Heilungschancen sind gestiegen

AKTION Professor Uwe Wagner ist Spezialist für die Behandlung von Eierstockkrebs

Seit Angelina Jolie sich Eileiter und Eierstöcke entfernen ließ, haben viele Menschen von dem Risiko für Eierstockkrebs durch eine Genmutation gehört. Aber auch Übergewicht und viele Zyklen ohne Schwangerschaft oder ohne die Einnahme der Pille erhöhen das Risiko für diese Krebsart, die auch heute noch in 50 Prozent der Fälle tödlich endet.

"Da die Symptome unspezifisch sind, wird der Tumor bei drei Viertel der Betroffenen erst im fortgeschrittenen Stadium erkannt", erklärt Professor Wagner. Der Gynäkologe ist seit Langem Spezialist für diese Krebsart und arbeitet an der bundesweiten "Leitlinie" für Eierstockkrebs der Deutschen Krebsgesellschaft mit.

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Eierstockkrebs tritt vor allem bei Frauen über 50 Jahren auf. Jede 68. Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an der gefährlichen Krebsart.

Zu einer Abklärung rät Professor Wagner auf jeden Fall, wenn eine Frau lange Zeit unter Völlegefühl, Blähungen, Bauchschmerzen oder Verdauungsbeschwerden leidet, die auf keine Behandlung ansprechen.

Besonders hoch ist das Rückfallrisiko bei dieser Krebsart, deshalb hängen die Überlebenschancen der betroffenen Frauen von der Expertise des behandelnden Zentrums ab, betont Professor Wagner. Sowohl die Operation muss perfekt gemacht sein als auch die Nachbehandlung entsprechend der Leitlinien, erklärt der Spezialist.

Eine 76-jährige Dautphetalerin hatte vor einem Jahr eine Operation wegen Eierstockkrebs. Sie verträgt aber die Chemotherapie mit Paclitaxel nicht, Sie hat Wasser in den Beinen und kann kaum noch essen, weil ihre Verdauung beeinträchtigt ist.

Es gebe auch andere Möglichkeiten der Chemotherapie, sagt Professor Wagner. Auch eine hormonelle Therapie könne helfen, das Rückfallrisiko zu senken, das bei 60 bis 75 Prozent liege. "Eine hormonelle Behandlung ist in Ihrem Alter unbedenklich", weiß er.

Unklare und anhaltende Beschwerden im Bauchraum untersuchen lassen

Einer 51-Jährigen aus dem Hinterland wurden vor fünf Wochen Gebärmutter und ein Eierstock entfernt. Sie möchte wissen, ob sie Hormone nehmen soll. Professor Wagner rät ihr dazu. "Wenn Sie bis zum Beginn Ihrer natürlichen Wechseljahre Hormone nehmen, hat das keine nachteiligen Wirkungen", sagt er. Östrogen als Creme oder Pflaster schone die Leber.

Bei einer 60-jährigen Anruferin ist vor einem Jahr eine Zyste am Eierstock entdeckt worden, die aber nicht wächst. Muss sie sich Sorgen machen?

"Das kann auch ein verschlossener Eileiter sein. Wenn sich nichts verändert und Sie das jedes halbe Jahr untersuchen lassen, muss man erst einmal nichts machen. Nur wenn sich die Größe plötzlich verdoppelt, würde ich operieren", beruhigt Professor Wagner die Anruferin.

Eine 61-Jährige aus Biedenkopf hatte 2012 eine Brustkrebsoperation und möchte wissen, ob sie nach fünf Jahren weiter Hormonhemmer nehmen muss. Sie hat als Nebenwirkung starke Gelenkschmerzen. Sie habe nur einen kleinen Tumor ohne Lymphknotenbefall gehabt, sagt sie.

"Wenn Sie das Medikament fünf Jahre lang genommen haben, haben Sie den größtmöglichen Nutzen herausgeholt", sagt der Spezialist. Nach fünf Jahren könne sie das Medikament absetzen.


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