Hautkrebs frühzeitig erkennen

Telefonaktion  Hautärztin Sabine Paul berät Anrufer zu Auffälligkeiten auf der Haut

Ein 84-jähriger Anrufer aus Greifenstein bemerkt vor Kurzem eine kleine helle Wunde auf seiner Nase, deren Beschaffenheit er als schuppig beschreibt. „Ich habe versucht, die Wunde mit einer Salbe zu behandeln, doch sie geht nicht weg und ich erkenne keinerlei Heilungsfortschritte“, so der Anrufer. Hautärztin Sabine Paul vermutet, dass es sich um hellen Hautkrebs handeln könnte. Sie rät dem Mann, sich operieren zu lassen. „Heller Hautkrebs wächst und geht unter keinen Umständen von selbst weg“, so die Fachärztin. „Sollten Sie den Krebs nicht entfernen lassen, könnte er nach innen wachsen und Nasenknorpel beschädigen“, mahnt die Ärztin.

Der Greifensteiner möchte daraufhin wissen, woher der helle Hautkrebs kommt und vermutet seine Entstehung aus einer früheren Verletzung. Sabine Paul weiß: „Ein sogenanntes Basalzellkarzinom, das ist der Fachbegriff für eine Form von hellem Hautkrebs, muss nicht zwangsläufig aus einer Wunde entstehen, oftmals fällt den Patienten allerdings durch eine Verletzung erst auf, dass etwas nicht stimmt.“

Raue Stellen sind häufig Formen von hellem Hautkrebs, müssen aber nicht zwangsläufig solche sein

Eine 68-jährige Anruferin aus Hüttenberg vermutet hinter einer weißen Wunde im Ohr ebenfalls eine Form des hellen Hautkrebses. Die Dame schildert am Telefon ihre Symptome: „Seit einigen Tagen ist mein Ohr entzündet - es ist heiß und geschwollen.“ Sie habe zudem einen kleinen weißen Fleck im Ohr bemerkt, der sich rau anfühlt. Sabine Paul stellt die Ferndiagnose: Wundrose. „Das ist eine bakterielle Infektion, die mit Antibiotika behandelt werden muss“, erläutert die Hautärztin. Die Anruferin war vor fünf Jahren an schwarzem Hautkrebs, einem sogenannten Melanom, erkrankt und ist deshalb ängstlich. „Das Risiko, erneut an Hautkrebs zu erkranken, ist für Sie durch diese Vorbelastung höher, aber in diesem Fall gehe ich von einer Wundrose im Ohr aus“, beschwichtigt die Hautärztin, die in Wetzlar praktiziert.

Ein 84-jähriger Anrufer hat dagegen zwei Karzinome an Arm und Nase. „Komme ich um eine OP herum?“, möchte der Merenberger von Sabine Paul wissen, die dies verneint: „Karzinome streuen zwar keine Metastasen wie der schwarze Hautkrebs, richten aber dennoch Schaden.“ An einer Vorstufe von hellem Hautkrebs leidet ein 88-jähriger Anrufer, er klagt über kleine gelbe Bläschen und raue, feste Stellen an Kopf und Stirn. „Dies sind sogenannte Lichtschäden, auch Sonnenkruste genannt“, erklärt Sabine Paul. Diese Vorstufe von hellem Hautkrebs könne der Herborner mit einer Salbe behandeln. „Dies sollte aber kontinuierlich und zügig geschehen“, rät die Fachfrau. Außerdem legt sie dem Anrufer nahe, sich nach der Behandlung täglich mit Sonnencreme Gesicht und Kopf einzuschmieren und einen Hut zu tragen.

„Das ist sowieso bei sämtlichen Vorerkrankungen notwendig, denn die Haut ist täglich den UV-Strahlungen ausgesetzt“, so Paul. Oftmals werde die Sonne unterschätzt, die eben auch durch Wolkendecken hindurch die Haut bestrahlt. Muttermale können durch starke Sonneneinwirkung zu Melanomen werden. „Tückisch ist der schwarze Hautkrebs, wenn er eben nicht, wie der Name sagt, braun oder schwarz gefärbt, sondern rosa oder rot ist“, weiß die Expertin. Rötungen können aber ebenfalls andere Hautirritationen sein.

Eine weitere Anruferin aus Ehringshausen beklagt sich dementsprechend über einen starken Juckreiz im Gesicht. Sabine Paul beschreibt: „Juckreiz kann unzählige Ursachen haben.“ So könnte die 78-jährige beispielsweise unter einer altersbedingten Schuppenflechte oder Neurodermitis leiden. Das Jucken könnte aber auch von einer Unverträglichkeit von Kosmetikprodukten kommen. „Versuchen Sie, Duschgel und sämtliche andere Kosmetika ohne Duft- und Konservierungsstoffe zu benutzen“, rät die Hautärztin der Dame. Sollte der Juckreiz nicht abklingen, sei in jedem Fall ein Arzt aufzusuchen, der sich die betroffenen Stellen ansieht. „Das kann zunächst ihr Hausarzt sein, der sie gegebenenfalls an einen Hautarzt weiterleitet“, sagt Paul.


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