Grüne nominieren Flohrschütz

BUNDESTAGSWAHL Marburger geht als Direktkandidat in Marburg-Biedenkopf ins Rennen

Rainer Flohrschütz war per Internet zur Mitgliederversammlung der Grünen in Marburg zugeschaltet. Die Partei nominierte ihn als Direktkandidat für die Bundestagswahl 2017. (Foto: Krause)

Auf ihrer Mitgliederversammlung haben die Grünen den 57-jährigen Diplom-Politologen zum zweiten Mal nach 2002 für den Wahlkreis 171 als Direktkandidat nominiert. Flohrschütz erhielt dabei 17 von 25 Stimmen. Er selbst befand sich im Urlaub, konnte deshalb nicht direkt an der Versammlung teilnehmen, war aber per Internet live aus Madrid zugeschaltet. Auf diesem Weg stellte sich Flohrschütz während der Versammlung vor und beantwortete auch Fragen.

"Der Wahlkampf geht jetzt los", sagte der Grünen-Kandidat direkt nach seiner Nominierung. "Wir dürfen das Feld nicht den rechten Sprücheklopfern überlassen. Die Grünen müssen eine klare Alternative sein", betonte der Marburger, der seit eineinhalb Jahren beim Landkreis Marburg-Biedenkopf im Büro für Integration arbeitet.

Die Zuwanderungspolitik der Bundesregierung habe immer Abschottung bedeutet und trotz der zwischenzeitlichen Öffnung der Grenzen für Flüchtlinge sei kein wirkliches Konzept erkennbar, kritisierte Flohrschütz. "Fortschrittliche Politik sieht anders aus, wenn die Welt friedlich miteinander zusammenleben soll, braucht es hier auch vernünftige Arbeitsmarktintegration." Strukturentwicklung in den Herkunftsländern müsse verstärkt werden, genauso wie die Anerkennung ausländischer Abschlüsse in Deutschland.

Eine "Steuerpolitik für Reiche" lehnte Flohrschütz ab. Vielmehr müsse mehr Geld in Investitionen gesteckt werden, in die Infrastruktur und für die Kommunen. Energie und Umwelt seien immer noch zentrale Themen der Grünen.

Für Koalition kein Traumpartner in Sicht

So müsse in Deutschland die Autoindustrie zu nachhaltiger Entwicklung gezwungen werden. Die Energiewende müsse dezentral ausfallen, nicht zugunsten großer Konzerne. Bildung bedeute Chancengleichheit, nicht Auslese, erklärte der Grünen-Politiker.

Mit Blick auf mögliche Koalitionen in Berlin sagte Flohrschütz: "Wir sind weit davon entfernt, einen Traumpartner zu haben." Er forderte: "Wir müssen mit unseren Positionen selbst stark sein." Schwarz-Grün sei für ihn nur schwer vorstellbar, vor allem wegen der Positionen der CSU. Rot-Rot-Grün bezeichnete er als "geringeres Übel" und verwies darauf, dass aus der SPD, aber auch durch Sarah Wagenknecht auch aus den Reihen der Linken von einer Zuwanderungsbegrenzung gesprochen werde.

Bevor die Grünen Rainer Flohrschütz zum Direktkandidaten wählten, hatte Barbara Amend während der Sitzung noch den Antrag gestellt, die Wahl zu verschieben. Sie beantragte, einen Arbeitskreis mit dem Ziel, eine Frau als Direktkandidatin zu finden, einzurichten. Die Versammlung lehnte das mit großer Mehrheit ab und verwies darauf, dass die Möglichkeit, sich um die Kandidatur zu bewerben, bereits länger bestanden habe.

Im Wahlkampf, so hob die Landtagsabgeordnete Angela Dorn hervor, würden Flohrschütz und Nadine Bernshausen, die mit 22 Ja-Stimmen als Ersatzkandidatin bestimmt wurde, als Team auftreten. Die 37-jährige aus dem Hinterland stammende Richterin, die sich derzeit im Mutterschutz befindet, war nicht für die erste Position angetreten. (kse)


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