Flexibel sein ist das A und O

SCHLECKER-PLEITE Ramona Funk gilt als Beispiel erfolgreicher Arbeitsvermittlung

Ramona Funk freut sich, mit Hilfe von Arbeitsvermittler Guido Müller wieder eine Arbeit gefunden zu haben. (Foto: H. Krause)

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Er freue sich, dass sich Ramona Funk bereit erklärt habe, über ihre vorübergehende Arbeitslosigkeit und die Jobsuche zu sprechen, hob Gerhard Wenz, Fachbereichsleiter bei der Marburger Agentur für Arbeit, bei einem Pressetermin hervor. So könne eine gute Nachricht mit einem Gesicht und nicht nur mit Zahlen belegt werden.

n Funk nimmt weiteren Anfahrtsweg zur Arbeitsstelle auf sich

Seit 1990 habe sie mit kurzer Unterbrechung bei Schlecker gearbeitet, berichtete die 46-Jährige. Davon die meiste Zeit als Filialleiterin in der Wettergasse in der Marburger Oberstadt. Seit 1. April war sie arbeitslos gemeldet, freigestellt noch bis zum 30. Juni, dem Tag des endgültigen Schlecker-Aus´. Die im Gespräch gewesene Auffanggesellschaft sei für sie keine Option gewesen, "das war mir etwas suspekt", zu viele Rechte hätte sie abgeben müssen, so ihre Befürchtung. Mit der Arbeitssuche habe sie bereits vor der Kündigung angefangen, "das Ende war ja absehbar". Sie habe unbedingt weiterarbeiten wollen, hob Funk hervor. Dabei sei es ihr zunächst egal gewesen, in welchem Bereich: "Erstmal eine Arbeit, das war mir ganz wichtig".

Mit Hilfe von Arbeitsvermittler Guido Müller war bald eine neue Stelle gefunden. Seit dem 15. August arbeitet Ramona Funk bei einem Möbelhaus in Gießen als Verkäuferin in der Zubehörabteilung. Im August vermeldete die Bundesagentur für Arbeit, dass bereits jede fünfte Schleckermitarbeiterin wieder einen Arbeitsplatz gefunden habe und eine davon ist eben Ramona Funk.

Den weiteren Fahrtweg nimmt Funk gelassen. "Nach Marburg musste ich sowieso und von da sind es ja nur noch 30 Kilometer". Diese Flexibilität, so Wenz, sowie dass sie Vollzeit arbeiten wollte, hätten sicher bei der schnellen Vermittlung geholfen. Zuvor habe sie ein Bewerbungstraining absolviert, denn wer 20 Jahre eine Stelle habe, beschäftige sich natürlich nicht mit Bewerbungsschreiben.

Zehn Vermittlungsvorschläge hätten ausgereicht, unter anderem waren auch ein Baumarkt und eine Drogeriekette im Gespräch, sagte Wenz. Zwei Drittel der Frauen seien fünfzig Jahre und älter, aber das sei inzwischen aufgrund der guten Arbeitsmarktlage und der Einsicht der Arbeitgeber, dass Erfahrung etwas wert sei, kein Hindernis mehr. Von den insgesamt 65 Frauen, die nach der Insolvenz von Schlecker gemeldet seien, hätten bereits 15 eine sozialversicherungspflichtige Arbeit, neun hätten sich aus unterschiedlichen Gründen abgemeldet und für 41 würden noch Stellen gesucht.

Wie Wenz weiter ausführte, sei es von großem Vorteil, wenn sich die arbeitslosen Frauen auch flexibel zeigten, wenn es um das Berufsfeld gehe. Alter sei in vielen Bereichen überhaupt kein Hindernis. Beispielsweise in der Kinderbetreuung oder der Altenpflege lohne sich eine Ausbildung auch mit über 50 noch. Aktuell absolvierten neun Teilnehmerinnen eine Weiterbildung im Dienstleistungsbereich. Dort gebe es über vier Monate Informationen zu unterschiedlichen Berufsfeldern und das Ganze werde durch Betriebspraktika begleitet mit dem Ziel, einen Arbeitsplatz zu finden. Müller ergänzte, dass die Frauen auch alle Richtungen des Einzelhandels ausprobieren sollten. In jedem Fall werde in immer wiederkehrenden Gesprächen auf die individuellen Bedürfnisse eingegangen.

Im Gegensatz zu anders lautenden Gerüchten seien die Mitarbeiterinnen von Schlecker alle ausgebildete Fachkräfte mit hoher Qualifikation. Allerdings, so räumte er ein, sei es praktisch unmöglich, Stellen mit so guter Bezahlung wie beim insolventen Altarbeitgeber zu finden. Funk hat sich damit arrangiert, viele ehemalige Kolleginnen ihrer Ansicht nach nicht, das sei sicher ein Vermittlungshemmnis.

Die Marburger Arbeitsagentur und insbesondere Müller lobte Ramona Funk für ihre gute Arbeit: "Ich kannte das Arbeitsamt bisher nur aus dem Fernsehen mit langen Schlangen wartender Menschen", aber sie habe sich gut aufgehoben und beraten gefühlt.


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