"En werklich schiene Owend"

EMPFANG Kulturkreis läutet 2016 in Mundart ein

Mit Gedichten und Mundart-Liedern ernteten Edwin Panz (links) und Thomas Jopp in der Johanneskapelle viel Beifall. (Foto: Rademacher)

Reiner Wagner (links) berichtete im Interview mit Götz Konrad über ein Projekt, das den Dialekt aller 66 Dörfer des Hinterlandes für die Zukunft dokumentieren soll. (Foto: Rademacher)

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Der Kulturkreis Eschenburg-Dietzhölztal durfte sich am Freitagabend bei der vierten Auflage über eine volle Johanneskapelle in Ewersbach freuen - und die Besucher am vertrauten Zungenschlag, den sie zu hören bekamen.

Das bekannte Mundart-Duo zelebrierte einen Mix aus Gedichten aus der Feder von Rudolf Dietz und Liedern, die sich mit den Höhen und Tiefen des Alltags auseinandersetzten und ein wenig auch die gute alte Zeit besangen.

Als die brautschauenden Männer noch "danzen" mussten, es aber manchmal auch reichte, wenn die Äcker richtig lagen. In "Baby, Dau host krumme Baa" erfuhren die Zuhörer allerdings auch, dass es so etwas wie Stalking schon früher gegeben haben muss, sich das Problem aber auch mit einem Tritt in den Allerwertesten lösen ließ.

Ganz in die Gegenwart führten der Kulturkreisvorsitzende Götz Konrad und der Chef des Dillenburger Finanzamtes, Reiner Wagner, dann die Besucher.

Der war freilich in seiner Funktion als Sprecher des Vereins "Dialekt im Hinterland" nach Ewersbach gekommen, wo er über ein Projekt mit der Philipps-Universität Marburg berichtete. "Geschwasde On Geschrewene Sproche", kurz GOGS, nennt sich das Unterfangen, mit dem der Dialekt aller 66 Dörfer im früheren Kreis Biedenkopf dokumentiert und zugleich erfahrbar gemacht werden soll.

Die Marburger Sprachwissenschaftler haben dazu einen Text mit rund 1500 Wörtern zusammengestellt, der nun in der Mundart jedes Dorfes aufgezeichnet wird.

Eine App hilft allen, die nicht Platt schwätzen

Und über eine App können dann auch Nicht-Plattschwätzer erfahren, was sich beispielsweise hinter "monse onnern" verbirgt.

Gleichfalls ganz in die Gegenwart hielt der Poetry-Slamer Sascha Kirchhoff die Besucher, allerdings nicht mit der modernen Gedichtform, sondern seinem neuen "Stimmgeber"-Projekt. Das soll psychisch kranken Kindern und Flüchtlingen ein Sprachrohr sein und ließ am Freitagabend so indirekt einen jungen syrischen Arzt zu Wort kommen, der von seiner Heimat, der Flucht und seinem Leben in Deutschland berichtet. Kein Mensch wolle Flüchtling sein und es sei der falsche Weg, dem Hass mit neuem Hass zu begegnen - die Botschaft kam in der Johanneskapelle klar an.

Edwin Panz und Thomas Jopp, die zuvor schon mit der früheren Mundart-Gruppe "Fäägmeel" "En Samsdoog eam Bett" verbracht hatten, bereiteten dann auch musikalisch den Übergang zum inoffiziellen Teil des Empfangs mit einem kalten Büfett und besangen die "Schnitzel un Rippchen".


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