Guter Journalismus ist etwas wert

BEZAHLSCHRANKE Weshalb auch Redakteure ihre Arbeit nicht einfach verschenken können

Wer diesen Hinweis auf dem Bildschirm sieht, ist an die Paywall gestoßen. Abonnenten loggen sich dann einfach ein, alle anderen kaufen den Artikel einzeln oder einen Wochen- beziehungsweise Monatspass. Die Zeitangabe verdeutlicht, wie lang der Beitrag ist. (Screenshot: Engelhardt)

Wer Lebensmittel oder andere Güter des Alltags einkauft, bezahlt dafür an der Kasse. Wer den Tank seines Autos füllt, geht anschließend in die Tankstelle, um dafür zu zahlen. Und wer die Dienste eines Handwerkers in Anspruch nimmt, entlohnt den Fachmann für dessen professionelle Arbeit.

Das alles ist für die meisten Menschen selbstverständlich (oder sollte es zumindest sein). Wer in den vergangenen Wochen aufmerksam die Kommentare auf den Facebook-Seiten von mittelhessen.de gelesen hat, bekommt jedoch den Eindruck: Es gibt Ausnahmen. Denn Journalisten – dieser Ansicht scheinen zumindest manche Zeitgenossen zu sein – dürfen für ihre Arbeit kein Geld verlangen, sondern haben diese selbstverständlich zu verschenken.

Dies scheint insbesondere im Internet zu gelten. Selbst wer bereit ist, für eine gedruckte Zeitung einen angemessenen Preis zu bezahlen, sieht das online mitunter völlig anders. „Kohle fürs Artikel lesen??? Internet verstanden?“, schreibt uns etwa Pascal W. in die Facebook-Chronik. Daniel K. findet: „Für Nachrichten Online Geld bezahlen... Nein Danke!! Gibt genug Alternativen!“ Und Sarah D. ist der Ansicht: „Früher konnte man alle Artikel noch lesen, heute muss man dafür bezahlen, echt traurig sowas.“

Das sind nur drei Beispiele von mehreren ähnlich gelagerten Kommentaren, die uns in den vergangenen Wochen über unterschiedliche Kanäle erreichten – meist eben auf unseren Facebook-Seiten, dort häufig in der Spalte „Bewertungen“. Alle haben gemeinsam, dass ihre Autoren offenbar nicht verstehen, dass auch Journalisten von ihrer Arbeit leben, wie das für alle berufstätigen Menschen gilt – eben auch für jene, die in der Gesellschaft gebraucht werden.

Artikel werden sorgfältig und ausgewogen recherchiert, achtsam geschrieben, mit guten Bildern versehen, die ebenfalls zunächst mal gemacht werden müssen. Dann werden die Seiten der gedruckten Zeitungen gestaltet, dabei Themen bewertet und gewichtet. Das alles kostet Zeit und Geld, es ist eine Arbeit, die von ausgebildeteten Redakteuren und motivierten Mitarbeitern professionell erledigt wird. Und es gibt keinen Grund, weshalb einem Leser oder einer Leserin diese Arbeit nichts wert sein sollte.

Vor der Paywall: Staumeldungen, Jugendthemen, Tierheim-Serie und der „Tatort“

Ähnliches gilt für Online-Nachrichten, die mit hochwertigen Videos oder anderen multimedialen Inhalten versehen und für die Darstellung im Netz nachträglich bearbeitet werden.

Dabei ist die Online-Redaktion fast rund um die Uhr im Einsatz: Wir reagieren notfalls auch nachts, damit unsere User immer auf dem Laufenden sind. Wer sich all das vor Augen führt und immer noch „traurig“ findet, dass unsere Artikel nicht verschenkt werden, sollte mal über den Wert seiner eigenen Arbeit nachdenken. Arbeiten andere Berufszweige umsonst?

Im Übrigen stehen nicht alle Online-Beiträge hinter der Bezahlschranke. Aktuelles von der Polizei (mit Hinweisen auf Staus), kurze Erstmeldungen, Jugendthemen, Infos über freie Lehrstellen, unsere Tierheim-Serie, die „Tatort“-Rezensionen, besonders wichtige Nachrichten (etwa über verschmutztes Trinkwasser) – es gibt einige Texte, die sich vor der Paywall befinden und von jedem lesen lassen.

Wer eine gedruckte Ausgabe abonniert hat, hat zusätzlich dazu selbstverständlich kostenlosen Zugriff auf sämtliche Online-Inhalte. Aber nach einer kostenfreien Registrierung haben auch Nicht-Abonnenten drei Artikel in 30 Tagen frei.

Und: Nicht jeder reagiert verständnislos. „Meine Familie und ich sind seit Jahren (mit Eltern seit Jahrzehnten) Abonnenten der Tageszeitung“, schreibt etwa Stefan S. in einem Kommentar. „Zusätzlich habe ich E-Paper aktiviert. (...) Und per App und Internet lese ich sie zusätzlich noch an jedem beliebigen Ort. Sollen wir Abonnenten für euch mitzahlen? (...) Alle Mitarbeiter einer Zeitung haben ein Recht auf ihren Verdienst.“

Und Leser Michael S. stellt fest: „Das Redaktionsteam Mittelhessen ist für mich ein sehr kompetentes und freundliches Unternehmen. Berichterstattung kostet Geld. (...) Wer Zeitung lesen will, soll doch bitte auch das Geld dafür bezahlen.“


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