Falsche Schwüre unter der Meineidsbuche

Ortsgeschichte Baumriese im Forst bei Hasselborn ist vor mehr als 100 Jahren gefällt worden

Die Brandoberndorfer Jagdgesellschaft "Die Alten" blickt im Jahre 1903 stolz auf die von ihr erlegten Hirsche. Die stattlichen Tiere waren oft Zankapfel unter Jägern. (Repro: Serowy)

So heißt es, dass sich früher zwei Grafen das Jagdrecht in dem weitläufigen Waldgebiet von Gänsrod und Sankhardt teilten. Eines Tages schoss einer der beiden einen kapitalen Hirsch. Sein Jagdglück war allerdings getrübt. Der Nachbar beschuldigte ihn der Wilderei. Er behauptete, das Wild sei in seinem Revier erlegt worden.

Energisch widersprach der Schütze. Schließlich schwor er unter der knorrigen Buche neben der Wellerstraße - einem alten Handelsweg über die Höhenrücken von Westerwald und Taunus - bei Gott, dass er den Hirsch in seinem eigenen Jagdrevier erlegt habe. Dennoch blieben die Zweifel an seiner Schilderung bestehen.

Einige Tage später fand man den unglücklichen Schützen bei der Buche, unter der er seinen Schwur ablegte. An einem ihrer Äste hatte er sich erhängt. Offensichtlich trieb ihn ein Meineid zum Selbstmord.

Dieses Ereignis prägte sich den Zeitzeugen so sehr ein, dass sie die alte Buche künftig als "Meineidsbuche" bezeichneten.

Auf ein Jagdvergehen im Bereich der "Meineidsbuche" weist auch eine weitere Geschichte hin:

Im Jahre 1884 hatten zwei Grävenwiesbacher Bauernjäger im Gemeindewald im Bereich der Buche einen kräftigen Kronenhirsch angeschossen. Er flüchtete und verendete im angrenzenden Staatswald. Um ihre Beute zu behalten, schleiften sie den Hirsch in den Gemeindewald zurück. Das Wildbret holte heimlich in der Nacht ein Händler. Um das Geweih losten die beiden Schützen.

Von Jagdfrevel und Selbstmord

Bei ihrem Treiben waren die Jäger aber beobachtet worden. Es folgten eine Anzeige und eine Gerichtsverhandlung. Durch Meineide schworen sich die Beteiligten frei. Die Zeit lief weiter, die Buche aber erinnert mit ihrem Namen bis heute an die falschen Eide.

Vor über 100 Jahren - im Dezember 1910 - wurde der Baumriese "Meineidsbuche" gefällt. Er erbrachte eine Holznutzung von 20 Raummetern Scheitholz, vier Raummetern Knüppelholz und 200 Backwellen. (se)


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