"Hier wird keiner ausgelacht"

PROJEKT-AG Haigerer "Lesefüchse" präsentieren ihre neue Hörspiel-CD
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Toleranz und der Spaß am Lesen steht für die Teilnehmer der "Lesefüchse" ganz oben. Die Schüler der Haigerer Johann-Textor-Schule ziehen ihre Freude jedoch nicht nur aus Büchern, sondern produzieren selbst Hörspiele. Ihr zweites, "Mord am grauen Mann", befindet sich gerade in der Produktionsendphase. (Foto: Röder)

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Nicht nur wissbegierig, sondern auch schauspielerisch begabt und kreativ zeigten zehn "Lesefüchse", die einen Krimi vertont haben.

Die Szenerie erinnert an Agatha Christie. Ein abgelegenes Berghotel, welches nur mittels Seilbahn zu Erreichen ist. Eine mysteriöse Einladung, die an alle beteiligten verschickt wurde. Man lernt sich kennen und mögen und dann plötzlich ein erster Mord. Alle sind verdächtig - egal ob Hausmeister, Partygast oder Gespielin des Polizisten.

Die Handlung von "Mord am grauen Mann" könnte simpler nicht sein, doch die Schüler haben dem ursprünglichen Theaterstück durch die Umwandlung in ein anderes Medium neue Impulse entlockt: Der "Mord am grauen Mann" ist in der Interpretation der Jugendlichen ein Hörspiel.

n Am Anfang ist es schwer, frei zu sprechen und zu spielen, sagt ein Schüler

Ursprünglich angefangen hat das jahrgangsübergreifende Angebot der pädagogischen Mittagsbetreuung damals als reine Lesegruppe. Schüler der Jahrgangsstufen 5 bis 10 stellten sich gegenseitig ihre Lieblingsbücher vor oder organisierten Autorenlesungen.

So waren beispielsweise schon der Fantasybuchautor Christoph Hardebusch oder Bernd Perplies zu Gast. "Es geht mir nicht nur darum Lesefähigkeit zu vermitteln, sondern insbesondere auch darum, den Spaß am Lesen zu wecken", erklärt "Oberfuchs" und Deutschlehrer Steffen Wendland.

Für Wendland, selbst erklärter Hörbuchfan, war es naheliegend ein solches Projekt in Angriff zu nehmen. So realisierten die "Füchse" innerhalb von zwei Jahren die Vertonung von Tolkiens Fantasyauftakt "Der kleine Hobbit". "Diesmal wollten wir etwas anderes machen", erzählen die "Lesefüchse". "Wir wollten weg vom Fantasy und einen waschechten Krimi umsetzten", führt Jan-Willem aus.

Die ersten Erfahrungen hatte man mit dem "Hobbit" schon gesammelt, nun musste also nur noch ein besseres Mikrofon her und die Arbeiten konnten beginnen. Etwa ein Jahr lang werkelten die "Lesefüchse" jeden Montag zwei Schulstunden an dem Stück. Noch ist es nicht ganz fertig, einige kleine Schnittarbeiten müssen noch erledigt werden.

Das Gros der "Lesefüchse" bei der aktuellen Produktion setzt sich aus Gymnasialschülern zusammen. "Es ist leider so, dass bei vielen Jugendlichen lesen als uncool gilt", klagt Wendland. Ein Großteil habe zudem andere Interessen.

Beim "Mord am grauen Mann" sei das eigentliche Textlesen regelrecht zum Werkzeug geworden, wie Wendland beschreibt. "Es war zwar nötig, um die Geschichte zu erzählen und zu verstehen, aber vieles haben die Schüler auch so eingebracht."

Auch improvisieren gehöre dazu, sagt Jan-Willem, der in einer Doppelrolle den Hausmeister Toni und Sven, einen der Gäste, spielt. "Am Anfang fiel es mir sehr schwer, frei zu reden und mich vom Text zu lösen. Irgendwann hat man ihn dann weggelegt und einfach gespielt." Wiederum anderen fiel das "Schauspielern im Kleinen" nicht sonderlich schwer. Diana beispielsweise hatte bereits Erfahrungen in der Theater-AG gesammelt.

"Ich habe mich schnell in meine Rolle rein gefunden", erzählt sie. Auch etwas, was manchen Jugendlichen schwerfällt - vor anderen Emotionen zu zeigen, wenn sie auch nur gespielt sind - habe ihr sehr viel Spaß gemacht. Das hört man auch an ihrem Schrei, der durch Mark und Bein geht, als ihr Charakter die erste "Leiche" findet.

"Bei uns wird niemand ausgelacht", sagt Wendland sichtlich stolz auf seine "Lesefüchse". Hier wird miteinander und nicht übereinander gelacht."

Die AG richte sich an begeisterte Leser, allerdings können auch andere gerne vorbeischauen. "Wir hatten schon Teilnehmer, die massive Probleme mit dem Lesen hatten. Doch während ihrer Zeit bei uns haben sie erstens gelernt besser zu lesen, und auch den Spaß daran kennengelernt", sagt Lehrer Wendland.

Obwohl Wendland sich derzeit noch in der Post-Produktion von "Mord am grauen Mann" befindet, planen die "Lesefüchse" schon das nächste Hörspiel: "Das Gespenst von Canterville".

"Wir wollen jedoch nicht jedes Jahr ein neues Stück produzieren, sondern immer nur dann, wenn die Jugendlichen selbst auch Lust darauf haben. Wenn die Sache zum Zwang wird, dann macht alles keinen Spaß mehr", erklärt Wendland. Und den Spaß, dass ist klar, denn will den "Lesefüchsen" niemand nehmen.

n Das aktuelle Hörspiel "Mord am grauen Mann" kann gleich nach Abschluss der Schnittarbeiten in der Mediothek der JTS ausgeliehen werden. Wer sich bereits vorab einen Eindruck von den Fähigkeiten der "Lesefüchse" machen möchte, kann sich dort auch den "Hobbit" ausleihen.


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