Hanf macht Rohre dicht

Projekt Gian-Luca lernt bei der Firma Förster Anlagenmechaniker SHK

Der Auszubildende der Firma Förster aus Hüttenberg-Rechtenbach steht mit zwei Gesellen im Keller eines Kunden und prüft die neu installierte Heizungsanlage. „Wir haben den alten Kessel abmontiert und vor die Tür getragen, dann einen neuen in den Keller gebracht.“ Heizungskessel sind keine Leichtgewichte, manche alten Kessel sogar so groß, dass sie noch im Keller auseinandergeschnitten werden müssen. „Meistens sind die neuen Kessel leichter“, erzählt der 19-Jährige im ersten Lehrjahr. Michael Watz, Elektro-, Heizungs-, Sanitärmeister und Leiter der Ausbildung, erklärt: „Für den Beruf muss man körperlich fit sein.“ Gian-Luca ist das.

Um 6.45 Uhr startet sein Arbeitstag bei der Firma Förster. Er räumt Rohre und Dichtungen vom Vortag ins Lager, wickelt Isolierungen von abgebauten Kupferrohren ab und hilft den Kollegen, das Fahrzeug für die nächste Baustelle neu zu bestücken. „Zwischen halb acht und acht machen wir uns in der Regel auf den Weg zum Kunden.“ Privatkunden bilden den Schwerpunkt, aber auch gewebliche Kunden werden bei der Firma Förster, die seit Oktober 1991 auf dem Markt ist und mehr als 40 Mitarbeiter beschäftigt, betreut.

„Vor Ort wird der Kunde begrüßt, und wir machen uns ein Bild der Lage.“ Ist der alte Kessel draußen und der neue drin, beginnt die eigentliche Arbeit eines Anlagenmechanikers. Meist ist zu diesem Zeitpunkt der Arbeitstag zur Hälfte gelaufen, doch die Kunden müssen sich keine Sorgen machen, verspricht Michael Watz.

Wenn wir abends die Baustelle verlassen, hat der Kunde warmes Wasser oder Heizung

„Wenn wir abends die Baustelle verlassen, hat der Kunde warmes Wasser oder eine funktionierende Heizung. Vorher gehen wir nicht!“ Dass Handwerker unzuverlässig seien, „ist ein Klischee aus den 70er Jahren und leider in einigen Köpfen immer noch vorhanden“.

Bereitschaft zu Überstunden sollte man mitbringen, wenn man sich für einen handwerklichen Beruf entscheidet, weiß auch Gian-Luca. Doch sind lange Tage die Ausnahme. Meistens können Gian-Luca und seine Kollegen pünktlich Feierabend machen. Auch Pausen sind selbstverständlich. „Da lese ich dann die Zeitung“, erzählt der 19-Jährige, der seit vergangenem Jahr am Projekt „Zeitung und Ausbildung in Hessen“ (s. Kasten) teilnimmt. „Das ist eine gute Abwechslung. Früher habe ich in der Pause immer nur auf mein Handy geschaut.“

Der 19-Jährige schraubt und dreht inzwischen am Gewinde. „Es wird aufgehanft“, erklärt er. „Wir verbinden die Rohrleitungen mit Hanf, das ist ein gutes Abdichtmittel.“ Dann wird das Heizungsrohr an den Kessel angeschlossen. Ein Ausdehungsgefäß wird montiert, dann die Nachspeiseeinheit: „Sie filtert Kalk aus dem Trinkwasser, denn die Anlage darf nur mit enthärtetem Wasser gefüllt werden.“ Schließlich müssen Warmwasserspeicher angebunden, Abgasrohre durch den Kamin verlegt, Abwasser an Sicherheits- und Tropfleitungen angeschlossen, die Verbrennungsanlage auf den neuesten Stand gebracht und elektrische Anschlüsse hergestellt werden. Klingt kompliziert? „Die Ausbildung dauert nicht ohne Grund dreieinhalb Jahre“, sagt Ausbildungsleiter Watz. Voraussetzungen seien neben körperlicher Fitness und Schwindelfreiheit vor allem handwerkliches Geschick und mindestens ein qualifizierter Hauptschulabschluss mit guten Leistungen in Mathe, Physik und Deutsch. „Auch mit Menschen sollte man umgehen können, wir haben viel Kundenkontakt“, so Gian-Luca.

Bei der Ausbildung zum Anlagenmechaniker SHK lernen die Azubis nicht nur den Bereich der Heizungstechnik, sondern den gesamten Sanitärbereich kennen. Denn neben Kesselwechseln montiert das Team aus Rechtenbach einzelne Sanitärobjekte sowie schlüsselfertige Bäder, hängt Heizkörper auf und verlegt Warm- und Kaltwasserleitungen.

Neben der Montage von Solaranlagen zur Brauchwassererwärmung bringt Förster auch Photovoltaikanlagen mit Batteriespeicher zur Stromgewinnung und -speicherung aufs Dach. Gian-Luca ist begeistert von der Bandbreite seines Ausbildungsberufes. „Ich habe vorher eine Ausbildung in einem Büro angefangen, das war gar nichts für mich.“


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