Hofreiter kommt bei Milchbauern gut an

LANDWIRTSCHAFT Grüner Bundesfraktionsvorsitzender fordert Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb

Anton Hofreiter (rechts) überzeugte durch klare politische Konzepte. (Foto: Koelschtzky)

„Man kann glauben, dass das ein Politiker ist“, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende der Molkerei, Johannes Geissler.

Bei Hofreiters Besuch in der Molkerei, in der die heimischen Bauern in Eigenregie ihre Milch vermarkten, ging es natürlich zuerst um die Milchkrise. „Viele Milchbauern hören bei den ruinösen Preisen derzeit auf. Die Zahl unserer Lieferanten ist auf unter 50 gesunken“, berichtete Geissler. Zudem habe es eine kleine Marke wie die Marburger schwer, sich gegen die leeren Versprechungen der großen Marken durchzusetzen. „Wir können uns keinen großen Werbeetat leisten“, so Geissler.

Hofreiter vertrat die Ansicht, dass die Qualität der Marburger – ohne Gentechnik, tatsächlich aus der Region und dem Naturschutz verbunden – eigentlich genau das sei, was der Verbraucher wolle. „Aber die beständigen Betrügereien der Massenmarken, die mit nicht existenten Hofgütern werben und die Verbraucher täuschen, haben die Menschen misstrauisch gemacht. Sie glauben nicht mehr, dass wirklich das in der Verpackung ist, was außen zu sehen ist“, meinte Hofreiter.

Mehr Chancen für kleine Marken

Er forderte mehr Gesetze und Kontrollen gegen den unlauteren Wettbewerb. So sei der Begriff „regional“ gesetzlich nicht geschützt, jede Molkerei könne das wahrheitswidrig auf ihre Verpackungen schreiben, und tue das auch. „Wenn wir Gesetze schaffen, bei denen der Verbraucher sich wieder auf die Aussagen verlassen kann, werden auch kleine Marken mehr Chancen haben“, sagte er.

Für den gebeutelten Milchmarkt forderte er eine flexible Mengensteuerung. „Der Frischemarkt mit der Milch ist extrem sensibel. Werden drei Prozent zuviel produziert, bricht der Erzeugerpreis um 30 Prozent ein“, berichtete er. Deshalb solle es eine staatliche Mengensteuerung geben, um die Existenz der heimischen Bauern zu schützen. „Das ist gesetzlich möglich, viele EU-Länder sind da auf unserer Seite. Aber der Bundeslandwirtschaftsminister blockiert solche Vorstöße“.

Hofreiter kritisierte, dass 35 Prozent der jährlichen europäischer Agrarförderung bei vier Prozent Großbetrieben lande. „Es geht darum, dass die Förderung auch bei denen ankommt, die sie brauchen. Eine grundsätzliche Veränderung auf EU-Ebene haben der Deutsche Bauernverband und Frau Aigner verhindert. 2018 gibt es eine neue Chance, dort etwas zu bewegen“, meinte er.

Auch über die mögliche Bundespolitik nach der Wahl 2017 sprach Hofreiter auf Nachfrage der Bauern. „Sie werden ja als Landwirtschaftsminister einer schwarz-grünen Koalition gehandelt“, sagte Molkereiaufsichtsrat Alexander Vaupel. „Das wäre nicht das Schlechteste.“

Hofreiter betonte, dass es in jeder Koalitionszusammensetzung Probleme für die Landwirte gebe. „Schwarz-grün ist ja tatsächlich schwarz-schwarz-grün, und die CSU hat da noch ganz andere Positionen“, meinte der Bundesgrüne.

Geissler lobt Offenheit und klare Konzepte

Bei der SPD und den Linken sei das Problem, dass sie den Großstrukturen der alten Produktionsgenossenschaften anhingen und damit auch nicht für die Förderung der kleinen Betriebe zu haben seien. „Es wird also auf jeden Fall schwer, eine Politik für die bäuerliche Landwirtschaft gegen die industriellen Strukturen durchzusetzen“, so Hofreiter.

„Ich hoffe, Sie werden Landwirtschaftsminister, und dann sehen wir uns wieder“, verabschiedete Vorstandsmitglied Siegfried Schmidt den Politiker. Die Landwirte zeigten sich nach dem Gespräch sehr angetan von dem grünen Bundespolitiker. „So eine Offenheit und so klare Konzepte haben wir selten bei einem Politiker erlebt“, meinte Geissler.


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