Emotionen werden fassbar

KONZERT 50 Zuhörer lauschen

Vertieft in sein Spiel: der Meisterpianist Menachem Har-Zahev. (Foto: Hess)

Anhang : red.web_e6ca2ee49cca4daa33356310acb096a4
Bild 1 von 2

Am vergangenen Samstag präsentierte der Meisterpianist seine "Perlen der Klavierliteratur" im kleinen Saal des Haus des Gastes. Als Menachem Har-Zahav spielte, war er ganz vertieft in seine Musik - ebenso wie seine knapp 50 Zuhörer, denn was sie zu hören bekamen, war nicht nur technisch perfekt, sondern hatte Seele. Emotionen wurden bei seinem Spiel fassbar. Zum Auftakt spannte er den Bogen von tiefer Schwermütigkeit bis hin zu fröhlicher Lebendigkeit - bei der Ballade in g-moll, Opus 23 von Frédéric Chopin. Düster, theatralisch, gewaltig, dann wieder ganz leichtfüßig, mal laut, mal leise kam Rachmaninoff daher. Der ein oder andere Besucher fühlte sich beim Spiel von Har-Zahev in einen Film versetzt. Kein Wunder, ziert Rachmaninoff doch die Musik zahlreicher Filme. Brahms' Klavierstücke aus dem Opus 119 wirkten dagegen eher verspielt - ganz anders als von diesem Komponisten gewohnt.

Tänzerisch mit leichten Blues- und Jazzelementen wurde es nach der Pause mit "Three Preludes" von George Gershwin. Die Rückungen in der Akkordik, die an "Summertime" erinnerten, wurden hier überraschend ergänzt durch traditionelle Harmonien aus der Romantik.

Auch Claude Debussys Melodien, durchsetzt mit wellenhaften Figuren, die sich wie ein Klangteppich darüberlegten, wurden von Menachem Har-Zahev meisterhaft interpretiert. Das letzte Stück, "Étude d'éxécution transcendente Nr. 10" in f-moll von Franz Liszt, verlangte Fingerakrobatik am ganzen Klavier.

n Pianist tritt im November im Rathaus Biedenkopf auf

Die kontrapunktierenden Melodien, die Tempowechsel, gekoppelt mit Pausen, wirkten dynamisch und wuchtig.

Wie meisterhaft Menachem Har-Zahav dies interpretierte, wurde von dem Publikum mit Standing Ovations quittiert, sodass er um eine Zugabe nicht herumkam: "La Campanella" von Liszt war hier seine Wahl. Har-Zahavs rechte Hand erinnerten dabei an die Schläge eine Schmetterlingsflügels, die er ganz leicht und brillant auf die Melodien setzte.

Das nächste Mal in dieser Region spielt Menachem Har-Zahav am 8. November im Rathaus Biedenkopf. Übrigens: Kinder und Jugendliche haben bei seinen Konzerten freien Eintritt, da er ihnen die Gelegenheit geben möchte, Klassik nicht als langweilig und altmodisch, sondern als spannende Musik wahrzunehmen.


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2013
Kommentare (0)
Mehr aus red.web unzugeordnet