Halloween macht Reformationstag Konkurrenz

RELIGION Dekan Reichard will kritisches Bewusstsein für Kirche und Gesellschaft wecken

Gehören zu Halloween: ausgehöhlte und beleuchtete Kürbisse.

(Foto: Reichel/dpa)

Der Reformationstag sei aus dem Blick geraten, sagt der Weilburger Dekan Ulrich Reichard. Er könne sich noch gut an Zeiten erinnern, in denen am Reformationstag Gottesdienste in Schulen eine Selbstverständlichkeit waren. Er thematisiert das Fest und dessen Hintergründe im Religionsunterricht an der Hadamarer Fürst-Johann-Ludwig-Schule. Dabei verknüpft er die Themen Reformation, Toleranz und Ethik. Wichtig sei die Frage nach der Entwicklung der Gesellschaft. Er wolle bei seinen Schülern ein kritisches Bewusstsein für Kirche und Gesellschaft wecken. Sich dabei selbst immer wieder in Frage zu stellen, sei im Sinn von Martin Luther, der immer über Inhalte und theologische Ziele geredet habe. Reichard wünscht sich viel mehr gute Gespräche.

Halloween dagegen verbindet er mit gruseligen Filmen und dem Schüren von Angst und Gewalt.

Auch der Löhnberger Pfarrer Wolfgang Leuschner sieht keine Verbindung zwischen dem Reformationstag und Halloween. Für ihn hat der Reformationstag einen hohen Stellenwert. Leuschner bedauert, dass nicht in allen Gemeinden Gottesdienste zum Reformationstag stattfinden.

n Schulpfarrer Fischer: Auch Halloween hat einen religiösen Hintergrund

Hans-Werner Fischer ist Schulpfarrer am Weilburger Gymnasium Philippinum. Bei den jüngeren Jahrgängen bis Klasse acht sei der Reformationstag noch präsent, sagt er. Das führt er auf den Konfirmationsunterricht zurück.

Für Schüler der Oberstufe sei das Reformationsfest leider nicht mehr wichtig. Für sie verlagere sich das Interesse auf Halloween mit Verkleidungen und gruseligen Festen. Dabei habe auch Halloween einen religiösen Hintergrund. Der Brauch komme aus dem Keltischen und sei aus dem Bedürfnis entstanden, den Geistern der Toten ihre Ruhe zu geben und so dafür zu sorgen, dass sie die Lebenden nicht mehr belästigen.

Am 31. Oktober 1517 soll Martin Luther 95 Thesen zu Ablass und Buße an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen haben. Damit leitete er die Reformation der Kirche ein. Er bestritt, dass eine Erlösung von der Sünde durch einen Ablass in Form einer Geldzahlung möglich sei.

Das Wort "Halloween" geht auf das Wort "All Hallows’ Eve" (Vorabend von Allerheiligen) zurück. Heute steht der heidnische Brauch in Konkurrenz zum Reformationstag, mit dem er zeitlich zusammenfällt. Halloween wurde früher nur in katholischen Gebieten Großbritanniens gefeiert, vor allem in Irland.

Nach volkstümlicher Überlieferung war Jack O’Latern der Hölle entkommen und verdammt, zwischen Hölle und Himmel zu wandern. Er war unterwegs mit einer Kerze in einer ausgehöhlten Rübe. Daher kommt der Brauch, Kürbisse auszuschneiden und zu beleuchten.


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2013
Kommentare (0)
Mehr aus red.web unzugeordnet