Erde in Augenschein nehmen

Natur  Führung über den Bodenerlebnispfad mit Agrarwissenschaftler Thilo Klein

Agrarwissenschaftler Thilo Klein erklärt die Wasserspeicherkapazität des Bodens. (Foto: Petri)

An dessen Stationen können Bodenprofile und Bodeneigenschaften in Augenschein genommen werden. Bei einer Führung vom Natur- und Umweltamt der Stadt Wetzlar durch Agrarwissenschaftler Thilo Klein konnten die Teilnehmer die Konsistenz von drei verschiedenen Bodenproben Ton, Schluff und Sand testen. „Das sind die mineralischen Bestandteile eines Lehmbodens“ , erklärte Klein. Hinzu kämen mit Luft gefüllte Poren – in einem guten Boden immerhin rund die Hälfte des Gesamtvolumens – sowie Humusanteile, Klein- und Kleinstlebewesen. Um die Wasserspeicherkapazität des Bodens zu illustrieren, ließ der Agrarwissenschaftler einen mit Wasser getränkten Schwamm auslaufen. Die Botschaft dazu: Während das in größeren Poren gebundene Bodenwasser vom Wurzelwerk der Pflanzen erreicht wird, ist ein Rest für die Vegetation unerreichbar. In der Landwirtschaft seien „Minutenböden“ besonders unbeliebt. Sie seien sehr feinkörnig und entweder triefend nass oder „knalltrocken“. An einem mannshohen Lehmboden-Profil wurde dessen Wasserspeicherkapazität erläutert. „Von den jährlich rund 60 Litern Niederschlag pro Quadratmeter wird rund die Hälfte im Boden gebunden. In flachgründigen Böden ist das deutlich weniger. Das Regenwasser läuft hier überwiegend oberflächlich ab oder geht ins Grundwasser über.“, sagte Thilo Klein. Den Laubbäumen entlang der Wegstrecke war anzusehen, dass sie auch nach vielen Wochen Trockenheit von den tiefgründigen Lehmböden profitieren.

Mit Hilfe einer Salzsäure-Probe wird das Vorhandensein von Kalziumkarbonat aufgezeigt

Die für Lehmböden typischen langgezogenen schwarz-grauen Verfärbungen deutete der Bodenexperte als Auswaschungen von Eisen- und Manganoxyden. Mit Hilfe einer Salzsäure-Probe wurde das Vorhandensein von Kalziumkarbonat aufgezeigt. Kalk im Boden vermag die Auswirkungen des sauren Regens abzumildern und beugt damit der Aufnahme von toxischen Aluminium-Ionen durch die Pflanzen vor. Thilo Klein bezeichnete unsere Böden als „Archiv der Natur- und Zivilisationsgeschichte“.


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