Höchste Zeit, umzudenken

"Klasse!"-Teilnehmer sind dem Energiewandel auf der Spur
Da kommt der Stecker rein: Im Anschluss an ihr Referat und einen Rundgang durch das Generatorenhaus  erklärte Iris Herrm
Da kommt der Stecker rein: Im Anschluss an ihr Referat und einen Rundgang durch das Generatorenhaus erklärte Iris Herrmann den Kirchbergschülern, wie ein Elektroauto "aufgetankt" wird. (Fotos: U. Geis)
Faszination Technik: Diese Jungs von der Neuen Friedensschule nahmen einen fast 100 Jahre alten Generator  unter die Lup
Faszination Technik: Diese Jungs von der Neuen Friedensschule nahmen einen fast 100 Jahre alten Generator unter die Lupe.
Holzrohr: In der Ausstellung erläuterte Iris Herrmann, mit welch einfachen Materialien in den ersten Jahren die Wasserve
Holzrohr: In der Ausstellung erläuterte Iris Herrmann, mit welch einfachen Materialien in den ersten Jahren die Wasserversorgung des Kraftwerkes sicher gestellt wurde.
Geduldig beantwortete Iris Herrmann sowohl im Sitzungssaal als auch im Gerneratorenhaus und wie hier daraueßn am Elektro
Geduldig beantwortete Iris Herrmann sowohl im Sitzungssaal als auch im Gerneratorenhaus und wie hier daraueßn am Elektroauto die Fragen der jungen Leute.
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Die Jugendlichen besuchten das Informationscenter im Wasserkraftwerk des Unternehmens am Stauweiher zwischen Sinn und Merkenbach. Und hier wurden sie mit den Stoffen, aus denen die energiepolitischen Träume sind, hautnah konfrontiert.

Und mit ihren Vor- und Nachteilen. Eines dieser Handicaps, die viele heute noch weit verbreitete Energieformen haben, ist ihre Endlichkeit. Noch 47 Jahre steht der Menschheit nach heutigem Wissensstand Erdöl zur Verfügung, nicht viel länger strömt Gas durch die Leitungen. Kohle kann noch rund 100 Jahre gefördert werden. Und mit dem Atomstrom ist es ohnehin bald ganz vorbei.

Höchste Zeit, umzudenken und auf neue und nachhaltige Strom- und Wärmeproduzenten zu setzen. Dazu gehört die Wasserkraft, und genau die kann in den Generatoren am Sinner Stauweiher ungefähr so viel Strom produzieren, wie die Dörfer Fleisbach und Merkenbach verbrauchen, erklärte Herrmann.

Vorausgesetzt, dass immer genügend Wasser dem Rehbach in dessen 17 Kilometer langem Bett zur Verfügung steht. Nach monatelanger Trockenheit ist das derzeit nicht der Fall, so dass die knapp dreitausend Kilowatt erzeugenden Maschinen zurzeit stillstehen. Abgesehen von den knapp fünf Minuten, in denen die Realschüler einen Eindruck davon bekamen, wie laut es in dem Generatorenhaus wird, wenn alles rund läuft.

Anhand von Schautafeln erhielten die Jugendlichen auch einen Einblick in die Struktur der so genannten Rehbach-Kette, die, ausgehend von der auf 523 Metern über dem Meeresspiegel liegenden Krombach-Talsperre, in fünf Stufen immer wieder angestaut und zur Energieerzeugung genutzt wird.

Wenn die Herde glühen, sprechen Stromerzeuger mittags von der "Kotelett-Spitze"

Wichtige Bauwerke auf dem Wasserweg zum 320 Meter tiefer liegenden Sinner Stauweiher sind die so genannten Wasserschlösser, in denen Wasser gespeichert wird, das in Spitzenzeiten wieder zur Stromerzeugung in den Kreislauf abgelassen wird.

Augenfälligstes Wasserschloss, erklärte Herrmann, sei der Wasserturm oberhalb von Merkenbach, der auf einer Höhenlinie mit dem letzten Speicherbecken in Guntersdorf liegt. "Beides sind Enden kommunizierender Röhren", machte sie deutlich.

Doch das war noch nicht alles. Die Mädchen und Jungen erfuhren zudem, dass in normalen Zeiten zwei Badewannen voll Wasser den Rehbach hinabfließen und dass die Mittagszeit wegen ihres hohen Energieverbrauchs in der Küche unter Stromerzeugern "Kotelett-Spitze" heißt.

Einige der Begriffe waren vielen Schülern aus dem Unterricht geläufig, und so hatten sie auch viele Fragen an die Referentin. Begeistert waren auch die Pädagogen. "Der Vortrag war sehr gut auf die Jugendlichen abgestimmt", freute sich Gisela Stahl-Spoo von der Kirchbergschule. Auch ihre Kollegin Tanja Steinruck von der Neuen Friedensschule war sehr beeindruckt, obwohl diese Thematik zurzeit nicht auf dem regulären Unterrichtsplan stünde. Aber gerade im Rahmen des "Klasse!"-Projekts sei der Besuch im Kraftwerk wichtig und interessant gewesen.

Das Schulprojekt "Klasse!" läuft derzeit in 84 Klassen in Mittelhessen. Die Schüler lesen vier Wochen lang Zeitung in der Schule und können verschiedene Zusatzangebote - wie diesen Kraftwerksbesuch - wahrnehmen.


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