Für Zeitstrafen offen

FUSSBALL Lockere Plauderei mit Bundestrainer Jogi Löw

Fußball-Bundestrainer Joachim Löw sprach in Barsinghausen über seine Spielidee, den Gigantismus im Fußball und seinen Wohnort Freiburg. (Foto: dpa)

Joachim Löw sprach in Barsinghausen über seine Spielidee, den Gigantismus im Fußball und seinen Wohnort Freiburg. Das lässige Outfit passte zur lockeren Plauderei, die Joachim Löw mit Gerhard Delling beim Neujahrsempfang des Niedersächsischen Fußball-Verbandes in Barsinghausen führte. Löw sprach über…

…seine Zeit als Spieler: "In der 2. Liga wurde damals ganz schön hingelangt. Das war nicht so meins. Ich wollte schon als Spieler immer den Ball haben. Ich habe mich wahnsinnig über die Abwehrspieler aufgeregt, die lange hohe Bälle über mich im Mittelfeld nach vorne gespielt haben."

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…über seine Anfänge als Trainer: "Ich bin damals in die Schweiz gegangen und habe dort eine ganz andere Trainingsmethodik und Taktik kennengelernt. Als junger Trainer war ich mir schon sehr bewusst über die Idee vom Fußball, die ich verfolgen wollte. Nur über den Weg war ich mir nicht immer so klar."

…über den WM-Triumph 2014: "Wir hatten in den Jahren einige Enttäuschungen zu verkraften wie etwa die Niederlage gegen Spanien 2010. Gerade für die Spieler, die lange dabei waren, war der Erfolg wichtig. Er hat viel Selbstvertrauen gegeben und der Jugend, die Fußball spielt, viele Impulse. Mir hat er neue Motivation gebracht. Das Gefühl, das ich damals erlebt habe bei diesem Turnier, das möchte ich gerne noch einmal erleben."

… seine aktuelle Spielidee für die Nationalmannschaft: "Wir haben in den letzten Jahren viele verschiedene Systeme eingeübt. Wir können jetzt etwa mit Dreierkette spielen. Wir sind sehr flexibel. Wir spielen maximal offensiv, so gut es geht, und versuchen trotzdem die Kontrolle zu behalten. "

…die EM in Frankreich: "Wir haben uns viel mehr Chancen erspielt als in den Turnieren zuvor, aber wir haben weniger Tore gemacht. Das war das große Manko."

…den Gigantismus im Fußball: "Ich sehe da eine Grenze erreicht. Die Belastung ist schon sehr hoch. Wenn man die Turniere weiter vergrößert, leidet die Qualität. Auch weil die Mannschaften, wenn sie wie Portugal mit drei Unentschieden weiterkommen können, defensiver spielen und dann mehr das Spiel des Gegners zerstören. Auch die hohen Ablösesummen sehe ich mit Bedenken. Ein Messi mag 200 Millionen Euro wert sein, viele andere sind es nicht."

…Veränderungen im Fußball: "Zeitstrafen sind eine Möglichkeit oder eine vierte Auswechslung in der Verlängerung. Aber Abseits abschaffen? Dann würde der Fußball nicht mehr das sein, was er ist, ein super Spiel."

…die Randale von Dortmund: "Da hätte man im Vorfeld bei ein paar Äußerungen mit mehr Bedacht und vorsichtiger umgehen müssen. Sprüche wie der vom ,Dosenclub‘ haben das angeheizt. Außerdem gibt es offenbar einige hasserfüllte Leute, die man mit Vernunft nicht erreicht. Die muss man rigoros bestrafen und sie aus den Stadien fernhalten."

…seinen Wohnort Freiburg: "Ich habe dort Leute, die mich schon lange kennen - nicht als Bundestrainer, sondern als Freund, als Kumpel. Da fühle ich mich geborgen, kann so sein, wie ich bin. So eine Basis ist wichtig, weil Freunde dir auch mal den Spiegel vorhalten."

…seine Vorliebe, schnell Auto zu fahren: "Da bin ich ein bisschen geläutert, seitdem ich den Führerschein abgeben musste. Ich war damals auch ein paar Stunden bei einem Verkehrspsychologen. Jetzt weiß ich, wenn ich mal auf dem Rückweg bin und mich noch über etwas ärgere, dass ich vorher erst mal durchatme, statt einfach loszufahren."


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