament einnehmen und eventuell sogar eine Chemotherapie machen. "Von der Überlebenszeit scheint mir die Chemotherapie fast am besten, aber das müssen sie mit ihrem Urologen absprechen." Die Prostata zu entfernen, mache bei mehr als drei Metastasen jedoch keinen Sinn. "Davon profitieren Sie nicht. Vermutlichwerden nur die Nebenwirkungen erhöht."


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