"Ich könnte jeden Tag spielen"

Serie Golfen in Wittgenstein

Auf dem Putting Green trainieren Golfneulinge den finalen Schlag, der den Ball ins Loch befördern soll. (Foto: Valentin)

Auch seine Tochter Kathrin hat Peter Kohl mit dem Golfvirus infiziert. Sie übt das Einlochen. (Foto: Valentin)

Auf der Driving Range wird an der Schlagweite und der Treffsicherheit gefeilt. (Foto: Valentin)

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„Bei uns duzt man sich und es laufen auch nicht nur angegraute Herren in weißen Hosen rum“, erzählt Jürgens. Tatsächlich erfreue sich der Golfsport in letzter Zeit gerade beim jüngeren Publikum einer wachsenden Beliebtheit. So liegt das Durchschnittsalter der Mitglieder gerade einmal bei Mitte 40. Das mag auch daran liegen, dass der Club selbst noch relativ jung ist.

Vor fünf Jahren wurde er auf der Sassenhäuser Höhe aus der Taufe gehoben und lockt seitdem nicht nur Spieler aus dem Wittgensteiner Land, sondern auch viele Hinterländer an. Allein in den vergangenen beiden Jahren hat der Club 110 neue Spieler gewonnen und seine Mitgliederzahl damit auf 360 gesteigert. Zu ihnen gehört auch Peter Kohl aus Herzhausen, der einen Platzreifekurs von seinen Skikollegen zum 60. Geburtstag geschenkt bekommen hatte.

Dieser zehnstündige Kurs unter professioneller Anleitung ist eine der beiden Voraussetzungen, dass man überhaupt Golf spielen darf. Darin werden unter anderem das Regelwerk und die Ausrüstung erklärt, aber auch Technik und Taktik des Golfens sowie eine grundlegende Schlägerkunde. Denn je nachdem, wie weit die Bälle fliegen sollen, werden verschiedene Schlägerformen eingesetzt, deren Köpfe mehr oder weniger angeschrägt sind. Auf diese Weise können die Spieler etwa den Steigungswinkel der Bälle beeinflussen.

Die Schwungtechnik spielt beim „Strategiespiel“ Golf eine große Rolle

Ein solcher Platzreifekurs schließt am Ende mit einer richtigen Prüfung ab. Die andere Voraussetzung für aktives Golfspielen besteht in der Mitgliedschaft in einem Club, erklärt Kohl. Seitdem er die Platzreife erlangt habe, sei er dem Sport regelrecht verfallen.

„Ich bin so fasziniert davon, dass ich jeden Tag spielen könnte. Denn man wird von Loch zu Loch immer wieder neu gefordert und muss sich hundertprozentig konzentrieren, um ein einigermaßen gutes Ergebnis zu bekommen“, berichtet er.

Auch Sascha Jürgens weiß: „Kein Tag, nicht einmal ein Schlag ist wie der andere.“ Man könne ein Loch überragend spielend und glaubt, man sei in einer Top-Form und wird dann am nächsten Loch schon wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, weil es einfach nicht klappen will. Golf sei ein Strategiespiel, sagt Jürgens. Das fange schon bei der Schlagtechnik an. Die meisten Männer gingen die Schläge anfangs zu verbissen an und versuchten, ordentlich Kraft in ihre Schwünge zu legen. Das sei aber falsch, betont Jürgens. Viel wichtiger sei die Schwungtechnik.

Die wird auf der so genannten Driving Range trainiert. Hier können Anfänger unter Anleitung von Darren und Jason Hillier erste Schlagerfahrungen sammeln. Wer gut ist und eine gute Hand-Auge-Koordination besitzt, kann es dabei durchaus schon auf eine Weite von 50 Metern oder mehr bringen. Geübte Golfspieler schlagen den Ball hingegen über zwei Fußballfelder weit, sagt Jürgens. Hier gehöre eben wie bei jedem Sport ein gewisses Trainings dazu, um ein Gespür dafür zu entwickeln, wie und in welchem Winkel der Ball getroffen werden muss, um in die gewünschte Richtung zu fliegen.

Wirklich weite Schläge bilden auf einem Golfplatz aber ohnehin die Ausnahme. Rund 70 Prozent der Schläge werden in einer Entfernung von 30 Metern um das Loch gemacht, erklärt Sascha Jürgens. Deswegen wird auch diese Distanz etwa bei Schnuppertrainings auf dem Golfgrün gesondert trainiert. Die dritte entscheidende Schlagtechnik lernt der Neuling auf dem Putting Green. „Das ist sozusagen der finale Schritt, bei dem der Ball ins Loch befördert wird“, betont Jürgens. Hier komme es mehr als an jeder anderen Stelle auf dem Platz auf die Konzentration und ein gutes Augenmaß an.

Golf ist quasi ein Herantasten an das Loch: Zuerst bedarf es einer gewissen Kraft, um die Distanz zu überbrücken, und anschließend Fingerspitzengefühl und Treffsicherheit. Darüber hinaus sei eine gewisse Kondition nötig, sagt Peter Kohl.

Bei 18 Löchern auf dem Platz lege man gute sieben Kilometer zu Fuß zurück – also durchaus eine mittlere Wanderstrecke. Und da ist die Bewegung beim Schlagen noch gar nicht berücksichtigt. Außerdem müsse man fürs Golfen auch ein wenig Zeit mitbringen. „Will man wirklich 18 Bahnen spielen, sollte man schon vier bis fünf Stunden einplanen“, erzählt Kohl. Das mache es für ihn schon schwierig, dem Sport mehrmals in der Woche nachzugehen.

Sascha Jürgens: Spieler bewegen sich an der frischen Luft und im Einklang mit der Natur

Für Sascha Jürgens ist das aber mit ein Grund, warum Golf ein idealer Gesundheitssport ist und sogar das Fitnessstudio ersetzen kann. Die Spieler bewegen sich nicht nur, sondern sie tun dies an der frischen Luft und im Einklang mit der Natur. Das sei ein wesentlicher Wohlfühlfaktor, sagt er. Wer einmal auf dem Golfplatz auf der Sassenhäuser Höhe gestanden hat, wird das nachvollziehen können. An schönen Tagen reicht der Blick hier gute 60 Kilometer in das Edertal hinein. „Das ist wie sportlicher Urlaub“, sagt Jürgens. „Wenn’s auf dem Platz mal nicht so gut läuft und man ein bisschen gefrustet ist, braucht man sich nur umzuschauen und kommt bei dem Ausblick direkt wieder runter.“

Hinzu kommt, dass man den Sport sowohl alleine für sich ausüben kann, wenn man mal Ruhe braucht, als auch zusammen mit Freunden. Tatsächlich hätten sogar schon Junggesellenabschiede auf dem Golfplatz stattgefunden, erzählt Jürgens und unterstreicht damit, dass es auf dem Grün nicht nur bierernst zugeht, sondern man auch Spaß haben kann.

Ein zweistündiger Schnupperkurs kostet beim Golfclub Wittgensteiner Land 19 Euro. Kinder bis zwölf Jahre erhalten sogar ein kostenfreies Training.


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