"Hormone schützen den Körper"

DIREKTER DRAHT Gynäkologe Thomas Riepen gibt Auskunft über Hormonersatztherapie

Eine 53-jährige Frau aus Weilmünster klagte über "fürchterliche Schweißausbrüche" wegen den Wechseljahren. Sie habe aber Angst davor, Hormone zu nehmen. Sie kenne zwei Frauen, die dadurch Brustkrebs bekommen hätten. Sie habe inzwischen alles mögliche an pflanzlichen Präparaten ausprobiert, aber nichts habe wirklich geholfen.

"Östrogene braucht man, damit man wieder glücklich wird"

"Wir haben leider immer noch diesen Irrglauben, der auf einer Studie aus dem Jahr 2002 beruht, dass Hormone Brustkrebs verursachen", sagte Riepen. Es sei mittlerweile bewiesen, dass das nicht mehr der Fall ist, ganz im Gegenteil. Eine bis eineinhalb Frauen von 1000 haben einen Vorteil wenn sie eine Hormonersatztherapie nehmen würden, denn davon würden sie keinen Brustkrebs bekommen. "Hormone schützen ihren Körper, die sind gut, gerade die Östrogene, die braucht man, damit man wieder glücklich wird", klärte der Arzt auf. Wenn der Leidensdruck zu hoch wird, sei das ein guter Zeitpunkt mit einer guten Hormonersatztherapie anzufangen. Riepen riet ihr, sich von ihrem Frauenarzt beraten zu lassen. Es gebe auch eine Leitlinie, nach der empfohlen wird, frühzeitig Hormone zu geben. "Hormone machen keinen Brustkrebs", bekräftigte Riepen nochmals. Sie könnten einen unentdeckten Brustkrebs, der hormonsensibel ist im Wachstum beschleunigen, aber auslösen tut dieses Hormon das nicht, der entstehe anders.

In einer Publikation des angesehenen "New England Journal of Medicine" würden Autoren der WHI-Studie (Women’s Health Initiative) auf die Folgen der jahrelangen fehlerhaften Interpretationen ihrer Studiendaten hinweisen. Hunderttausende von Frauen hätten in der Folge der Studie, deren Auswertungen seit 2002 publiziert werden, die Hormonpräparate abgesetzt oder seien nicht angemessen behandelt worden, weil die Annahme vorgeherrscht habe, dass die Hormonersatzbehandlung durchweg gesundheitliche Risiken berge.

Jedoch übersteige der Nutzen dieser Ersatzbehandlung bei weitem mögliche Risiken, laut zwei der maßgeblichen Studienautoren. Betrachte man in der WHI-Studie nur Frauen zwischen 50 und 59 Jahren, könne bei ihnen neben der nachhaltigen Beseitigung der Hormonmangel-Symptome auch eine geringere Zahl an Knochenbrüchen, eine Senkung der Erkrankungsrate an Diabetes und an Todesfällen allgemein festgestellt werden. Die Hormonersatztherapie sollte im Idealfall sofort beim Eintreten der Wechseljahre beginnen, um den größtmöglichen Benefit zu erlangen.

Auch eine 53-Jährige aus Herborn sagte, dass sie nach ihrer letzten Periode im Februar mit Hitzewallungen zu kämpfen habe und pflanzliche Stoffe nicht wirkten. Sie wollte wissen, welche Möglichkeiten sie hätte.

Wenn sie die letzte Periode im Februar gehabt hat, könne die durchaus wieder kommen. Sie müsste für sich entscheiden, in wieweit sie das Schwitzen in täglichen Leben einschränkt. In ihrer Phase könnte sie es erst einmal mit Sojaprodukten probieren oder es gebe in der Apotheke pflanzliche Stoffe, die eine östrogenähnliche Wirkung im Körper hervorrufen, so dass es ihr wieder besser gehe. Würden aber noch Schlaflosigkeit dazukommen, wirken pflanzliche Mittel nicht mehr. "Erwarten Sie nicht Hilfe nach der zweiten Tablette, hier müssen Sie acht bis zwölf Wochen die pflanzliche Therapie einnehmen, bis Sie merken, es wirkt", sagte der Gynäkologe.

Eine 72-jährige Frau aus Herborn erzählte, dass sie noch immer das Östrogengel nehme. Sie habe rechts am Bein eine Krampfader, die weh tue und diese Bein etwas geschwollen sei. Sie wollte wissen, ob sie das Gel deshalb weiter nehmen könne. Wenn sie das Gefühl habe, da sei eine akute Thrombose in diesem Bein, müsse sie jetzt aufhören, die Therapie anzuwenden. "Sie müssen beim Arzt eine Venenentzündung ausschließen lassen, die das Risiko erhöht, eine Thrombose zu bekommen", meinte der Arzt. Das Gel, das sie nehme sei die beste Form der Hormonersatztherapie in ihrem Alter, weil es die wenigsten Nebenwirkungen und die höchste Wirkungskraft habe.


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